Nachhaltigkeit ist ein Lieblingsthema des Kandidaten der Grünen. Für Dietmar Lust ist Parteiensystem veraltet.
Nordschwarzwald - Dietmar Lust ist spät dran. Ein Unfall auf der Autobahn hat seine Fahrt von Markgröningen in die heimische Wahlkampfzentrale bei der Oma in Glatten aufgehalten und den Tageszeitplan durcheinander gebracht. Dabei hat der 41 Jahre alte Bundestagskandidat der Grünen für den Wahlkreis Calw/Freudenstadt an diesem Tag viel vor – wie eigentlich jeden Tag, so kurz vor dem Wahlsonntag.
Er atmet erst einmal durch und nimmt Platz. Auf ihn wartet der selbstgebackene Apfelkuchen seiner Mutter. Auf dem zierlichen Esszimmertischchen steht – wie passend – ein Sonnenblumenstrauß. Lust beginnt zu erzählen, von seinen Wahlkampferfahrungen, die er auf den Marktplätzen der Region in den verganenen Wochen gesammelt hat und von den Begegnungen dort.
Ökonomie und Ökologie müssen sich nicht ausschließen
"Wieso bist du denn bei den Grünen? Du kommst doch aus einer Unternehmerfamilie", werde er oft gefragt. Für den Selbstständigen ist das kein Widerspruch. Schon als kleiner Bub in der Firma seiner Eltern – der Firma Lust aus Oberiflingen – habe er gelernt, dass sich Ökonomie und Ökologie nicht ausschließen müssen. "Im Gegenteil, das kann ein Erfolgsrezept sein. Das sieht man an Firmen wie Schmalz, die nachhaltig agieren", betont Lust. Überhaupt ist das sein Lieblingsthema – ressourcenschonend und energieeffizient agieren, ist quasi sein Tagesgeschäft. Unter der Firmierung "Lust Energie und Technik" berät und begleitet er Unternehmen und Privatleute bei der Modernisierung. Ein Grund, weshalb er beim Thema Energie auch als Bundestagskandidat punkten kann, meint Lust selbstbewusst. "Die Leute, denen ich bei meinen Wahlkampfterminen begegne, sagen: ›Der kennt sich aus. Dem glaube ich, was er sagt", erzählt Lust. Aber: Die Begegnungen seien nicht immer positiv. "Viele kotzen sich auch einfach aus. Zum Beispiel über das Parteiensystem. Und das kann ich verstehen", sagt Lust. Für ihn sei das System überaltert. Macht und nicht die Sache stehe im Vordergrund.
"Tourismus ist die Kirsche auf dem Sahnehäubchen"
Das zeige sich besonders an der Nationalparkdiskussion. Dort müsse es mehr um den Prozess- und Artenschutz gehen, die ein Nationalpark mit sich bringe. "Der Tourismus ist doch nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen." Die Grünen auf der anderen Seite nur auf den Nationalpark zu reduzieren, sei hingegen genauso einseitig. Vielseitig hingegen zeigt sich der Bundestagskandidat der Grünen auch privat. Erst vor einigen Tagen ist er zu seiner Lebensgefährtin und deren beiden Söhnen nach Markgröningen gezogen, und ist er derzeit nicht auf Wahlkampfterminen, engagiert er sich in der Bürgerinitiative "Mahnwache für den Atomausstieg Freudenstadt", bei den Wirtschaftsjunioren oder setzt sich im allgemeinen Deutschen Fahrradclub für ein Fahrradnetz in Freudenstadt ein.
In den Arbeitsgruppen der Grünen auf Landesebene ist Lust ebenfalls aktiv, als Mann für Wirtschaft, Soziales und Finanzen. Sollte es für ein Mandat in Berlin reichen, so werden das auch seine Themen bleiben. "Altersarmut ist vor allem im Hinblick auf Kleinunternehmer ein heißes Thema", sagt Lust. Seiner heimlichen Wahlkampfzentrale bei Oma Irma will er auch dann treu bleiben. "Ich werde wohl die meiste Zeit auf der Schiene verbringen" – zwischen Berlin, Markgröningen und Glatten.