Noch befindet sich im Nagolder Krankenhaus die Notfallpraxis. Foto: Thomas Fritsch

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) schließt die ärztliche Bereitschaftspraxen in Nagold und Oberndorf zum 30. Juni 2025. Das sind die Alternativen.

Anlaufstellen für die Patientinnen und Patienten sind künftig die Bereitschaftspraxen in Freudenstadt, Calw, Rottweil und Balingen. Dort sollen die Kapazitäten erweitert werden.

 

„Es steht außer Frage, dass die Schließung der Bereitschaftspraxen eine Einschränkung für die Bürgerinnen und Bürger im Nordschwarzwald darstellt. Dennoch ist weiterhin die medizinische Versorgung an den Wochenenden und Feiertagen gesichert. Der Bereitschaftsdienst ist nicht für schwere Notfälle zuständig, sondern für akute Be-schwerden, die eine Behandlung außerhalb der Sprechzeiten erfordert“, betont die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVBW, Doris Reinhardt.

Kostenfreie Rufnummer 116117

Neben den geöffneten Bereitschaftspraxen gibt es weitere Versorgungsangebote. Über die kostenfreie Rufnummer 116117 oder online über das „Patienten-Navi“ unter www.116117.de kann durch eine medizinische Einschätzung die passende Versorgung für die bestehenden Beschwerden ermittelt werden.

Die KVBW teilt weiter mit: „ In vielen Fällen ist eine telemedizinische ärztliche Beratung ausreichend, diese wird über die 116117 vermittelt. Ist ein ärztlicher Hausbesuch medizinisch erforderlich, wird auch dieser, wie bisher, über die 116117 in die Wege geleitet.“

Das sind die Gründe der KVBW

Die Schließung einiger Bereitschaftspraxen in Baden-Württemberg hat laut KVBW mehrere Gründe. „Wir haben derzeit rund 1000 unbesetzte Arztsitze, diese Ärztinnen und Ärzte fehlen für die ambulante Versorgung tagsüber und damit auch im ärztlichen Bereitschaftsdienst nachts und an den Wochenenden“, erläutert Reinhardt. Die bevorstehende Ruhestandswelle der Baby-Boomer werde den Ärztemangel und damit die Arbeitsbelastung der Praxisteams weiter massiv erhöhen.

„Der Trend zur Anstellung und Teilzeitbeschäftigung verdeutlicht zudem, dass wir die wertvolle Arztzeit für die wohnortnahe und tägliche ambulante Versorgung der Bevölkerung benötigen. Schon jetzt haben viele Patientinnen und Patienten Probleme, einen Arzttermin zu erhalten. Mit den neuen Versorgungsstrukturen ist auch zukünftig die medizinische Versorgung außerhalb der Sprechzeiten gewährleistet“, so Reinhardt.

Erreichbarkeit als Kriterium

Maßgebliches Kriterium bei der Auswahl der Standorte sei die Erreichbarkeit. „95 Prozent der Bevölkerung erreicht eine der weiterhin geöffneten Praxen in 30 Fahrminuten mit dem Pkw, 100 Prozent in spätestens 45 Minuten“, so Reinhardt. „Auch wenn die Fahrtwege nun länger werden, weist Baden-Württemberg weiterhin ein enges Netz an Bereitschaftspraxen auf.“ Mit Freudenstadt, Calw, Rottweil und Balingen seien vier Bereitschaftspraxen „gut erreichbar“. An diesen Standorten werden die Kapazitäten ausgebaut: Es gelten längere Öffnungszeiten, mehr diensthabende Ärztinnen und Ärzte sollen pro Schicht im Einsatz sein.

Reinhardt betont, dass die Reform nicht zu Lasten der Notaufnahmen gehen soll. „Wir bitten die Patienten, nur dann in eine Notaufnahme zu gehen, wenn sie schwer erkrankt oder verletzt sind. Bei lebensbedrohlichen Situationen wie bei Verdacht auf Herzinfarkt und Schlaganfall, muss der Rettungsdienst unter 112 angerufen werden.“

Die Öffnungszeiten

Folgende Bereitschaftspraxen haben weiterhin geöffnet.

Bereitschaftspraxis Calw in den Kliniken Calw

Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 9–19 Uhr

Bereitschaftspraxis Freudenstadt am Krankenhaus Freudenstadt

Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 10–18 Uhr

Bereitschaftspraxis Rottweil an der Helios Klinik Rottweil

Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 9–19 Uhr

Bereitschaftspraxis am Zollernalb Klinikum Balingen

Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 10–20 Uhr