Wer im Kreis Rottweil einen Notruf unter 112 absetzt, den Kassenärztlichen Notdienst unter 116 117 anwählt, oder die 0741/192 22, der landet in der Integrierten Leitstelle von DRK Kreisverband und Landratsamt. Von hier aus werden die Einsätze koordiniert. Wir blicken hinter die Kulissen.
Rottweil - Die rote Lampe am Funktisch blinkt. Ein Notruf geht ein. Routine für Andreas Noth, einer der beiden Leiter der Leitstelle, und seinen Kollegen, der gemeinsam mit ihm Dienst hat. Am anderen Ende der Leitung erklingt eine aufgeregte Stimme. Andreas Noth bringt das nicht aus der Ruhe. Das ist für ihn Alltag. Ruhig stellt er seine Fragen: "Wo ist das Ereignis?, "Wer ruft an?, Was ist geschehen?". Eine Frage nach der anderen wird abgehandelt. Parallel dazu füllt Noth die Maske an seinem Bildschirm aus.
Schnell ist klar: Ein Rettungswagen wird benötigt. Und auch der Notarzt wird alarmiert. "Wenn die zentrale Notrufnummer 112 blinkt, dann hat diese oberste Priorität", erklärt Noth. Aber auch die 116 117 für den kassenärztlichen Notdienst, und die 0741/1 92 22 für den Krankentransport gehen hier ein.
In der Integrierten Leitstelle im Gebäude des alten Krankenhauses in Rottweil laufen notruftechnisch alle Fäden zusammen. "Aber nicht jeder Anruf auf der 112 bedeutet gleich einen Einsatz", sagt Holger Pfeifle, der die Leitstelle gemeinsam mit Andreas Noth führt. Es könne auch sein, jemand wählt die Nummer für den kassenärztlichen Notdienst und schließlich stellt sich heraus, dass es sich doch um einen akuten Notfall handelt.
Gutes Zuhören gefragt
Der Leitstellendisponent alarmiert dann den Rettungsdienst, der nach wenigen Minuten ausrückt. "Wir müssen ganz genau raushören, was die Anrufer uns erzählen", berichten Pfeifle und Noth. Doch nicht alle würden sich trauen, selbst beim Notfall, die 112 zu wählen. Das kann fatale Folgen haben. Denn wer beim Herzinfarkt oder Schlaganfall zu lange zögert, der kann kostbare Zeit verspielen. "Falsche Scheu kann lebensgefährlich sein", fügt DRK-Kreisgeschäftsführer Ralf Bösel an.
Viele Leute hätten offenbar Angst, sie würden die Notrufnummer durch ihr Nachfragen blockieren, der Rettungsdienst würde umsonst ausrücken, weil es vielleicht alles gar nicht so schlimm ist, oder der Rettungsdienst müsse vielleicht wegen einer Kleinigkeit weit fahren – "All diese Bedenken sollte man ausschalten", raten die Verantwortlichen, denn letztlich wird in der Leitstelle entschieden, wie verfahren wird.
Und außerdem: Es gibt nicht die eine Leitung für den Notruf. "Wir haben hier sechs Leitungen", informiert Holger Pfeifle. "Wenn sich jemand hilflos fühlt, sollte er die 112 wählen, das gilt auch für Angehörige", rät Ralf Bösel. Die 112 wird vorrangig bedient. Und falls es notwendig ist, werden die Anrufer auch per Telefon zur Reanimation angeleitet. "Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht", sagt Bösel.
App für Notrufe
Demnächst können zudem über die "Nora"-App Notrufe abgesetzt werden. "Nora" ist die offizielle Notruf-App der Bundesländer. Man muss sich einmal registrieren und kann die App dann unkompliziert nutzen. Der Vorteil: Sie ist barrierefrei. Bereits bei der Registrierung kann man angeben, ob man am Telefon sprechen kann, oder nicht. Dann ist dies vermerkt.
In der Integrierten Leitstelle sind bereits die technischen Voraussetzungen für die Annahme der App-Notrufe aus dem Landkreis geschaffen und die Mitarbeiter geschult, lassen Noth und Pfeifle wissen. Sie raten zudem auch bei Freizeitsport oder beim Wandern immer das Handy für den Notfall mit dabei zu haben. "Wir können die Leute während des Anrufs orten, herausfinden wo sie sich befinden und dann Hilfe schicken". Kürzlich wurde eine neue Trägerschaftsvereinbarung der Integrierten Leitstelle Rottweil zwischen dem DRK-Kreisverband Rottweil und dem Landkreis für die gemeinsame Trägerschaft auf den Weg gebracht.
Praktische Vereinbarung
"Das ist ein Meilenstein", freuen sich Bösel und Kreisbrandmeister Nicos Laetsch. Denn die neue Vereinbarung regelt zwischen den beiden Trägern die Einrichtung und den Betrieb der Integrierten Leitstelle für die Feuerwehr und den Rettungsdienst im gesamten Landkreis. Die Leitstelle übernimmt die Alarmierung und Aufgaben der Feuerwehren und die Alarmierung der Rettungseinsätze im Kreis. Zudem werden Aufgaben im Rahmen des Landeskatastrophenschutzes übernommen.
Insgesamt besetzen zwölf Leitstellendisponenten die Leitstelle rund um die Uhr. Das Personal wird anteilig mit sieben Disponenten vom DRK und fünf vom Landkreis gestellt. Die einzelnen Aufgabenbereiche werden von den beiden Leitstellenleitern Holger Pfeifle (DRK) und Andreas Noth (Landkreis) betreut.
Immerhin werden jährlich nahezu 30 000 Einsätze im Bereich des Rettungsdienstes und der Krankentransporte disponiert und gut 1000 Einsätze der Feuerwehren im Kreis. Hinzu kommen Tunnelüberwachung bis hin zu den Alarmierungen des Technischen Hilfswerks (THW), der DRK Bereitschaften, Helfer-vor-Ort-Gruppen und Rettungshundestaffeln.