Das Nagolder Krankenhaus wird aktuell umfangreich und mit hohen Kosten zum Schwerpunktversorger ausgebaut. Dass ausgerechnet dort die Notfallpraxis geschlossen werden soll, leuchtet nur schwer ein. Foto: Thomas Fritsch

Die Nachricht kam völlig überraschend: Die Kassenärztliche Vereinigung will die Notfallpraxis in Nagold schließen. Eine Entscheidung nach Gutsherrenart, der es komplett an Transparenz fehlt – findet unser Redakteur.

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) hat ein mieses Image. Ob das gerechtfertigt ist, sei mal dahingestellt. Doch offensichtlich stört sie sich nicht wirklich daran.

 

Im Gegenteil: Es scheint so, also fühle sich die KVBW in dieser Rolle des Buhmanns wohl. Sie unternimmt derzeit wirklich alles, um sich ihren schlechten Ruf als „Bad Guy“ der Gesundheitsbranche zu erhalten. Wenn das ihr Ziel war: Glückwunsch! Sehr gut gemacht!

Die jüngste Entscheidung, 18 Notfallpraxen im Land zu schließen, strotzt nur so vor peinlichen Ungereimtheiten. Dabei mag die Entscheidung für sich vielleicht sogar richtig sein – allein es fehlt an Fakten und Argumenten. Außer den allgemein bekannten Statements, dass es hinten und vorne an Medizinern mangelt, kommt da nicht viel.

Das alles wirkt mit heißer Nadel gestrickt, schlecht abgesprochen, noch mieser kommuniziert und komplett intransparent.

Wo bleiben die Argumente, Zahlen und Fakten?

Genau das ist das Problem. Nicht nur in Nagold hätte man gerne Argumente, Zahlen, Fakten und Beweggründe gehört, die zu der Entscheidung geführt haben, eine Notfallpraxis an einem künftigen Schwerpunktkrankenhaus der Region zu schließen. Doch stattdessen steht man nun vor vollendeten Tatsachen – laut OB Großmann wurde gar schon den Betroffenen gekündigt, und das vor Bekanntgabe der Schließung.

Da denkt man dann schnell wie der OB an das berühmte „G’schmäckle“ – warum auch nicht, schließlich weiß bis jetzt offensichtlich in der Region niemand, wie die KVBW eigentlich zu dieser Entscheidung gekommen ist. Wer nach solcher Gutsherrenart an einem der Grundpfeiler der Notversorgung für eine ganze Region und ihr Mittelzentrum sägt, der muss sich nicht wundern, dass der Unmut riesig ist.

Dieser Prozess hätte mit deutlich mehr Transparenz bekleidet werden müssen. So ist der Frust doppelt groß – und die Frage muss erlaubt sein, ob solch ein allmächtiges Handeln nicht Konsequenzen haben muss. Zeitgemäß ist dieses Gebaren der Kassenärztlichen Vereinigung jedenfalls nicht.