Nicht nur im Winter ist der Nationalpark Schwarzwald einen Ausflug wert. Nun hat die Parkverwaltung das Jahresprogramm 2019 vorgestellt. Foto: Nationalpark/Arne Kolb

Jahresprogramm steht. Besonderer Fokus liegt auf behinderten Besuchern. Viele neue Angebote.  

Nordschwarzwald/Ruhestein - Blinde bekommen ein Bild vermittelt, Rollstuhlfahrer übernachten in der Wildnis, Gehörlose verstehen – der Nationalpark Schwarzwald legt sein neues Jahresprogramm vor. Neue Angebote gibt es vor allem für Besucher mit Behinderungen.

"Der Nationalpark soll für alle da sein. Das meinen wir sehr ernst", sagt Svenja Fox, die Gehörlosenexpertin des Parks. Auch Menschen mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen sollen teilhaben, betont sie bei der Präsentation des Jahresprogramms 2019 am Donnerstag auf dem Ruhestein.

"Natur kennt keine Grenzen", heißt das Motto des Programms mit mehr als 200 Veranstaltungen. Fox hat dabei auch Behinderte im Auge: "Jeder hat seine eigenen Grenzen. Sie zu überwinden, lässt uns wachsen." Da gibt es beispielsweise im Juli und Oktober eine Führung unter dem vielsagenden Titel "Viel mehr als mit den Augen sehen", eine dreistündige Tour durch die Natur, die auch für Sehbehinderte und Blinde ausgerichtet ist. Im Programmheft heißt es, eine Hilfsperson oder ein Blindenhund sollten dabei sein. Ebenfalls mitzubringen seien wetterfeste Kleidung und Verpflegung. "Das Röhren der Hirsche" heißt eine andere, abendliche Führung, sie ist für alle Menschen ausgerichtet, aber eben auch für Sehbehinderte.

Wie immer steckt der Teufel im Detail

Nach für vor gebe es bei den Veranstaltungen im Nationalpark Grenzen für Menschen mit Einschränkungen, meint Fox. "Es wäre falsch, das wegzureden", betont sie. "Wir möchten einladen, dass man zu uns kommt und uns genau sagt, welche besonderen Bedürfnisse es gibt." Genaue Planung sei notwendig, oftmals gebe es Probleme im Detail. "Etwa das Thema Toiletten, das muss man auch bedenken."

Als ein Glanzlicht im Programm weist Fox, die selbst die Gebärdensprache beherrscht, auf den Programmpunkt "Wildnisübernachtung" hin, ausgelegt für Rollstuhlfahrer, Sehbehinderte, Gehörlose und Menschen mit kognitiven Einschränkungen. "Draußen schlafen, ohne Zelt, unterm Sternenhimmel", fasst sie zusammen. Ein "absolutes Pilotprojekt" sei das. Stattfinden solle es im Juli, und auch hier wieder sei verstärkt aufs Detail zu achten. Gedacht werden müsse eben auch an Feldbetten. "Querschnittsgelähmte können eben nicht auf dem Boden liegen."

Ansonsten: Das Programm ist ähnlich vielfältig wie in den Vorjahren, das Spektrum "breit, sehr breit", wie Charly Ebel von der Besucherinformation erklärt. "Achtsam Wandern mit Klangschalen", heißt etwa eine Veranstaltung. Dazu gibt es einen "Frauenpilgertag", ebenso wie einen "geistlichen Waldspaziergang" und "Feuerkochen für Männer". Überhaupt, viel ist von "Achtsamkeit" die Rede. Aber auch Klassiker wie Skitouren werden angeboten oder die "Drei-Seen-Tour mit dem E-Bike". Für Kinder gibt es ein eigenes Programm.

"Tag der kulturellen Vielfalt" im Mai

Auch kulturelle Grenzen sollen überschritten werden, heißt ein Gebot des Nationalparks. "Tag der kulturellen Vielfalt" heißt denn ein Treffen im Mai im Nationalparkzentrum Ruhestein. Menschen aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund sollen sich kennenlernen – es dürfte mehrsprachig zugehen.

Apropos Grenzen überwinden: Natürlich kam bei der Programm-Präsentation auch das Thema Grenzen des Nationalparks zur Sprache. Noch seien die beiden Teile des Parks durch ein privates Waldstück getrennt. Zwar werde über das Thema Lückenschluss diskutiert, auch in Stuttgart, so Ebel vieldeutig. Aber das sei eben eine politische Debatte. Dazu wolle sich "der Nationalpark als Behörde" nicht äußern, fügt Ebel schmallippig hinzu.

Da äußert sich Marc Förschler, Leiter der naturwissenschaftlichen Forschungsabteilung, doch etwas klarer. "Wir würden eine Zusammenlegung der Parkteile begrüßen", meint er. "So groß ist der Park ja nicht." Gerade mal 10.000 Hektar betrage die Fläche. Eine Zusammenlegung hätte "große Vorteile für die Ökologie des Parks", fügt Förschler hinzu. "Doch das sind dicke Bretter." Und der Nationalpark habe keinen Einfluss auf die Debatte.

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