Das Umweltministerium hat am Mittwoch bekannt gegeben, dass ein Wolf für die toten Tiere in Bad Rippoldsau, Schramberg und Nordrach verantwortlich ist. Foto: Symbolfoto: Mirgele

Nordrach/Mittleres Kinzigtal - Jetzt ist es amtlich: Ein Wolf hat die zwei Ziegen in Nordrach gerissen. Das Umweltministerium hat den Wolfsriss am Mittwoch bestätigt. Auch weitere Fälle in Bad Rippoldsau und Schramberg gehen auf sein Konto.

Das Tier mit dem wissenschaftlichen Namen "GW2120m" hat laut Mitteilung des Umweltministeriums auch die sieben Schafe gerissen, die am 12. August in Bad Rippoldsau gefunden worden waren.

Wie der Nordracher Bürgermeister Carsten Erhardt auf Anfrage des Schwabo erklärte, habe die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) ihn über das Ergebnis der genetischen Untersuchung informiert. "Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Wolf auch bei uns aufschlagen würde. Ich hatte aber gehofft, dass er hier nur gesehen wird", so Erhardt. Gesehen worden war ein Wolf bereits Anfang August in Nordrach. Eine Fotofalle hatte ausgelöst und ein Tier abgelichtet, das einen Wolf zu sein schien. Die FVA bestätigte wenig später, dass es sich bei dem Vierbeiner tatsächlich um einen Wolf handelte.

Doch beim "Gesehenwerden" blieb es entgegen der Hoffnung des Nordracher Bürgermeisters nicht. Am 26. August wurden dort zwei gerissene Ziegen aufgefunden, deren Tod, wie sich nun heraus stellt, auf das Konto des Wolfs "GW2120m" gehen. Eine Katastrophe, wie Erhardt findet, gerade für die Viehhalter und bäuerlichen Landwirte. "Wir müssen differenzieren: Es geht hier um kleinste Herden, die rund ums Haus gehalten werden und der Offenhaltung dienen", führt Erhardt aus. "Das sind mehr Haus- als Nutztiere. Aber es ist nicht nur ein emotionales Problem. Ich befürchte, dass der eine oder andere aufhören wird."

Verunsicherung bei Landwirten ist groß

Da bisher nur die Anschaffung wolfssichererer Zäune gefördert werde und nicht deren Instandhaltung mit Mähen der Weide und Überprüfen, werde irgendwann der Kosten-Nutzen-Faktor überschritten, meint der Rathauschef. Insgesamt gebe es in Nordrach immerhin 16 Kilometer Wolfszäune.

Die Verunsicherung und der Spannungsbogen sein bei den Nordracher Landwirten groß – verständlicherweise, wie Erhardt findet. "Ich bin ein grundlegend positiver Mensch. Aber es fällt mir schwer, wenn man mit den Landwirten spricht, die ihre Haustiere direkt neben dem Haus zerfleischt vorfinden, positiv zu bleiben", meint der Bürgermeister. Auch für ihn als Wildtierliebhaber sei auch angesichts des bevölkerten Nordracher Walds eine Grenze überschritten. "Wenn die Gesellschaft und die Politik den Wolf möchten, müssen sie ihn auch tragen. Dann muss der Staat garantieren, dass die Landschaft offen gehalten wird", sagt Erhardt.

Die Ergebnisse der genetischen Untersuchung des Senckenberg-Instituts haben laut Mitteilung zu dem Wolfsrüden geführt, der am 28. Mai bereits in Schramberg genetisch nachgewiesen worden war. Dort hatte er drei Schafe gerissen.

Immer mehr Wölfe in der Region

"Die Gemeinden Bad Rippoldsau-Schapbach und Nordrach liegen innerhalb des Fördergebiets Wolfsprävention Schwarzwald, in denen zwei Wolfsrüden heimisch geworden sind", heißt es in der Mitteilung weiter. Ob sich "GW2120m" auch weiterhin im mittleren Schwarzwald aufhalten wird, müssen demnach weitere Daten zeigen.

Schon seit Längerem tauchen immer wieder Wölfe in der Region auf. Im April dieses Jahres waren vier Schafe in Mühlenbach nachweislich von einem Wolf gerissen worden. Die Identität dieses Tiers blieb unklar: Laut Untersuchungen war es keiner der zwei bis dahin im Schwarzwald bereits bekannten Wolfsrüden. Diese gehören der mitteleuropäischen Flachlandpopulation an, das Mühlenbacher Tier wird ebenfalls der Alpenpopulation zugerechnet. Eine genaue Identifizierung des Tiers war damals nicht möglich. Es könnte sich um denselben Wolf handeln, aber genauso wenig sei auszuschließen, dass es ein anderes Tier sei, beantwortete die FVA eine Anfrage unserer Zeitung.

Im Januar 2019 hatte ein Wolf bereits ein Schaf in Kirnbach gerissen. Laut Untersuchung handelte es sich dabei um den Wolfsrüden "GW852m", der unter anderem 2018 in Bad Wildbad auf eine Schafherde losging, wodurch rund 40 Tiere zu Tode kamen.

Beobachtungen sofort melden

Die Verbände der Koordinationsgruppe Wolf sowie die Wildtierbeauftragten der Region sind über das Ereignis informiert. Eventuelle Beobachtungen mit Verdacht auf den Wolf sollten umgehend der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt gemeldet werden: per E-Mail an info@wildtiermonitoring.de oder unter Telefon 0761/­4 01 82 74. Ausführliche Informationen zu den Fördergebieten Wolfsprävention und zum Herdenschutz, Daten zu Wolfssichtungen im Land sowie Verhaltenshinweise für das Zusammentreffen von Mensch und Wolf gibt es auf der Internetseite des Umweltministeriums.