Seewalds Bürgermeister Dominic Damrath, der FDP-Landtagsabgeordnete Timm Kern, der Vorsitzende des Waldbesitzervereins Nordschwarzwald Jochen Bier sowie der AfD-Landtagsabgeordnete Uwe Hellstern (von links) Foto: Angela Baum

Fachvorträge zur aktuellen Forstpolitik, Holzmarktsituation und Förderung der Privatwaldbesitzer waren wesentliche Aspekte des 17. Nordschwarzwälder Holz- und Waldtags. Diesem ging die Hauptversammlung des Waldbesitzervereins Nordschwarzwald voraus.

Zum Holz- und Waldtag konnte Jochen Bier, der Vorsitzende des Waldbesitzervereins Nordschwarzwald, auch einige Politiker begrüßen, etwa den Bürgermeister von Seewald, Dominic Damrath, den FDP-Landtagsabgeordneten Timm Kern und den AfD-Landtagsabgeordneten Uwe Hellstern.

 

Bürgermeister Damrath erklärte, dass man sich am Waldtag über die Zukunft des Waldes und der Holzwirtschaft unterhalten müsse. „Der Wald ist nicht zuletzt hinsichtlich des Klimawandels eine entscheidende Ressource.“ Man müsse den Wald zukunftsnah bewirtschaften und erhalten. „Eine rein ökologische Betrachtungsweise ist aber fehl am Platz.“

Forstwirtschaft und Waldwirtschaft seien wichtig für die Region Nordschwarzwald, so Damrath. Entscheidungen zum Wald müssten regional gefällt werden, „nicht auf Bundesebene.“ Das neue Bundeswaldgesetz dürfe nicht ignorieren, was regional passiert.

Jochen Bier betonte, dass 40 Prozent der Fläche in Baden-Württemberg von Wald bedeckt sind – im Landkreis Freudenstadt seien es 63 Prozent. In der Gemeinde Seewald sei man sogar bei 90 Prozent.

Das sagten die Landtagsabgeordneten

Timm Kern erklärte, dass Holz- und Forstwirtschaft im Schwarzwald wahrlich kein Randthema seien. Die politischen Themen, die die Privatwaldbesitzer bewegen, „werden von Jahr zu Jahr eher mehr als weniger“. So habe etwa der Entwurf für eine Novelle des Bundeswaldgesetzes für Aufregung gesorgt. 15 zusätzliche Genehmigungs- und Verbotsvorschriften seien hineingeschrieben worden. Christian Lindner (FDP) habe sich gegen das Bundeswaldgesetz in dieser Form ausgesprochen. Doch in bestimmten Teilen des politischen Spektrums überwiege der Gedanke, man könne zentral aus einem Ministerium bestimmen, was gut für den Wald ist oder nicht.

Uwe Hellstern sagte, dass man alles dafür tun müsse, dass die energetische Nutzung von Holz weiterhin möglich bleibt. Der Wald sei als „Industriegebiet“ entdeckt worden – in diesem Zusammenhang sprach sich Hellstern gegen Windenergie aus. Wald müsse Erholungsraum bleiben und sei ein Wirtschaftsraum für die Forstwirtschaft.

Geschäftsführer der Forstkammer referiert

Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg, referierte zur aktuellen Forstpolitik und betonte, dass die Novellierung des Waldgesetzes ein „Aufregerthema“ sei. Das Bundeswaldgesetz in seiner bisherigen Form wird im kommenden Jahr 50 Jahre alt – daher wolle die Regierung ein neues Bundeswaldgesetz. Derzeit sei das alte Waldgesetz ein „schlankes Gesetz“ – die Bundesregierung argumentiere für die Novelle mit dem Alter des Bundeswaldgesetzes.

Zudem sei, so Hilt, im Koalitionsvertrag eine Novelle des Gesetzes beschlossen worden. 50 Verbände seien im Vorfeld angehört worden, „wir sind jetzt zwei Jahre im Novellierungsverfahren.“ Es sei jedoch „nicht die schlechteste Wahl, wenn es mit dem neuen Gesetz nicht auf 2025 reicht“. Im Dezember 2023 sei der Entwurf verschickt worden. Es gab 1200 Änderungswünsche.

Hilt kritisierte, dass man derzeit darüber rede, ob standortheimische Baumarten noch an ihren Standorten stehen dürften. Zudem müssten nach dem neuen Gesetz Rückegassen mindestens 40 Meter voneinander entfernt sein. „Was hat diese Metervorgabe in einem Gesetz zu suchen?“, fragte Hilt.

Zudem gebe es ein Kahlschlagverbot – Abholzungen von mehr als zwei Hektar seien verboten, was für Hilt eine „Unverschämtheit“ darstellt. Es sei ebenso unverschämt, dass Bußgelder oder Freiheitsstrafen in das Gesetz aufgenommen wurden. „Das spricht von einem hohen Misstrauen gegen die Waldbewirtschaftenden und ist ein weiterer Bürokratieaufbau.“ Man habe eine gute Tradition und gute Zusammenarbeit zwischen den Forstbehörden und den Waldbesitzern. Politischer Einsatz sei hier sehr wichtig.

Privatwald-Sachbearbeiterin über Förderanträge

Lena Rentschler als Privatwald-Sachbearbeiterin berichtete Aktuelles aus der forstlichen Förderung. 1,15 Millionen Euro Fördergelder seien im Landkreis Freudenstadt für 250 Anträge bereitgestellt worden. Manche fristgerecht eingereichten Anträge seien noch in der Bearbeitung. Rentschler nannte Wiederaufforstung nach planmäßigem Holzeinschlag oder Wiederbewaldung nach Schadensereignissen wie Sturm oder Borkenkäfer als förderwürdige Maßnahmen. Zudem werden Habitatbäume oder Habitatbaumgruppen gefördert.

Michael Hamm referierte zur aktuellen Holzmarktsituation und zu Holzpreisen und Holzsortimenten.

Mitgliederversammlung

Bericht des Vorsitzenden
In der Mitgliederversammlung berichtete Jochen Bier als Vorsitzender des Waldbesitzervereins Nordschwarzwald aus seiner Arbeit. Derzeit zählt der Waldbesitzerverein 260 Mitglieder. Auch Bier kritisierte die Novelle des Bundeswaldgesetzes als „Schnellschuss“. Es sei eine Sache, die viel Aufregung gebracht habe.