Zur Schließung der Notfallpraxis in Albstadt hat unser Leser Thomas Peetz aus Ebingen folgende Meinung:
Manchmal frage ich mich, ob in unserem Verwaltungsapparat nicht längst eine stille Revolution der Orientierungslosen stattgefunden hat. Anders lässt sich das muntere Kuddelmuddel rund um die Schließung der Albstädter Notfallpraxis kaum erklären.
Da plant man auf höchster Kassenärztlicher Ebene die Schließung der Notfallpraxis zum „spätestmöglichen Zeitpunkt” Ende November, während man beim Regierungspräsidium in Tübingen entspannt verkündet, dass die Sanierung des Laufener Tunnels bis Januar 2026 dauert.
Offenbar hat man dort den Begriff „Verkehrsplanung” etwas zu wörtlich genommen, denn zwischen Behörden scheint der Informationsfluss komplett unter den Tisch gefallen zu sein. Die Kassenärztliche Vereinigung verweist seelenruhig darauf, dass sie mit Straßentunneln nichts zu tun habe – klar, warum auch? Schließlich ist es völlig unerheblich, ob der Sanka wegen Umleitungen über Pfeffingen, Zillhausen und Dürrwangen dreimal das Navigationsgerät neu starten muss, um ein gebrochenes Bein in Balingen präsentieren zu dürfen. Hauptsache, die Excel-Tabelle mit Schließungsdaten sieht ordentlich aus.
Das Regierungspräsidium hingegen kümmert sich nur um Teer und Beton – ob da auf dem Asphalt Patienten durch die Gegend gekarrt werden, ist offenbar nebensächlich. Immerhin: Man hat sich auf eine Zeitschiene festgelegt. Die führt – Überraschung – in den Januar 2026. Dass man dabei aber durch eine Tempo-30-Zone im Ortskern schleicht, mit Blaulicht, aber ohne Durchkommen, scheint niemanden zu stören.
Die Symptome sind ernst – und der Verband ist verschwunden
Und so sitzen wir Albstädter nun in der Notaufnahme der Bürokratie: mit ernsten Symptomen, aber niemandem, der weiß, wo der Verband liegt. Es bleibt also zu hoffen, dass Oberbürgermeister Roland Tralmer die KVBW sanft auf die Realität stubst – vielleicht per Postkutsche, die könnte in Anbetracht der Verkehrslage ohnehin am zuverlässigsten sein.
Thomas Peetz Albstadt-EbingenSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.