Das „Texelschaf“ – die inseleigene, sehr robuste Schafrasse ist dem rauen Nordsee-Klima besonders gut angepasst. Foto: Kirsten/Rick

Sich am Strand gegen den Wind stemmen, ins eisige Wasser tauchen, in Wolle eingewickelt – Texel im Winter ist ein sinnliches Erlebnis voller Kontraste.

Im Winter nach Texel? Auf eine Nordseeinsel im niederländischen Wattenmeer? Im Ernst? Ja, wirklich! Das Wetter ist auf der größten der Westfriesischen Inseln zwar kein bisschen besser als anderswo, dafür gibt es das „Uitwaaien“ – das Durch- und Auswehen. Dabei lässt man sich den ganzen Stress des Alltags bei Wind am Strand aus dem Kopf wehen.

 

Und Strand gibt es auf Texel üppigst, rund 30 Kilometer an der Westseite der Insel. Profis laufen mit dem Wind im Rücken und orientieren sich an den Strandpfählen (Paal). Wer genug durchgeweht ist, kehrt in einem der vielen Strandpavillons ein und wärmt sich am Kaminfeuer – der Alltag ist fort, die Entdeckungslust geweckt.

360 verschiedene Vogelarten sind auf der Insel gesichtet worden

„Texel ist die größte Stadt der Niederlande – flächenmäßig. Vor über 600 Jahren hat Texel Stadtrechte bekommen“, erklärt Guide Henk Slikker. Er hat Ferngläser mitgebracht und führt zum Leuchtturm und durch die Dünen von Eierland. „Es gab dort viele Möwen. Deren Eier sammelten die Insulaner und verkauften sie nach Amsterdam. Dort wurde daraus Kuchen gemacht.“ 360 verschiedene Vogelarten sind auf der Insel gesichtet worden. Einer – der Rennvogel – allerdings nur einmal, 1986.

Das Inselinnere wird von ungefähr gleich vielen Menschen und Schafen bevölkert – jeweils etwa 14 000. Das „Texelschaf“ – die inseleigene Schafrasse – ist robust, kann das ganze Jahr über draußen bleiben und guckt etwas grimmig. Sehr freundlich dagegen ist der Gesichtsausdruck von Käsemeister Robert van Nykerk, der auf dem Hof Wezenspyk köstliche Käsesorten herstellt.

Leckereien von der Insel

Sein „Orekäs“ mit Strandflieder hat den World Cheese Award gewonnen. Sein Favorit ist aber der von ihm entwickelte Bierkäse. Warum er Käsemeister geworden ist? „Ich liebe Essen. Und Käse kann alles! Käse kann man süß oder herzhaft zubereiten, als Vorspeise, Hauptspeise, Dessert.“

Noch mehr Leckereien gibt es bei der „Knapzaktoch“, einer Rucksackwanderung in der Region „de Hoge Berg“. Marjon Bakker vom Hof De Waddel hat die Route gestaltet und den Wanderern ein Picknick gepackt. Alles selbst gemacht, vom Brot über die Lamm-Salami und die Schafbutter bis zum Quittengelee. Die Wanderung führt zwischen Tuunwallen (Erdwällen aus gestapelten Grassoden) zum einzigen Berg auf Texel. Er ist, wie die Hoge-Berg-Landschaft, beeindruckende 130 000 Jahre alt und weniger beeindruckende 15 Meter hoch.

Schafbuden, Schiffswracks und Museum

In der Landschaft stehen Schafbuden – keine Ställe, sondern Heulager und Werkzeugkammern. Die schräge Seite zeigt zum Wind nach Westen, die gerade Seite nach Osten. Das Reetdach endet in ein paar Reihen Dachziegeln, die verhindern sollen, dass die Pferde das Reet fressen. Je mehr Dachziegel, umso reicher war früher der Bauer.

Texel erlebte seine Glanzzeit im 17. und 18. Jahrhundert. Damals war die Nordseeinsel ein Dreh- und Angelpunkt für Handelsschiffe, die auf der Reede von Texel vor Anker lagen. Einige sanken – vor der Küste liegen zahlreiche Schiffswracks. Aus einem davon bargen Taucher 2016 eine Kiste mit Garderobe aus dem 17. Jahrhundert, darunter ein besonders gut erhaltenes Seidenkleid. Dieser Sensationsfund wird in einer Ausstellung im Museum Kaap Skil präsentiert.

Eisbad und Woolness

Ins Meer taucht Dries de Winter täglich ein. Er sieht aus wie eine Kreuzung aus Motorradrocker und Weihnachtsmann und betreibt einen Eisbad-Workshop. Der beginnt mit einem Vortrag über die „Wim-Hof-Methode“ (entwickelt vom gleichnamigen niederländischen Extremsportler „The Iceman“). Weiter geht es mit Meditation und Aufwärmbewegung. „Es wird kalt, es wird schmerzhaft, es wird richtig hart“, warnt de Winter. Hinein in den mit Eiswürfeln und Wasser gefüllten Bottich im Hotelgarten. Danach hat man das Gefühl, etwas geschafft zu haben. De Winter ist überzeugt: „Eisbaden hilft gegen Probleme.“

Zum Tagesabschluss gibt’s noch etwasads Kuscheliges – Woolness. Bei dieser natürlichen Spa-Anwendung wird man in Wollfließ vom Texelschaf eingewickelt, das noch voller, langsam in die Haut einziehendes Lanolin – Wollfett – ist. Diese Behandlung haben die Frauen der Schafbauern ihren Männern schon vor langer Zeit angedeihen lassen.

Info: Texel

Anreise
Mit dem Zug über Amsterdam nach Den Helder, www.bahn.de; dann mit dem Bus 33 zur Fähre, www.teso.nl/de.

UnterkunftHotel Lindenboom: Historisches Haus mit modernen Zimmern, zentral im Insel-Hauptort Den Burg gelegen, DZ/F ab 110 Euro, www.lindeboomtexel.nl/de. Boutique Hotel Texel: Refugium zwischen Dünen und Feldern mit tollem Spa, DZ/F ab 260 Euro, www.hoteltexel.com. Wijngaard de Kroon Bed & Breakfast: Zimmer beim Winzer mit Blick auf den Weingarten, privat und romantisch, DZ/F ab 190 Euro, www.wijngaarddekroonvantexel.nl/de.

Aktivitäten Café, Hofladen und Schau-Käserei Wezenspyk, Mo-Sa 9.30-17 Uhr, So 11-17 Uhr, www.wezenspyk.nl. „Knapzaktocht“ beim Hof „De Waddel“, Wanderung mit Picknick, einen Tag vorher anmelden, 17,50 Euro für Erwachsene, www.dewaddel.nl. Eiland Galerij, Kunst im ehemaligen Schulhaus, Mi-So 10.30-17 Uhr, www.eilandgalerij.nl/de. Schafe streicheln: Schapenboerderij Texel, www.schapenboerderijtexel.nl. Museum Kaap Skil, Di-So 10-17 Uhr, www.kaapskil.nl/de. Eisbad-Workshops bei Dries de Winter, 75 Euro p. P., www.coachingtexel.com.

Allgemeine Informationen www.texel.net/de