Eine Seite des Gebäudes liegt in Trümmern. Foto: Amy Beth Bennett/South Florida Sun-Sentinel/AP/dpa Foto: dpa

Es geschah mitten in der Nacht, die Menschen wurden im Schlaf überrascht: Nahe Miami Beach ist ein Hochhaus teilweise in sich zusammengestürzt. Wie konnte so etwas bloß passieren?

Miami - Nächtlicher Großeinsatz im Sonnenstaat Florida: Beim Teileinsturz eines zwölfstöckigen Wohnhauses nahe Miami Beach ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen.

99 Menschen gelten noch als vermisst. Das sagte die Bürgermeisterin des Bezirks Miami-Dade, Daniella Levine Cava, am Unglücksort in Surfside. Bei 102 Menschen aus dem Wohnkomplex sei der Aufenthaltsort geklärt - sie seien in Sicherheit. Levine Cava betonte, die Rettungskräfte arbeiteten unermüdlich, um nach möglichen Vermissten unter den Trümmern zu suchen.

Die Suche nach weiteren möglichen Opfern gehe weiter, teilte die Polizei auf Twitter mit. Medienberichten zufolge wurden nach ersten Erkenntnissen neun Personen verletzt, zwei davon lebensgefährlich. Weitere 35 Menschen wurden nach Angaben der Feuerwehr aus dem Gebäude befreit. Hunderte Helfer waren im Einsatz, um auch in den Trümmern nach möglichen Vermissten zu suchen. Die Ursache des Unglücks, das die Anwohner in Surfside unweit von Miami Beach im Schlaf überraschte, war zunächst nicht bekannt. US-Präsident Joe Biden sagte zu, der Bund stehe bereit zu helfen, wo immer dies nötig sei.

Ein Augenzeuge sagte dem Sender NBC 6 South Florida: "Ich kann es nicht in Worte fassen. Es sieht aus wie nach einem Bombeneinschlag, das Gebäude brach wie ein Pancake in sich zusammen." Der Augenzeuge veröffentlichte auch ein Video, das zeigt, wie Feuerwehrleute einen Jungen aus den Trümmern des Gebäudes retten und auf eine Trage legen.

"Das Gebäude bebte, und als ich nach draußen schaute, konnte ich nichts sehen. Ich dachte es war ein Sturm. Doch als sich der Staub gelegt hatte, waren zwei Drittel des Hauses verschwunden", erzählte ein anderer dem Sender CBS 4 Miami. Auf Fotos und Videos waren die abgebrochene Fassade und Möbelstücke aus dem Haus zu sehen. Zwischen den Gebäuderesten und einem Pool: nur Staub und Trümmer.

Bei dem betroffenen Gebäude handelt es sich um ein Wohnhaus mit Meerblick nahe dem Strand, das als Champlain Towers bekannt ist. Es sei in den 1980er Jahren gebaut worden, schrieb die Zeitung "The Miami Herald". Die Gegend wurde nach dem Unglück gegen 2.00 Uhr morgens Ortszeit weiträumig abgesperrt, die Polizei warnte, die Rettungsarbeiten nicht zu behindern. "Ich weise alle an, sich von dem Gebiet fernzuhalten, damit die Feuerwehr ihre Arbeit machen kann", sagte ein Polizeisprecher laut Medienberichten.

Der Bürgermeister von Surfside, Charles Burkett, sagte, er jogge jeden Tag an dem Gebäude vorbei. Für Bauarbeiten an dem Haus sei ein Kran eingesetzt worden. Er zeigte sich fassungslos, in seinem Ort eine solche Tragödie zu erleben. "Es ist unwahrscheinlicher als ein Blitzschlag. Es passiert einfach nicht. Man sieht in Amerika keine Gebäude einstürzen", sagte er Reportern. Beim Sender CNN war die Rede davon, dass das Gebäude schon Hurrikans standgehalten habe. Warum also jetzt der Zusammensturz?

Unklar war zunächst auch, wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt des Einsturzes im Gebäude aufhielten. Die Anwesenheit von Gästen werde protokolliert, die der Eigentümer nicht. "Der Gebäudemanager hat mir zu verstehen gegeben, dass das Gebäude ziemlich voll war", sagte Burkett. Das Gebäude habe 12 Stockwerke und mehr als 130 Wohneinheiten, sagte die Bürgermeisterin des Bezirks Miami-Dade, Daniella Levine Cava. Die Hälfte davon sei vom Einsturz betroffen. Mit Blick auf die Suche nach möglichen Vermissten unter den Trümmern sagte Cava: "Jede Minute zählt."

Biden sagte, die Bundesregierung stehe in engem Austausch mit den örtlichen Stellen. Auch die Katastrophenschutzbehörde FEMA sei eingeschaltet, um dabei zu helfen, die Bewohner des Hauses vorübergehend unterzubringen und mit Essen zu versorgen. An die Behörden in Florida gerichtet sagte der Präsident, wo immer der Bund helfen könne, werde er das tun. "Wir sind da."

Unter den Vermissten waren auch mindestens vier Argentinier, wie die Zeitung "La Nación" unter Berufung auf Diplomatenkreise berichtete. Viele wohlhabende Argentinier besitzen in der Region rund um Miami Ferienwohnungen oder kommen zum Einkaufen oder Urlaubmachen nach Florida. Angesichts der schleppend laufenden Impfkampagne in ihrer Heimat waren zuletzt auch viele Argentinier nach Miami gereist, um sich impfen zu lassen.

Miami Beach mit seiner berühmten Promenade, dem Ocean Drive, sowie den weißen Sandstränden und Palmen ist ein beliebtes Touristenziel, auch wegen seiner Museen und Art-déco-Architektur.

© dpa-infocom, dpa:210624-99-126046/8

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