Zum letzten Mal in diesem Winter liefern sich Nathalie Armbruster und Co. einen Schlagabtausch auf Schanze und Loipe. Zum Abschluss wird es aber Tränen geben.
Am Sonntag ist er auch schon wieder zu Ende, der Weltcup-Winter der Nordischen Kombination. „Verrückt“, nennt das Nathalie Armbruster, weil die Saison „doch irgendwie gerade erst angefangen hat“.
Eine sehr wechselhafte Saison war 2025/26 für die Freudenstädterin vom SV-SZ Kniebis. Begonnen hatte alles mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Ida Marie Hagen, es folgten Tiefschläge mit einem kurzen Zusammenbruch in der Loipe und einer diskussionswürdigen Qualifikation. Am Ende standen wieder Bestleistungen, vor allem in der Loipe.
Nach dem extrem erfolgreichen Jahr 2025 mit ihrem ersten Weltcupsieg, dem Erfolg beim Seefeld-Triple und den Triumphen im Gesamtweltcup, dem Sommer Grand-Prix und der deutschen Meisterschaft wollte die 20-Jährige ihre Ziele nicht zu hoch setzen, „um nicht enttäuscht zu sein, wenn ich das nicht erreiche“.
Saisonziel noch möglich
Und so meinte sie zu Saisonbeginn: „Es wäre natürlich schön, wieder auf dem Podest im Gesamtweltcup zu stehen.“ Dieses Ziel ist zwar rechnerisch noch möglich, denn sie steht auf dem vierten Platz und kann auch nicht mehr nach unten abrutschen. Aber zu Platz 3, den derzeit die Finnin Minja Korhonen innehat, sind es – auch als Folge der Disqualifikation in Otepää – satte 77 Punkte.
Da müsste schon viel passieren, wenn sie diesen Rückstand noch aufholen könnte. Unmöglich ist es in Oslo, „wo die Winde kreuz und quer wehen“ (Bundestrainer Florian Aichinger) natürlich nicht. Aber vorrangig geht es Nathalie Armbruster auch nicht (mehr) darum.
Ein besonderes Ereignis
Zum zweiten Mal dürfen die Frauen von der berühmten Holmenkollbakken springen – „ein ganz, ganz, ganz besonderes Venue“, freut sich Nathalie Armbruster , die sich vorgenommen hat, noch einmal „tolle Sprünge zu zeigen“ und ein „beherztes Rennen zu laufen“.
Abschied von einer Legende
Damit wäre dann ein würdiger Rahmen geschaffen für die zweite Hauptsache neben dem Weltcupfinale – und dieser Punkt wird, prophezeit die 20-Jährige, dafür sorgen, dass es ein „tränenreiches Wochenende“ werden wird: der Abschied von Johannes Rydzek aus dem aktiven Sport.
Fan und Teamkollegin
Und an dieser Stelle kommt Nathalie Armbruster wieder ein „Verrückt“ über die Lippen: „Wer hätte damals gedacht, dass die kleine Natalie, die immer ein Riesenfan von Johannes Rydzek war, dann irgendwann mal seine Teamkollegin sein darf“, denkt sie eine Woche zurück, als sie in Lahti im Teamsprint mit Johannes Rydzek aufs Podium gestürmt ist – ein Traum, der für sie da wahr geworden ist.
„Er war für mich einfach ein Mentor und irgendwie wie ein großer Bruder“, erzählt die Freudenstädterin, „ich bin ihm wirklich unfassbar dankbar, und es ist einfach toll, dass ich ein kleiner Teil seiner großartigen Sportlerkarriere sein durfte.“
Nur ein Wettkampf
Neben dem Rydzek-Abschied gibt es aber noch einen anderen Wermutstropfen in Norwegen. „Wir haben leider Gottes nur einen Wettkampf am Sonntag“, fasst es Bundestrainer Aichinger zusammen, der außerdem nur mit einem reduzierten Team an den Start (10.30 Uhr Springen/13.15 Uhr Langlauf) gehen kann – der hartnäckige Infekt hinterlässt Spuren, auch Jenny Nowak ist nicht ganz fit.
„Gott sei Dank ist die Nathalie verschont geblieben“, hofft er, dass die Freudenstädterin noch einmal um den Sieg mitmischen und am Ende einer schwierigen Saison mit dem aufreibenden Kampf um Olympia einen weiteren Höhepunkt erleben kann.
Die Akkus sind leer
Und dann freut sich die 20-Jährige auf eines: „Wenn ich nach der Saison einfach wieder ein bisschen Kraft tanken kann.“