Steigende Inzidenzen, Urlaubszeit und einrichtungsbezogene Impfpflicht bei einer ohnehin angespannten Lage machen den Krankenhäusern bundesweit zu schaffen. Erste Stationen wurden geschlossen, Operationen abgesagt. Droht das nun auch dem Kreis Rottweil?
Kreis Rottweil - Wir haben bei den beiden Krankenhäusern im Kreis Rottweil und beim Vinzenz von Paul Hospital, das für die psychisch-neurologische Versorgung zuständig ist, nach Auslastung, personellen Ausfällen und einer Einschätzung der Gefahr, keine adäquate Gesundheitsversorgung mehr leisten zu können, gefragt.
Rahmenbedingungen nicht in Ordnung
Eines betont Andor Toth, Geschäftsführer des SRH Krankenhauses in Oberndorf, gleich zu Beginn: "Die Rahmenbedingungen sind für den Pflegedienst nicht mehr in Ordnung". Deshalb verließen immer wieder Mitarbeiter, wenn auch wenige, das Krankenhaus und den Gesundheitssektor im Allgemeinen, sagt er. Das sei systembedingt seit Jahren so.
Aktuell komme hinzu, dass wöchentlich zwischen fünf und sieben Mitarbeiter wegen einer Corona-Infektion ausfallen. "Im Bereich der Krankenpflege fehlen uns etwa zwölf Vollkräfte, ärztlich etwa drei Vollkräfte. Eine Station geschlossen habe man deshalb nicht. "Wir konzentrieren unsere Patienten dann interdisziplinär auf die großen Stationen", erklärt Toth das Vorgehen.
Strategien gefunden
Aktuell seien 80 von 120 Betten belegt. Und wie groß ist die Sorge vor dem Herbst? "Nach mehr als zwei Jahren Covid haben wir gelernt, professionell mit der Belastung umzugehen. Bisher haben wir immer Strategien gefunden, uns und unsere Patienten zu schützen und gut zu behandeln. Wir sind mit den notwendigen Apparaten und Sachgütern ausgerüstet", sagt der Geschäftsführer.
Von Seiten des Staates sei der finanzielle Rettungsschirm weiterhin nötig, um die Krankenhäuser vor der Insolvenz zu bewahren. Die Ausbildung von Ärzten und der Pflege müsse gesellschaftlich grundlegend geändert werden. "Die Verknappung wächst seit mehr als zehn Jahren schon an." Das helfe in der Not aber erstmal nicht. Da heiße es, immer wieder neu zu planen, auf Sicht zu fahren und das Bestmögliche für die Patienten zu leisten.
Situation stabil
In der Rottweiler Helios Klinik wird derweil weitestgehend Entwarnung gegeben. "Unsere Personalsituation ist stabil. Wir führen weiterhin alle Operationen und Behandlungen planmäßig durch", so Sarah-Sofie Schulz, Referentin Klinikleitung. Der Krankenstand sei in Anbetracht der Jahreszeit erhöht, aber weiterhin zu kompensieren.
Mitunter seien gar nicht die Beschäftigten selbst von Corona betroffen, sondern zum Beispiel ihre Kinder, die in Quarantäne betreut werden müssten, so Schulz. Was die Betten angeht, so habe man ausreichend Kapazität, um Patienten aufzunehmen. Aktuell seien 85 Prozent belegt.
"Wir sind zuversichtlich und beobachten die Entwicklung genau, um jederzeit schnell reagieren zu können. Durch die Erfahrungen der vorangegangenen Wellen sind wir routiniert, um schnell die verfügbaren personellen und strukturellen Ressourcen zu bündeln und weitere Kapazitäten schaffen zu können", sagt sie zum Ausblick auf den Herbst.
Lage angespannt
Im Vinzenz von Paul Hospital ist die Lage derweil "wie in allen Krankenhäusern angespannt", sagt Rainer Pfautsch, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Einrichtung. Die Fehlzeiten aufgrund von Corona seien erhöht, jedoch habe man bisher keine Stationen schließen müssen. Die Bettenbelegung bewege sich im üblichen Rahmen.
Groß sei allerdings die Sorge mit Blick auf den Herbst aufgrund der Annahmen zur pandemischen Entwicklung. Was Pfautsch allgemein ärgert: "Beim Corona-Bonus für Pflegepersonal (Pflegebonus) wurden die Mitarbeiter der Psychiatrie zum wiederholten Male nicht berücksichtigt, obwohl die Belastung durch Corona genauso hoch ist. Auch Mitarbeitende in der Psychiatrie haben den Pflege-Bonus verdient".