Das "Grenzstüble" am Ruhestein, ein Ausflugslokal an der Nahtstelle zwischen Baden und Württemberg, ist aktuell eine Brandruine. Foto: Haier

Vier Land- und Stadtkreise bringen gemeinsam Entwicklungskonzept auf den Weg.

Seebach - Einst waren sie die Nobelherbergen an der Panoramastraße, jetzt stehen manche von ihnen vor dem Verfall – oder sind schon einen Schritt weiter. Mit der Einrichtung des Nationalparks Schwarzwald traten die alten Höhenhotels, die jahrzehntelang entlang der Schwarzwaldhochstraße im Dornröschenschlaf vor sich hin dämmerten, plötzlich wieder ins Rampenlicht. Die Region und die Politik schreckten auf: das Vorzeigeprojekt in Sachen Naturschutz – umgeben von Ruinen? Dieses Bild soll bei Nationalparkbesuchern aus aller Welt nicht im Gedächtnis haften bleiben.

Die handelnden Akteure der Region taten sich zusammen. Die lokalen Leader-Arbeitsgruppen Nordschwarzwald, Ortenau und Mittelbaden beantragten im Leader-Programm der EU (mit dem seit 1991 modellhaft innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden) ein gemeinsames Projekt. Ziel: das Erstellen eines "Masterplans für die Revitalisierung der Schwarzwaldhochstraße" zwischen Baden-Baden und Freudenstadt.

Heinz-Dieter Quack, der mit seinem Planungsbüro das Konzept erarbeitet hatte, stellte gestern im ehemaligen Naturparkhaus am Ruhestein die Ergebnisse vor. Trauriger Aspekt am Rande: Der Ort der Präsentation des Entwicklungskonzepts liegt direkt neben der jüngsten Ruine: Das "Grenzstüble", ein Ausflugslokal an der Nahtstelle zwischen Baden und Württemberg, dem Ortenaukreis und dem Kreis Freudenstadt gelegen, war im November abgebrannt.

Erwähnung fand das "Grenzstüble" – weil durch den Brand eher untypisch für die Probleme an der Höhenstraße – in den Ausführungen der Masterplaner nicht. Und dennoch: Wieder fehlt ein Ausflugslokal. Dabei soll es, geht es nach Heinz-Dieter Quack, davon an der Schwarzwaldhochstraße doch künftig eher mehr geben – ein Gasthaus auf der Hornisgrinde, zum Beispiel, oder eine Erlebnishütte am Seibelseckle. Generell sollen nach seinem Konzept aber eher keine neuen Standorte für Beherbergungsbetriebe entwickelt werden. Er empfiehlt, Leerstände neu zu nutzen – etwa als Jugend- und Familienhotel auf dem Plättig oder als Museum im Kurhaus Sand.

Ein "extremer Druck auf Angebotsseite" bestehe nicht, meint der Planer. Schon eher schwebt ihm vor, dass ein paar weitere Betreiber sich dem Label Naturpark-Wirt anschließen und sich der Regionalvermarktung verschreiben, dass sich die Gastgeber in Sachen Öffnungszeiten und Ruhetage abstimmen und dass Ski- und Wanderhütten mehr Komfort bieten – von der Wasserversorgung bis zum DSL-Anschluss.

Das Thema Barrierefreiheit und Mobilität sieht Quack als weiteres Handlungsfeld. Unter anderem schlägt er zentrale Anlaufstellen für E-Mobile­, barrierefreie WCs an Parkplätzen und das Einrichten von Info-Punkten vor.

Über allem steht der Leitgedanke "Natur – Genießen mit allen Sinnen". Die Schwarzwaldhochstraße soll Menschen anziehen, die sich für die Schutzgebiete links und rechts der Panoramastraße interessieren. Qualität statt Quantität im Tourismus. Die Straße selbst soll wieder zum "Markenprodukt" werden.

Der Masterplan könnte eine Anstoßwirkung haben, eine Grundlage bieten. Im nächsten Schritt soll die Lenkungsgruppe, der Vertreter der Leader-Gruppen, der Landkreise, des Nationalparks Schwarzwald und des Naturparks Schwarzwald Mitte-Nord angehören, Projekte des Konzepts priorisieren und dann möglichst viele umsetzen.

Die Vertreter des Stadtkreises Baden-Baden sowie der Landkreise Freudenstadt, Ortenaukreis und Rastatt sind überzeugt: Will man der 60 Kilometer langen, ältesten Panoramastraße Deutschlands zu altem Glanz verhelfen, muss man vernetzt vorgehen. Sie wissen auch: Der Verkehr auf der Bundesstraße lässt sich nicht limitieren oder gar verbieten – vielleicht aber lässt sich die Nachfrage saisonal entzerren, der öffentliche Personennahverkehr steigern, damit mehr Autos in den Tälern bleiben. Daran wird zurzeit parallel im Verkehrskonzept des Nationalparks gearbeitet. "Auf uns kommt eine Menge Arbeit zu", ist Claus Haberecht vom Landratsamt Rastatt überzeugt. "Das war erst der Anfang."

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