Die Albstädter Notfallpraxis soll Ende November geschlossen werden. Jetzt versucht die Stadt Albstadt eine Verschiebung der Schließung zu erwirken.
Ende des vergangenen Jahres hatte die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) angekündigt, dass sie im Lauf des Jahres 2025 insgesamt 18 Notfallpraxen schließen würde. Knapp die Hälfte davon ist mittlerweile zu; Albstadt gehört nicht dazu.
Der Grund: Die Stadt hatte die KVBW darauf hingewiesen, dass die Argumentation, Balingen sei ja nicht weit weg und die Notfallversorgung der Albstädter Patienten auch nach der Schließung gewährleistet, nicht recht verfange, so lange Eyachbrücke und Tunnel in Laufen saniert werden und der Verkehr immer wieder umgeleitet werden muss. Der KVBW hat das offensichtlich eingeleuchtet; die Notfallpraxis Albstadt erhielt eine Galgenfrist. Die währt bis Ende November.
Und damit leider nicht lange genug. Wie aus der Grafik „Zeitschiene“ zu ersehen ist, welche das Regierungspräsidium (RP) Tübingen seinen Informationen zur Tunnelsanierung im Internet beigefügt hat, erstreckt sich der zeitliche Horizont der Planer bis in den Januar 2026. Gegenüber dem Schwarzwälder Boten hat es auf dessen Anfrage die Absicht bekundet, bis zum Jahresende mit den Arbeiten fertig zu sein – also erst einen Monat nach Ende der „Galgenfrist“.
Zeitliche Synchronisation hat nicht funktioniert
Noch den ganzen Dezember über müssten, bliebe es beim November-Termin, die Notfalltransporte den Weg durch die Laufener Ortsmitte nehmen – gegebenenfalls im Schneckentempo 30. Mittlerweile hat man – auch dank der Berichterstattung des Schwarzwälder Boten – im Rathaus Albstadt bemerkt, dass hier die Synchronisation von Bauprojekt und Notfallpraxisbetrieb nicht ganz funktioniert hat. Oberbürgermeister Roland Tralmer hat deshalb einen Brief an Doris Reinhardt, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVBW, geschrieben.
Darin weist er – das war er sich und seiner Stadt schuldig – erst einmal darauf hin, dass er die Schließung der Notfallpraxis weiterhin grundsätzlich für falsch halte, aber dass die Adressatin seines Briefs diese Ansicht vermutlich wohl nicht teile und er selbst eine Wiederaufnahme der Diskussion für fruchtlos und überflüssig erachte.
Tralmer: „Mindestens bis Ende dieses Jahres!“
Dann kommt er zur eigentlichen Sache. Er verweist auf die Vielzahl der Baumaßnahmen, die das Regierungspräsidium auf der betreffenden Strecke gebündelt habe, und auf die wechselnden Umleitungen, welche die Fahrzeit nach Balingen erheblich verlängerten. Dies sei schließlich der Grund dafür gewesen, dass die Albstädter Notfallpraxis bis Ende November weitergeführt werden sollte. Wenn aber dieser Grund danach auch weiterhin fortbestehe, dann müsse auch die Praxis fortbestehen. „Es ist offenkundig dringlich geboten, den Betrieb der Notfallpraxis mindestens bis Ende dieses Jahres aufrechtzuerhalten!“, meint Tralmer.
Das Argument erscheint stimmig – doch ob es in Stuttgart verfängt, bleibt abzuwarten. Sollte Tralmer Erfolg haben, dann wäre die Albstädter Notfallpraxis die langlebigste von den 18, die dem Tod geweiht sind. „Wir würden das Licht ausmachen“, kommentiert, dezent sarkastisch, Roland Tralmer.