Den "Wilden See" nannte Thomas Waldenspuhl als Beispiel für einen Wald, der 102 Jahre sich selbst überlassen wurde. Foto: Leißler

Kreisverband Calw beschließt nach Info-Veranstaltung eine entsprechende Resolution.

Nordschwarzwald - Nach einer gemeinsamen Informationsveranstaltung mit den Freudenstädter Genossen beschloss die Kreis-SPD eine Resolution und bekannte sich damit klar zu einem Nationalpark Nordschwarzwald.

Mit Thomas Waldenspuhl, dem Leiter der Abteilung Wald und Gesellschaft an der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg, hatte sich der SPD-Kreisverband Calw/ Freudenstadt am Samstagnachmittag einen Fachmann nach Spielberg geholt, der sachlich über das geplante Naturschutzprojekt informierte. Für seinen Vortrag "Nationalpark Schwarzwald – Chance für Naturschutz, Tourismus und Demokratie" wurde der CDU-Politiker von der SPD-Bundestagskandidatin Saskia Esken, vom SPD-Landtagsabgeordneten und Vorsitzenden der Naturfreunde Baden-Württemberg, Nikolaos Sakellariou, und vom Calwer SPD-Kreistagsmitglied Daniel Steinrode mit viel Lob und von den Zuhörern mit und ohne Parteibuch mit anerkennendem Beifall belohnt.

Waldenspuhl zeigte anhand von Karten und Fotos die drei Großschutzgebiete innerhalb Deutschlands auf, informierte über die gesetzlichen Grundlagen und erklärte den Unterschied zwischen einem Naturpark, einem Biosphärengebiet und einem Nationalpark. Welche Gebiete im Nordschwarzwald für Letzteres in Frage kommen, welche Kriterien sie erfüllen müssen und wo genau sie liegen, das bekamen die Besucher der Veranstaltung anhand eines visuellen Rundflugs aus der Vogelperspektive von Freudenstadt aus über Baiersbronn, entlang der Bundesstraße 500 zu Hornisgrinde und Ochsenkopf bis nach Kaltenbronn gezeigt. Waldenspuhl machte deutlich, dass es sich bei dem rund 17 000 Hektar großen Suchraum ausschließlich um Flächen handelt, die im Besitz des Landes sind. Privatwälder seien nicht betroffen und Kommunalwald werde nur mit dem Einverständnis der jeweiligen Gemeinde hinzu genommen. Bisher habe sich aber noch keine gemeldet.

Wer wissen wolle, wie ein Wald aussieht, der seit 102 Jahren sich selbst überlassen ist, der sollte sich den Bannwald Wilder See ansehen, so der Referent. Das Thema Nationalpark sei kein parteipolitisches Thema, betonte er. Es gehe alle an und jeder sollte sich seine Meinung dazu bilden. Für ihn, seinen Kollegen Wolfgang Schlund und das gesamte Team stehe jedoch fest, "dass ein Nationalpark den Tieren gut tut und den Menschen auch", so Waldenspuhl abschließend. Am 8. April wird Ministerpräsident Winfried Kretschmann das Gutachten zum Nationalpark auf der Landespressekonferenz bekannt geben, hieß es. Tags darauf soll es in Bad Wildbad und danach bei Veranstaltungen in Baiersbronn, Rastatt und im Ortenaukreis bekannt gegeben werden.

"Für mich war es eine Lehrveranstaltung", erklärte Nikolaos Sakellariou, der als SPD-Abgeordneter im Landtag für oder gegen einen Nationalpark abstimmen muss. Die Kritik von Barbara Behringer aus Pfalzgrafenweiler daran, dass Politiker sich mit Meinungsäußerungen zurück hielten, ließ er zumindest für sich so nicht stehen. Bereits 2010 habe er sich wie auch die SPD als Oppositionspartei im Landtag für einen Nationalpark ausgesprochen. Behringer kritisierte auch, dass in der Diskussion touristische und damit monetäre Aspekte zu sehr in den Vordergrund gerückt würden und dass mit vielen Schildern gegen einen Nationalpark in Baiersbronn, Altensteig und Spielberg Stimmung gemacht werde. Dafür habe jemand viel Geld in die Hand genommen, vermutet sie. Mit einem ruhigen Verhalten hätten die Befürworter vermeiden wollen, dass die Gegner noch mehr aufrüsten, antwortete ihr Saskia Esken. "150 Veranstaltungen im Land das ist schon eine Leistung", lobte der Umweltreferent der Naturfreunde Nagold, Dieter Laquai, das Engagement von Fachleuten wie Thomas Waldenspuhl.

Stadtrat Eberhard Haug aus Freudenstadt fragte sich, ob 35 000 Euro für eine Volksabstimmung in Freudenstadt notwendig seien. Klaus Dürr aus Wildberg hätte gerne eine Volksabstimmung im ganzen Land gesehen. Denn nicht immer entspreche die Meinung von Verbänden und Beamten auch der Meinung der Bürger. Thomas Waldenspuhl vertritt dazu eine klare Meinung: "Die Politik muss entscheiden, dazu ist sie da".

Beim anschließenden Kreisparteitag nahm die SPD dies wörtlich und beschloss einstimmig eine Resolution in der es heißt: "In Übereinstimmung mit dem Koalitionsvertrag der Landesregierung begrüßt der Calwer Kreisverband der SPD die Einrichtung eines Nationalparks im Nordschwarzwald". Darin enthalten ist die Forderung an die SPD-Fraktion und die Landkreisverwaltung im Kreis Calw, sich dafür einzusetzen, dass die Suchraumflächen im Kreis Calw in einen Nationalpark Schwarzwald aufgenommen werden.