Die Geschäftserwartungen der Unternehmen sind zurückgegangen. Foto: Boysen

IHK-Umfrage im Nordschwarzwald. Erträge zeigen sich robust. Risiko liegt in geringer Inlandsnachfrage.

Nordschwarzwald - In der Wirtschaft der Region Nordschwarzwald haben die konjunkturellen Kräfte insbesondere im Vergleich zum Vorjahr nachgelassen.

Wie die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald bei rund 270 befragten Unternehmen ergibt, berichtet mit 43 Prozent der Firmen zwar ein ähnlicher hoher Anteil von gut laufenden Geschäften (Frühsommer: 44 Prozent). Der Anteil der "Schlecht-Urteile" hat sich aber von fünf auf zwölf Prozent erhöht. Damit entspricht die Stimmung in der Region Nordschwarzwald fast dem Landesdurchschnitt.

"Nach einem lang anhaltenden Aufschwung läuft der Konjunkturmotor in der Region spürbar unruhig", kommentiert Claudia Gläser, Präsidentin der IHK Nordschwarzwald, die Auswertung.

Auch die Umsatzentwicklung in den vergangenen vier Monaten macht deutlich, dass das Wachstum in der Region ins Stocken geraten ist. Rund ein Drittel berichtet von einer rückläufigen Entwicklung, bei weiteren 35 Prozent haben sich die Umsätze zumindest stabilisiert. Die Ertragssituation erweist sich als robust, 35 Prozent der Unternehmen aus der Region freuen sich über gute Erträge. Eine Mehrheit bezeichnet sie noch als befriedigend.

Unveränderte Auftragssituation

Mit 56 Prozent berichtet die Mehrheit der regionalen Firmen von einer unveränderten Auftragssituation. Abgenommen hat hingegen der Anteil derer, die von steigenden Bestellungen profitieren.

Insofern verwundert es nicht, dass nur noch jedes fünfte Unternehmen bessere Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten erwartet. 27 Prozent rechnen hier mit einer Verschlechterung. Die meisten Firmen gehen von einer gleich bleibenden Entwicklung aus.

Risiken sehen über zwei Drittel der befragten Unternehmen in einer geringeren Inlandsnachfrage. 54 Prozent geben an, dass sie in ihrem Unternehmen derzeit offene Stellen nicht besetzen können, weil sie keine passenden Fachkräfte finden. Über eine verstärkte Aus- und Weiterbildung, eine Steigerung der Arbeitgeberattraktivität sowie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie soll diesem Fachkräftemangel begegnet werden.

Die Neuregelungen des derzeit diskutierten Fachkräfteeinwanderungsgesetzes, das die gezielte Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus Drittstaaten ermöglichen soll, sind nur 23 Prozent der regionalen Unternehmen bekannt. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass rund ein Drittel der Unternehmen in den letzten Jahren Fachkräfte aus dem Ausland eingestellt hat.

Wachsende Unsicherheit

Die im Vergleich zum Frühsommer zurückgegangenen Geschäftserwartungen sind auch Folge einer wachsenden Unsicherheit, unter der auch die regionale Wirtschaft leidet. Der nach wie vor ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA, China und Europa, die Gefahr eines Brexit ohne Abkommen, neue Konfliktherde am Persischen Golf, aber auch die weltweite Abkühlung der Konjunktur belasten das Investitionsklima. Nur noch rund ein Viertel der regionalen Firmen beabsichtigt, ihre Investitionen im Inland in den nächsten zwölf Monaten zu erhöhen. Dominierendes Investitionsmotiv ist dabei die Deckung des Ersatzbedarfs. 43 Prozent wollen ihre Investitionen zumindest stabil halten.

Umso erfreulicher ist es, dass sich diese Entwicklung noch nicht stark auf die Exporterwartungen durchgeschlagen hat. Der Anteil der Firmen, der mit Ausfuhrsteigerungen rechnet, ist sogar leicht auf 34 Prozent angestiegen. Auf 30 Prozent zugenommen hat allerdings auch der Anteil derer, die in den kommenden zwölf Monaten von Exporteinbußen ausgehen.

Der Arbeitsmarkt zeigt sich noch relativ robust. 58 Prozent der Unternehmen aus der Region gehen zukünftig von einem stabilen Personalbestand aus. Zugenommen hat aber in den letzten Monaten der Informationsbedarf der Unternehmen bei der Agentur für Arbeit nach den Modalitäten der Beantragung von Kurzarbeitergeld. Um zu verhindern, dass aus der konjunkturellen Delle eine anhaltende Schwächephase wird, brauchen die Unternehmen neben mehr Planungssicherheit auch "wirtschaftlichen Rückenwind", mahnt die IHK-Präsidentin. "Notwendig sind Investitionen in die Infrastruktur, eine ehrgeizige Unternehmenssteuerreform und Fortschritte beim Bürokratieabbau."

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