Das Balinger Rathaus kann zum Notfallzentrum werden. Foto: Reich

Auch im Balinger Rathaus machen sich die Verantwortlichen aufgrund der aktuellen Krisen Gedanken, was zu tun ist, wenn in der Stadt die Infrastruktur zusammenbrechen sollte. Vier Notfallzentren sind dabei angedacht.

Balingen - Der russische Angriff auf die Ukraine und die deshalb befürchteten Energieengpässe in Europa beschäftigen auch Stadtverwaltung und Gemeinderat. Sollte eines Tages also tatsächlich die Infrastruktur zusammenbrechen und kein Strom mehr durchs Netz fließen, dann sind vier so genannte Notfalltreffpunkte vorgesehen: das Rathaus in Balingen für Balingen, Endingen, Erzingen und teilweise Schmiden/Stettberg, die Turn- und Festhalle in Ostdorf für Ostdorf, Engstlatt und teilweise Schmiden/Stettberg, das VHS-Gebäude in Weilstetten für Weilstetten, Frommern, Dürrwangen und Teile von Stockenhausen sowie die Schulturnhalle in Zillhausen für Zillhausen, Streichen und teilweise Stockenhausen.

Das Mobiltelefon aufladen

An diesen Treffpunkten gibt es für die Hilfesuchenden Erste Hilfe sowie Zugriffsmöglichkeiten auf das Internet. Dort gibt es auch die neuesten Informationen, es werden Helfer koordiniert und Hilfsangebote gemacht.

Ganz wichtig: Es gibt Strom, um beispielsweise Akkus oder Mobiltelefone aufzuladen. Ein längerer Aufenthalt oder Übernachtungen in den Notfalltreffpunkten sind nicht vorgesehen.

Als Treffpunkte wurden Gebäude ausgewählt, die über Blockheizkraftwerke oder Heizungsanlagen mit einem gut befüllten und autarken Vorrat an Brennstoffen ausgestattet sind, wie beispielsweise Heizöl, Pellets oder Gastanks. Die Stromversorgung der Treffpunkte wird über mobile, dieselbetriebene Notstromaggregate sichergestellt.

Die Kosten für das Einrichten der Notstromnetze und den kauf der Notstromaggregate betragen rund 100 000 Euro für alle vier Notfalltreffpunkte. Wichtig ist auch, dass die Gebäude, in denen solche Treffpunkte eingerichtet werden, der Öffentlichkeit bekannt, gut erreichbar und weitgehend autark sind.

Aggregate für die Feuerwehr

Logischerweise müssen auch die Feuerwehrhäuser dank mobiler Stromaggregate unabhängig vom Stromnetz in Betrieb bleiben können. Dazu müssen teilweise die Elektroinstallationen angepasst werden und alle Feuerwehren mit Notstromaggregaten ausgestattet werden. Dazu sind weitere finanzielle Mittel in Höhe von rund 150 000 Euro erforderlich. Da die Feuerwehren, insbesondere bei Infrastrukturausfällen, andere wichtige Aufgaben übernehmen oder dafür uneingeschränkt zur Verfügung stehen, ist es nach Ansicht der Stadtverwaltung nicht praktikabel, die Feuerwehrhäuser zugleich als Notfalltreffpunkte einzurichten.

Pumpen für das Wasser

Auch zum Thema Wasserversorgung hat sich die Verwaltung Gedanken gemacht. Denn beim Ausfall der Stromversorgung über einen längeren Zeitraum, wird sich die Lage folgendermaßen darstellen: Der Inhalt der Wasserhochbehälter ist so dimensioniert, dass die im Normalbetrieb entnommene Wassermenge durchschnittlich für zwei Tage ausreicht. So wird ein kontinuierlicher Wasseraustausch gewährleistet.

Bei Ausfall der Stromversorgung über einen kurzen Zeitraum wird die Funktion der Wasserhochbehälter über vorhandene Notstrombatterien sichergestellt, deren Kapazität für einige Stunden ausreicht, um Messwerte und Betriebsmeldungen zu übertragen. Danach müssen die Armaturen manuell bedient werden.

Die im Netz installierten Druckerhöhungsanlagen fallen bei Stromausfall sofort aus. Solange von den Zweckverbänden Wasser geliefert werden kann, ist ein manueller Betrieb der Hochbehälter über einen längeren Zeitraum ohne Stromversorgung möglich. Somit ist Balingen für den Fall der Fälle rundum gerüstet.