Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Norma-Ansiedlung Wird Discounter in Bösingen zum Streitfall?

Von
Direkt hinter dem Ortseingangsschild "Bösingen": Hier könnte 2022 ein Discounter eine Filiale bauen. Foto: Hölsch

Ist ein Discounter ein Gewinn für die Gemeinde Bösingen? Auf der einen Seite steht Bürgermeister Johannes Blepp, der sich seit Jahren um eine Ansiedlung, die nun kommen könnte, eingesetzt hat, auf der anderen Seite Bürger, die das Vorhaben kritisch betrachten. Felix Hezel hat deshalb in dieser Woche eine Online-Petition gestartet. Näheres lesen Sie in unserem (Schwabo+)-Artikel.

Bösingen - An die Öffentlichkeit kommt das Vorhaben, als Anfang November im Rahmen der Beratungen für den 2021er-Haushalt über die mittelfristige Finanzplanung gesprochen wird. So sind 100 .000 Euro für "Straßenbau/Querungshilfe anlässlich Ansiedlung Einkaufsmarkt" im Jahr 2022 vermerkt. Verantwortliche des Unternehmens, so der Bürgermeister auf Nachfrage, treffen in diesem Monat eine Entscheidung, ob sie in Bösingen eine Norma-Filiale bauen wollen.

Diese Botschaft hat Felix Hezel aufmerksam gelesen – und sich Gedanken gemacht. Überlegungen, die er schließlich in einem Leserbrief formuliert hat. Tenor: Ein falsches Signal. Er sieht es als sinnvoll an, die Bevölkerung einzubinden und hat deshalb Anfang dieser Woche eine Online-Petition gestartet.

Hezels Überlegungen

Folgende Argumente für eine Bürgerbeteiligung führt Felix Hezel ins Feld. Es stelle sich die Frage, ob die Bürger überhaupt einen Discounter benötigen würden. Es seien schließlich bereits viele Einkaufsmöglichkeiten in der Gemeinde vorhanden. Lohne sich deshalb die Ansiedelung eines Discounters und die damit verbundenen Investitionen der Gemeinde überhaupt? Diese Beteiligung dürfte über die kalkulierten 100.000 Euro hin­ausgehen, befürchtet er. Könne dieses Geld nicht anders investiert werden, um die Gemeinde attraktiver zu machen, überlegt Hezel.

Er bemängelt, dass die Umfrage, wie die Gemeinde attraktiver gemacht werden könnte, nur Leute ab 30 Jahren umfasst habe. Zweifelsohne sei die Gemeinde auch vom demographischen Wandel betroffen, und darauf müsse man sich vorbereiten. Aber was sei mit den jüngeren Leuten, also die Zukunft der Gemeinde, so Felix Hezel? Wie könne man die Gemeinde für diese Leute attraktiv machen, dass diese der Gemeinde erhalten bleiben und dem demographischen Wandel entgegengewirkt werden könne?

Der Bösinger Bürger stellt sich außerdem die Frage, ob der Standort direkt am Ortsrand der richtige sei. Hohe Lärmemissionen gehen gerade durch den Anlieferverkehr aus, und damit seien Lärmimmissionen in die angrenzende Wohnbebauung verbunden. Gefährliche Verkehrssituationen in der Nähe vom Neubaugebiet und dem Weg zu Kindergarten und Schule könnten entstehen. Sei eine Ansiedelung im Gewerbegebiet nicht sinnvoller, fragt er deshalb.

In einem weiteren Themenkomplex bündelt er folgende Punkt: Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Wertschätzung von Lebensmitteln, Verminderung des Verpackungsmülls. Kurz: Die Regionalität nehme immer mehr zu. Daher, gerade in Anbetracht der vielen regionalen Einkaufsmöglichkeiten in der Gemeinde, werde durch einen Discounter der falsche Weg eingeschlagen, fasst Felix Hezel zusammen.

Als nächstes stellt er sich die Frage, ob sich das Einkaufen gerade für die ältere Generation überhaupt erleichtere? Großeinkauf, so mit Getränkekisten, müsse trotzdem mit Auto getätigt werden. Die ältere Generation werde nicht von einem Ortsende zum anderen laufen und den Einkauf zurückschleppen. Und die Herrenzimmerner müssten weiterhin auf das Auto zurückgreifen.

Zuletzt bringt der Bürger ein mögliches Ende des Discounters ins Spiel, falls er sich nicht tragen sollte. Dann werde dieser einfach geschlossen und es bliebe eine Bauruine, da "vermutlich das Gebäude nicht von anderem LEH übernommen" werde. Dann sei unnötig Fläche versiegelt worden – und dies direkt am Ortseingang, wo eventuell Wohnbebauung platziert werden könnte.

Wie es weiter geht

Dass Felix Hezel nicht der einzige ist, der diese oder ähnliche Gedanken mit sich her­umträgt, zeigt sich darin, dass die "Online-Petition über die Ansiedlung eines ›Norma‹ in der Gemeinde Bösingen" nicht unbeachtet geblieben ist. Wie er von "Mehr Demokratie e.V." erfahren hat, sei eine Online-Petition "als informelle Bitte an den Gemeinderat zu verstehen, selbst einen Bürgerentscheid einzuleiten, denn formalrechtlich handelt es sich nicht um ein gültiges Bürgerbegehren – unter anderem aber nicht nur wegen der digitalen Unterschriftensammlung". Sie ist konkret an den Bürgermeister adressiert.

150 Stimmen seien mit Blick auf die Einwohnerzahl von Bösingen als Quorum erforderlich. Bisher (Donnerstag, 17.11 Uhr) haben sich dort 120 Unterstützende, davon 116 aus Bösingen, eingefunden.

Blepp: eine "Riesenchance"

Der potentielle Adressat dieser Petition, Bürgermeister Blepp, wiederum sieht die Ansiedlung eines Discounters als eine "Riesenchance" für die Gemeinde. Seitdem das Kaufhaus Hestri 2015 geschlossen hat, gibt es Wünsche aus der Bevölkerung, die sich einen Lebensmittelmarkt wünschen.

Zuletzt seien diese Anliegen verstärkt bei der Bürgerbefragung geäußert worden. Während der vergangenen Kommunalwahlen sei dieser Wunsch ebenfalls Thema gewesen. Und, nicht zu vergessen, sei er bereits im Bürgermeisterwahlkampf in seinem Wahlprogramm aufgenommen worden.

Deshalb habe er, Johannes Blepp, sich die Jahre über um eine Ansiedlung bemüht. Und nun bestehe die Möglichkeit, in absehbarer Zeit Dinge des täglichen Bedarfs vor Ort einzukaufen.

Als Konkurrenz für die Einzelhändler der Gemeinde sieht der Schultes einen Discounter nicht. Die "sehr gute Qualität" der Metzger, Bäcker und anderer Einzelhändler vor Ort werde weiterhin nachgefragt, ist sich Johannes Blepp sicher. Doch mit einem Discounter lasse sich sehr vieles direkt vor Ort einkaufen, wo aktuell noch eine Fahrt nach Dunningen, Villingendorf, Oberndorf oder Rottweil anstehe. Diese könne somit entfallen. Und damit erhöhe sich die Lebensqualität in der Gemeinde. Ein weiterer Nebeneffekt: Ältere Bürger können zu diesem Markt hinlaufen.

Generell habe er, Johannes Blepp, "sehr, sehr viele positive Rückmeldungen" erhalten.

Diskussion vorgesehen

Als ersten Schritt will er nun das direkte Gespräch mit Felix Hezel suchen. Vorgesehen sei außerdem eine Diskussion im Gemeinderat. Nebenbei angemerkt: Für einen Bürgerentscheid, ähnlich wie unlängst in Königsfeld, werden Unterschriften von mindestens sieben Prozent aller Wahlberechtigten benötigt.

Artikel bewerten
8
loading

Top 5

1

Kommentar

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.