Apotheker Martin Müller und seine Kollegen aus der Region machen sich Sorgen um die Zukunft. Foto: Decoux

Die Pharmazeuten der Region wollen am 14. Juni streiken – nur einen Notdienst soll es an diesem Tag geben. Der Kippenheimer Apotheker Martin Müller hat mit unserer Redaktion über die Hintergründe gesprochen.

„Apotheken streiken“ – diesen Betreff trägt die E-Mail, die am Montagnachmittag an alle Apotheken in Lahr und den Umlandgemeinden der südlichen Ortenau gesendet wurde. Unterzeichner ist Martin Müller, Inhaber der Karls-Apotheke in Kippenheim und Mahlberg. In seiner Nachricht weist er seine Kollegen auf den Protesttag am Mittwoch, 14. Juni, hin.

 

„Wir haben ganz lange nichts gemacht“, sagte Müller am Dienstagvormittag im Gespräch mit unserer Redaktion. Nun wolle man auf die finanzielle Situation der Apotheken aufmerksam machen und an diesem Tag nur eine Notdienstversorgung anbieten. Hintergrund ist die Vergütung für die Ausgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten. Pro Arznei erhält eine Apotheke bei der Abrechnung von der Krankenkasse einen Festbetrag von derzeit 8,35 Euro, erklärt Müller. „Die letzte Erhöhung gab es 2013, also vor zehn Jahren“, so der Apotheker. Was dazukomme: Pro verschreibungspflichtigem Arznei wird ein Apothekenabschlag als Rabatt an die Krankenkasse gezahlt. Dieser Abschlag wurde kürzlich durch das sogenannte GKV-Finanzstabilisierungsgesetz von 1,77 Euro pro Medikament auf zwei Euro erhöht (siehe Info). Für die Apotheker bedeutet das weniger Geld pro Rezept.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hat daher bundesweit zum Protest aufgerufen, aufgrund der „gesundheitspolitischen Entscheidungen der Bundesregierung“, wie es in einer Mitteilung heißt. In Lahr und der südlichen Ortenau werden sich die Apotheken dem Protest wohl anschließen, so Müller. Die ersten Rückmeldungen der Kollegen seien positiv gewesen, „sie möchten mitmachen“.

Die Planungen für den Protesttag laufen

Am Mittwoch, 14. Juni, dürften in der Region also die Apotheken geschlossen bleiben. „Auch um zeigen, wie es wäre, wenn die Apotheken nicht mehr da wären“, erklärt Müller. Lediglich die Notdienstversorgung – wie an Sonn- und Feiertagen – solle an dem Tag aufrechterhalten werden. Derzeit sei geplant, dass die Karls-Apotheke in Kippenheim sowie eine Apotheke in Seelbach im Notdienst geöffnet haben. Es laufe die Planung, „damit die Medikamente dann auch dort sind“, sagt Müller.

Oft sind Medikamente nicht direkt verfügbar

Im Gespräch nennt das Mitglied der Vertreterversammlung der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg weitere Probleme in der täglichen Arbeit. Er berichtet von einer „schlechten Versorgungssituation“, die Beschaffung von Medikamenten koste viel Zeit. Mittlerweile sei bei jedem dritten Kunden das gewünschte Medikamenten nicht verfügbar. „Aber den Aufwand im Hintergrund sieht man nicht“, sagt Müller.

Weitere Schließungen werden befürchtet

Die Vergütung der Rezepte sei daher wichtig für den Fortbestand der Apotheken. „Dieser Posten ist der wichtigste“, sagt der Apotheker. Sollte sich künftig nichts ändern, befürchtet er weitere Filial-Schließungen in der Region.

Erst kürzlich hatte die Marien-Apotheke in Ettenheim angekündigt, am 15. Juni dauerhaft zu schließen. Als einen der Hauptgründe nannte Inhaber Felix Schulz, der seine Hauptapotheke in Reute betreibt, die „Senkung der Vergütung für Apotheken ab März 2023“. Um dieses „Problem bekannter zu machen“ (Müller) und um Druck auf die Bundespolitik zu machen, sollen nun am 14. Juni die Apotheken geschlossen bleiben.

Info – GKV-Finanzstabilisierungsgesetz

Das Gesetz hat Finanzreformen in allen Bereichen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zur Folge. Darunter auch eine – auf zwei Jahre begrenzte – Erhöhung des Abschlags, den Apotheken pro Medikament an die Krankenkassen zahlen. Diese Regelung gilt seit Februar.