Die Sonderausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft?“ im Dokumentationszentrum-Nationalsozialismus in Freiburg zeichnet die Entwicklung und den Umgang mit Holocaust-Überlebenden nach.
Was passiert, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt? Wie kann man die Erinnerungskultur aufrecht erhalten, wenn es keine Überlebende des Holocaust mehr gibt, die von ihren Erfahrungen erzählen können? Dieser Frage widmet sich die erste Sonderausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft?“ im Dokumentationszentrum Nationalsozialismus (DZNS). Dabei werden nicht die einzelnen Personen mit ihren Biografien in den Fokus gerückt, sondern die verschiedenen Aspekte der Erinnerungskultur beleuchtet. Die Ausstellung zeig hinterfragt, was Zeitzeugenschaft ist und welche Bedeutung sie in der Gesellschaft seit 1945 hat.
Bei der Ausstellung handelt es sich um ein Projekt der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg nahe der tschechischen Grenze und des Jüdischen Museums Hohenems in Österreich, welches als Wanderausstellung unterwegs ist. Das DZNS in Freiburg ist die achte Station.
Entwicklung der Zeitzeugen rückt in den Vordergrund
Das Grundgerüst der Wanderausstellung ist immer gleich – jeder Ausstellungsort gestaltet zusätzlich einen Teil der Ausstellung selbst. „Es ist immer spannend zu sehen, wie die Ausstellung an den jeweiligen Orten ergänzt und präsentiert wird“, sagt Jörg-Ulrich Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.
Der thematische Bogen der Ausstellung ist weit gespannt. Er befasst sich mit dem Entstehen und den Inhalten und Schwerpunkten von Zeitzeugenberichten und deren „Gemachtheit“, so Julia Wolrab, wissenschaftliche Leiterin des DZNS. Er sucht andererseits Antworten auf die Frage, wie in künftigen Jahrzehnten der NS-Verbrechen in Deutschland und das Holocaust gedacht werden kann.
Ausschnitte zeigen verschiedene Sichtweisen der Zeitzeugen
Es gelte, sich bei dem Thema auf „den Weg“ zu machen, und nicht immer nur zu beklagen, dass es bald keine Zeitzeugen mehr des Holocaust gibt, so Jörg Skribeleit, der die Ausstellung mit konzipiert hat: „Es gibt weltweit Tausende von Zeitzeugen Gesprächen, die nicht für den Gebrauch im Schulunterricht konfektioniert sind. Und da wollen wir schauen, was ist da alles drin?“
Kuratorin Caroline Klemm war für den Freiburger Teil der Ausstellung verantwortlich. Dafür hat sie zahlreiche Interviews analysiert und ausgewertet. Sie war dabei auf der Suche nach Personen mit Freiburg-Bezug. Herausgekommen sind kurze Videosequenzen aus Interviews mit Überlebenden des Holocaust, die auf zehn Stehlen zu sehen sind – darunter Max Eisenmann, der noch heute in Freiburg lebt und die Freiburger Schriftstellerin Lotte Paepcke (1910 - 2020). „Es ging uns dabei vor allem darum zu zeigen, wie unterschiedlich Zeitzeugen aus ihrem Leben und überleben berichten und weniger, was sie berichten“, erklärt Klemm.
Ergänzt wird die Ausstellung durch zahlreiche Medien, die sich seit 1945 mit der NS-Geschichte befasst und deren Darstellung geprägt haben. Die Sonderausstellung wird auch mit der Dauerausstellung des DZNS verknüpft. Dies geschieht via Audiosequenzen in der Museums-App.
Die Sonderausstellung
„Ende der Zeitzeugenschaft?“
ist bis 13. September im Dokumentationszentrum Nationalsozialismus in Freiburg zu sehen. Das Zentrum ist dienstags von 10 Uhr bis 19 Uhr und Mittwoch bis Sonntag von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist bis März 2026 kostenfrei.