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Nordschwarzwald Geplanter Wildtierpark beim Nationalpark steht vor dem Aus

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Im Nationalpark Schwarzwald wird es wohl doch keine frei laufenden Wisente geben. (Symbolfoto) Foto: Ysbrand Cosijn/ Shutterstock

Stuttgart/Nordschwarzwald - Wild lebende Wisente sollten den Nationalpark Schwarzwald um eine touristische Attraktion reicher machen, so die Idee mehrerer Geschäftsleute und Politiker. Doch daraus wird nun nichts.

Welche Tiere sieht man im Nationalpark Schwarzwald? Nun ja, Vögel sicherlich, mit viel Glück auch mal ein Reh. Aber sonst? Die Wow-Effekte sind zwischen Freudenstadt und Baden-Baden eher dünn gesät. Zu dünn, meinte vor einigen Jahren eine Gruppe von Unternehmern und Politikern und ersann einen Wildtierpark am Rande des eigentlichen Schutzgebiets. Wisente, die europäischen Bisons also, sollten darin grasen und dem Nationalpark ein touristisches Glanzlicht aufsetzen.

Landtagsfraktion der CDU gab 2018 eine halbe Million Euro Starthilfe

Alles war professionell vorbereitet: Ein Förderverein entstand (Chef: Freudenstadts OB Julian Osswald), Sponsoren kamen an Bord (darunter die Rothaus-Brauerei), ein eigens eingestellter Tierarzt sicherte das fachliche Know-how. Als schließlich die CDU-Landtagsfraktion 2018 eine halbe Million Euro Starthilfe gab, schien die Sache am Laufen. Doch das ist Geschichte. Auf politischer Ebene gilt der Wildtierpark mittlerweile als tot – verhungert am langen Arm der Regierungsfraktionen Grünen und CDU. Von denen zeigt nämlich allenfalls eine Handvoll Abgeordneter wirkliche Begeisterung für das Projekt – vor allem angesichts der dauerhaften Kosten, die damit verbunden wären. Wie konnte es so weit kommen?

Projekt hat trotz aller Lippenbekenntnisse im Landtag nur wenige Befürworter

Dass die halbe Million Euro vorne und hinten nicht reichen würde, hat sich früh abgezeichnet: "Die Materie ist doch viel zu komplex, als dass wir als Förderverein den Wildtierpark betreiben könnten", sagt der stellvertretende Vorsitzende Claus Schmiedel. Die Wisent-Idee lasse sich nur verwirklichen (man würde die Tiere übrigens aus Polen importieren), wenn man den Wildtierpark an die Verwaltung des Nationalparks andockt. Nach der CDU seien nun die Grünen an der Reihe, Geld zu bewilligen, glaubt der frühere SPD-Landtagsfraktionschef. Schmiedel: "Ich verstehe nicht, warum das so schwer ist, der Wildtierpark gibt der gesamten Region doch einen touristischen Impuls!"

Doch die Grünen denken gar nicht daran, nun den ersten Schritt für eine dauerhafte Kostenübernahme zu tun. Denn die Sache wird teuer: 3,5 zusätzliche Stellen und 140 000 Euro jährliche Betriebskosten sind veranschlagt – von den Millionenkosten für die Erstinvestition ganz zu schweigen. "Das ist ja nicht unser Projekt", sagt der Grünen-Naturschutz- und Tourismuspolitiker Reinhold Pix, "wir unterstützen es zwar grundsätzlich, aber wir wollen ein stimmiges Konzept – und der Koalitionspartner muss mitziehen." Dass Letzteres keineswegs der Fall ist, schließt Pix daraus, dass die CDU für die laufenden Etatverhandlungen kein Geld für das Projekt beantragt hat.

Pix’ CDU-Kollege Patrick Rapp hält zwar dagegen: "Jetzt sind die Grünen mit ihrer Tranche dran, da sie nicht liefern, haben wir uns zurückgezogen." Doch auch der haushaltspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Tobias Wald, macht aus seinen Vorbehalten kein Hehl: "Ich sehe die Projektreife noch nicht, man kann das haushaltstechnisch noch nicht umsetzen." Ohnehin erschließe sich ihm nicht, warum der Nationalpark durch die Wisente ein Alleinstellungsmerkmal erhalte, sagt Wald. Auch das ökologische Argument, die Wisente könnten die Flächen rund um das frühere Hotel Alexanderschanze, wo der Wildtierpark Höhe entstehen soll, offen halten, überzeugt den gelernten Banker nicht: "Das können doch auch Ziegen."

So hat der Wildtierpark trotz aller Lippenbekenntnisse im Landtag also nur wenige Befürworter, und das hat auch mit den aus dem Ruder gelaufenen Kosten für den Nationalpark zu tun. Allein das im Bau befindliche Infozentrum werde aktuell auf 44,7 Millionen Euro veranschlagt, doppelt so viel, wie 2013 kommuniziert, monierte erst dieser Tage der Vorsitzende des Finanzausschusses, Rainer Stickelberger (SPD). Sowohl Grüne als auch CDU fürchten, der Koalitionspartner könnte die Kosten für den Wildtierpark argumentativ ausschlachten.

Schmiedel: "Wenn das Geld vom Land nicht kommt, wird der Verein sagen: Das war’s."

Auch Umweltminister Franz Untersteller, der den Nationalpark fachlich verantwortet, legt sich für die Wisente nicht ins Zeug. Denn zum einen haben die Tiere mit dem Grundgedanken eines Nationalparks überhaupt nichts zu tun. Zum andern gibt es eine Konkurrenzsituation zwischen dem Nationalpark und dem Wildtierpark – mit Blick auf das frühere Hotel Alexanderschanze. Während Untersteller darin einen Teil der Nationalparkverwaltung unterbringen will, würde das Finanzministerium das landeseigene Gebäude am liebsten an die Rothaus-Brauerei verkaufen, die darin ein Wanderhotel errichten will - was den Wisent-Freunden entgegen käme. Doch ohne Wisente lohnt sich diese Investition nicht. Schmiedel zuckt angesichts dieser Lage mit den Schultern und sagt: "Wenn das Geld vom Land nicht kommt, wird der Verein sagen: Das war’s."

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