Was tun, wenn Handtherapie immer komplexer wird – und Fachkräfte fehlen? Fachleute aus Villingen-Schwenningen haben eine außergewöhnliche Lösung gefunden.
„Ein Köpfchen fürs Händchen“ – so lautet der Slogan der Ergotherapiepraxis Schmitz und Lieb, die auch eine Niederlassung in Schwenningen hat. Hier, in den Räumlichkeiten im Paracelsushaus in der Dauchinger Straße 31, hat Tobias Lieb gerade einen Patienten behandelt und verabschiedet.
Jetzt hat der Ergotherapeut Zeit, und kann der Reporterin erklären, was es mit dem neuen Produkt auf sich hat, dass seine zertifizierte Handtherapie-Schwerpunktpraxis in Zusammenarbeit mit dem Schwarzwald-Baar-Klinikum entwickelt hat – und warum es das ganz dringend brauchte: das Nachbehandlungstool „Black Forest Hand Guide“.
Die Praxis Schmitz und Lieb konzentriert sich am Standort Schwenningen auf die Handtherapie: „Ob Krankheit oder Verletzung, ob Unfall oder Operation, Verbrennung oder Verätzung, für alle Probleme im Handbereich sind wir die Spezialisten“, lautet das Versprechen.
Behandelt wird umfassend, unter Einbeziehung des gesamten Bewegungsapparates mit verschiedenen Therapiekonzepten. Außerdem werden individuell angepasste Schienen gefertigt. Im direkten Umgang mit den Patienten und aus dem Austausch mit anderen Akteuren in diesem Gesundheitsbereich merke man: „Die Handtherapiemaßnahmen für Patienten werden immer komplexer und gleichzeitig gibt es immer weniger Handtherapeuten.“
Ein leicht verständlicher Fahrplan
Gleichzeitig gelte die Devise: „Bei Handverletzungen muss es schnell gehen.“ Deshalb war klar: Es brauchte eine Art Fahrplan für die Patienten, und zwar einen, den alle leicht verstehen können. Tobias Lieb, seine Kollegin Johanna Lorenz und Holger Bannasch, Direktor der Klinik für Plastische-, Hand- und Ästhetische Chirurgie am Schwarzwald-Baar-Klinikum, machten sich gemeinsam an die Umsetzung und brachten das Projekt auf den Weg. Professor Bannasch ist unter anderem auf die Behandlung schwerer Handverletzungen spezialisiert und ist Experte sowohl auf den Gebieten der Hand- und Mikrochirurgie als auch der Ästhetischen Chirurgie.
Der Kontakt der Ergotherapeuten mit dem Schwarzwald-Baar-Klinikum besteht schon lange, „Therapeuten und Chirurgen arbeiten eng zusammen“, berichtet Tobias Lieb und erläutert dann, wie es mit dem „Hand Guide“ weiterging: „Wir kamen darauf, dass wir alle einzelnen Schritte, die im Rahmen der Therapie anfallen, verfilmen.“
Die Idee: Die Patienten können einen QR-Code einscannen und werden dann direkt zu den Filmen weitergeleitet. Auch für angehende Physiotherapeuten sollen die Videos als Lernmaterial dienen.
„Ein Gemeinschaftsprojekt“
Wichtig ist Praxisleiter Lieb, zu betonen, dass es sich beim „Black Forest Hand Guide“ um ein Gemeinschaftsprojekt handelt. Für die Umsetzung arbeiteten die Therapeuten und die Fachklinik mit der Hochschule Furtwangen University zusammen. „Diese haben wir hinzugezogen, um die Verfilmung durch den technischen Medienleiter Patrick Gambin umzusetzen.
In diesem Zusammenhang wurden die akademische Mitarbeiterin Kathrin Betting sowie Physiotherapie-Studierende als ’Models’ eingebunden, sodass die Hochschule die Videos auch als Lehrmaterial nutzen kann“, erzählt Tobias Lieb. Grundlage ist die Kooperation mit dem Schwarzwald-Baar-Klinikum. Aktuell ist man nun noch dabei, die Beiträge in verschiedene Sprachen zu übersetzen.
„Kein kommerzielles Interesse“
Auf einem Kongress präsentierte man dieses Novum und erntete großes Interesse, zumal die Videos allen zugänglich sein sollen und die Macher damit kein kommerzielles Interesse verfolgen, wie sie sagen. „Unser Ziel ist es, dass der Patient gut versorgt ist, sagt Therapeut Lieb.
Das Stichwort Zusammenarbeit gilt übrigens auch für die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Handtherapie (DAHTH), in deren Rahmen Johanna Lorenz, Tobias Lieb und Professor Bannasch eine Regionalgruppe gegründet haben. Die ärztliche und wissenschaftliche Leitung dieses überregionalen Zirkels obliegt Holger Bannasch. In der Regionalgruppe kommen die Fachleute mehrmals im Jahr zusammen und tauschen sich aus – damit am Ende die Patienten auch dieser Region möglichst davon profitieren können.
Die Praxis Schmitz und Lieb
Die Praxis
Die staatlich anerkannten Ergotherapeuten Jutta Schmitz und Tobias Lieb gründeten ihre Praxis im Jahr 2006. Sie hat mittlerweile drei Standorte: einen in Spaichingen, einen in Tuttlingen und einen in Schwenningen. Tobias Lieb kann auf jahrelange Erfahrung und viele Fortbildungen im In- und Ausland zurückblicken. „Meine Erfahrung gebe ich gerne weiter in der Dozententätigkeit sowie in Weiterbildung für Kollegen und Ärzten“, sagt er und ergänzt: „Wissenschaftliches Arbeiten unterstütze ich durch eigene Publikationen und Konzepte.“
Klinik für Plastische-, Hand- und Ästhetische Chirurgie am Schwarzwald-Baar-Klinikum
Die Klinik am Schwarzwald-Baar Klinikum ist eine der wenigen Einrichtungen in Baden-Württemberg, die von der Berufsgenossenschaft zur Teilnahme am Schwerstverletzungsartenverfahren Hand (SAV Hand) zugelassen sind und die entsprechend hohen Anforderungen erfüllen. Die Spezialisten im Klinikum können auch extrem schwere Handverletzungen – zum Beispiel mit komplizierten Knochen-, Nerven- oder Sehnenverletzungen – behandeln.