Zur Neustrukturierung bezog Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer Stellung Foto: ber

Ab dem 1. April konzentriert das Zollernalb-Klinikum Teile der Zentralen Notaufnahme in Balingen.

Unverständnis herrscht nach wie vor bei vielen Albstädtern, dass im Zuge der Neustrukturierung der Notfallversorgung im Zollernalb-Klinikum große Teile der Zentralen Notaufnahme (ZNA) zum 1. April am Klinikstandort Balingen konzentriert werden. Die ZNA am Standort Albstadt behandelt ab kommendem Monat lediglich internistische Notfälle, sprich Patienten mit Schlaganfall (Stroke-Unit), Herzinfarkten und pneumologischen Erkrankungen. Das hatte die Klinikleitung am Rosenmontag in einem Pressegespräch bekanntgegeben (wir berichteten).

 

Diese Entscheidung hat nun im Ausschuss für Soziales, Kultur, Schule und Sport des Albstädter Gemeinderats erneut für Diskussionen gesorgt. Stadtrat Thomas Voelter vom Bündnis ZUG zeigte sich verwundert, dass Oberbürgermeister Roland Tralmer der Neustrukturierung der ZNA in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung zugestimmt habe. Für Albstadt, seine Bürger und den Rettungsdienst hätte die Verlegung weiter Teile der ZNA nur Nachteile. Weitere Wege, erhöhtes Verkehrsaufkommen und durch die Zentralisierung wohl auch längere Wartezeiten für die Patienten in Balingen, führte Voelter aus.

Kritik äußerte er auch an der Freistellung des Chefarztes der ZNA Albstadt. Dabei habe man ein „Bauernopfer“ gefunden, um von der Klinikleitung abzulenken. In der heutigen Zeit einen solch fähigen Mediziner zu entlassen, sei unverantwortlich, betonte der ZUG-Vertreter weiter. Medienberichte hätten zudem den Anschein erweckt, dass ebenjener Chefarzt grobe medizinische Fehler begangen habe, was nicht stimme. Dass er nicht der einzige Stadtrat mit dieser Meinung war, signalisierten einige Gremiumsmitglieder mit einem leisen Tischklopfen.

Verlegung einiger Bereiche eine „bittere Nachricht“

Oberbürgermeister Tralmer gab zu, dass die Verlegung einiger Bereiche der ZNA nach Balingen eine „bittere Nachricht“ sei. Entscheidend sei jedoch die qualitativ hochwertige medizinische Versorgung der Bürger. In der aktuellen Situation sei diese in der ZNA Albstadt aber nicht dauerhaft zu gewährleisten. Der Mangel an medizinischem Fachpersonal sei groß; die Klinikleitung habe sich um Fachpersonal – auch mit Leihkräften – bemüht. Trotzdem: „Nach allen Informationen, die ich hatte, musste diese Entscheidung so getroffen werden.“

Zudem betonte Tralmer, dass es an der medizinischen Befähigung des jüngst freigestellten Chefarztes der ZNA Albstadt keine Zweifel gebe. Diese sei auch nicht der Grund für die Trennung gewesen. Eine leitende Position bringt jedoch auch andere Aufgaben mit sich. Weiter wollte sich das Albstädter Stadtoberhaupt – auch aus Datenschutzgründen – nicht äußern. Dem Ruf des Chefarztes habe maßgeblich auch eine anonyme E-Mail geschadet, im Zuge welcher auch Falschinformationen an die Öffentlichkeit gelangt seien. Tralmer weiter: „Diese Kultur der Anonymität nützt niemandem.“

Spengler fragt nach Hauptverantwortung

CDU-Stadtrat Lennart Spengler warf die Frage auf, wer letztlich die Hauptverantwortung für die nun getroffene Entscheidung trägt. Diese sieht er durchaus bei der Klinikleitung. Sie hätte früher eingreifen müssen. So werde der Anschein erweckt, dass die Verlegung der ZNA nach Balingen von langer Hand geplant gewesen sei.

Auch diese Theorie habe er schon gehört, entgegnete Roland Tralmer. Er richtete den Blick jedoch voraus. „Wir sind gut beraten, mit dem Bau des Zentralklinikums schnell voranzukommen.“

Spätestens dann wäre die ZNA am Zollernalb-Klinikum ohnehin zentralisiert worden. Was nun oberste Priorität habe: „Die Klinik braucht das Vertrauen der Bürger.“ Dieses hat zuletzt gelitten.