Im Gedenken an all die, denen Schlimmes widerfuhr und die ihr Leben verloren: Vertreter der Rettungsorganisationen und Redner des späteren Festakts beim Blaulicht-Gottesdienst in der Martinskirche Foto: Monika Schwarz

Vor 25 Jahren hat sich die Notfallseelsorge im Landkreis Freudenstadt gegründet und seither stetig weiterentwickelt. Das Jubiläum wurde jetzt mit einem Festakt im Dornstetter Bürgersaal nach dem traditionellen „Blaulicht-Gottesdienst“ gefeiert.

Die Martinskirche war bei diesem ökumenischen Gottesdienst – er stand unter dem Motto „Tal der Hoffnung“ – mit Vertretern der Hilfs- und Rettungsorganisationen voll besetzt. Geleitet wurde er von den beiden Dekanen Andreas Streich und Anton Bock unter Mitwirkung zahlreicher Einsatzkräfte.

 

Die Predigt rund um das Thema „Hoffnung“ hielt Pastor Michael Mäule, der nach sechs Jahren als Vorsitzender des Arbeitskreises „Psychosoziale Notfallversorgung“ (PSNV) verabschiedet wurde. Als Nachfolgerin übernehme mit Katharina Stenzel erstmals keine Vertreterin der Kirche, sondern eine „Frau vom Amt“ den Vorsitz, sagte Pfarrer Timo Stahl, der Leiter der PSNV im Landkreis, schmunzelnd.

102 Einsätze habe die PSNV im vergangenen Jahr absolviert, 47 seien es bereits in diesem Jahr. Zuletzt in der Nacht vor dem Gottesdienst. Hinter jedem der Einsätze stehe ein Schicksal, sagte Stahl.

Gedenkzeremonie mit Kerzen und Holzkreuz

Im Gedenken an all die Menschen, denen Schlimmes widerfahren ist und die ihr Leben unerwartet verloren haben, wurden von Vertretern der Rettungsorganisationen in einer feierlichen Zeremonie Kerzen entzündet und in einem Holzkreuz aufgereiht.

Am Ende des Gottesdienstes überreichten Vertreter der Narrenzunft und der Drillerhansele gemeinsam einen Spendenscheck in Höhe von 1111,11 Euro. Beide Organisationen hatten im Gegenzug auf Gastgeschenke bei Zunftbesuchen verzichtet. „Wir brauchen euch bei unseren Veranstaltungen und wir sind dankbar, dass es euch gibt“, sagte Narrenzunft-Vorsitzende Melanie Kirgis. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor Göttelfingen und vom Chor Laudate im Waldachtal.

Beim Festakt im Bürgersaal wurden die Gäste, darunter die Landtagsabgeordneten Katrin Schindele (CDU) und Uwe Hellstern (AfD), musikalisch vom Bläserensemble der Stadtkapelle und von Bürgermeister und Hausherr Bernhard Haas willkommen geheißen. Haas sprach von einer „unschätzbar wertvollen Hilfe“, die die Ehrenamtlichen in der Notfallseelsorge – einem professionellen Hilfesystem für Menschen in besonderen Krisensituationen – leisteten. PSNV gehe über die übliche Trauerarbeit deutlich hinaus.

Viel Lob für die Arbeit im Landkreis

Der Erste Landesbeamte Reinhard Geiser lobte die positive Entwicklung der Notfallseelsorge in den vergangenen 25 Jahren: „Ich bin froh, dass man heute im Notfall nicht nur die körperlichen Verletzungen sieht, sondern den Menschen als Ganzes betrachtet.“

Präsident Michael Wegel dankte den Akteuren im Namen des Landesfeuerwehrverbands. Nicht überall im Lande sei man bei der Notfallseelsorge so weit wie im Landkreis Freudenstadt. Manchmal stünden leider auch persönliche Befindlichkeiten oder der Streit über Begrifflichkeiten viel zu sehr im Vordergrund. „Das ist doch alles Käse“, bilanzierte er nüchtern. Auch Dekan Anton Bock würdigte den „guten Geist“ in der Notfallseelsorge, der vor allem Timo Stahl zu verdanken sei.

Pfarrer Markus Schwab, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge, erwähnte, dass die Notfallseelsorge von den Einsparmaßnahmen der Kirche immer verschont geblieben sei. Das sei ein Signal und nicht zuletzt der guten Arbeit der Notfallseelsorge im Landkreis Freudenstadt zu verdanken. Das „Miteinander“ zwischen Kirchen und Hilfsorganisationen sei vor Ort super gelungen. Kurzweilig berichtete Schwab von der Bereitstellung der Mittel seitens der Landeskirche für das Notfallseelsorge-Fahrzeug im Landkreis Freudenstadt. „Mit den Geldern der Landeskirche konnten wir da etwas richtig Gutes tun“, bilanzierte er. Bei „Laugenkreuzen“ und Getränkten folgte der gesellige Teil der Zusammenkunft.