2026 ist für Nathalie Armbruster bisher alles andere als ein Jubeljahr. Erst der Schock von Schonach, dann der Schreck von Otepää – und im Februar steht ihr der Horror erst noch bevor.
Es hätte so schön sein können. Zum Jahresstart stand der Schwarzwaldpokal auf dem Programm, wie seit 2022 auch wieder für die Frauen. Tolle Stimmung, von den heimischen Fans umjubelt – die Erinnerungen an 2025 verursachen immer noch Gänsehaut.
Doch das Wetter machte Nathalie Armbruster aus Freudenstadt einen dicken Strich durch die Rechnung. Absage. Der erste Schock des Jahres. „Es war enorm schade, dass Schonach gecancelt wurde“, meinte die 19-Jährige, „das ist sehr traurig: Alle Athletinnen und Athleten haben sich auf den wirklich sehr coolen Weltcup in Schonach gefreut. Die Stimmung dort ist immer einmalig.“
Kaum war die Enttäuschung verdaut, schlugen in Otepää nach dem Wettergott die Materialkontrolleure zu. Die amtierende Gesamtweltcupsiegerin und Jenny Nowak hatten auf der Schanze „wirklich zwei richtige Bomben ausgepackt“, wie es Bundestrainer Florian Aichinger umschrieb.
Der Schock
Aber dann hieß es für Nathalie Armbruster: Disqualifikation! Aichinger berichtete von „größeren Diskussionen“, aber am Ende musste er eingestehen: „Es war leider am Knie minimal zu viel.“ Und der Bundestrainer verhedderte sich in Erklärungsversuchen, wie es so weit kommen konnte: „Wir haben mehrfach diese Dinge nachgemessen, da hat alles gepasst.“
Allerdings sei der Betreuerstab „mit diesem neuen Messverfahren nicht betraut gewesen“ und „so ist es aktuell jetzt in der Zeit. Es sind viele Dinge neu.“ Er wollte auf alle Fälle dem Eindruck entgegenwirken, dass die Betreuer die Richtgrößen bis aufs Letzte ausreizen würden. „Nathalies Anzug ist echt auf der engen Seite“, beteuerte er, „wir haben versucht bei ihr – sie ist da auch extrem hinterher – nie ans Limit zu gehen, sondern immer fair zu sein.“
Das Team sucht den Fehler
Natürlich will Aichinger, „dass streng gemessen wird“ und dass auch „hart durchgegriffen wird“. Aber das Team hätte „wirklich versucht, das Beste zu geben, dass der Anzug passt und dass da wirklich nichts anbrennt“. Vergebens.
Bundestrainer Florian Aichinger ratlos
Wie konnte es dann zur Disqualifikation kommen? „Leider Gottes kann es doch immer wieder passieren, dass das Material sich bei verschiedenen Temperaturen unterschiedlich ausdehnt und wieder zusammenzieht. Vor solchen Dingen ist man leider nie gefeit.“
In Oberhof wieder Attacke
Viel Zeit zum Verarbeiten der „bitteren Pille“ gibt es nicht, denn am Wochenende steht der Heim-Weltcup in Oberhof auf dem Programm. Und da „werden wir auf jeden Fall wieder angreifen und wollen das Podium attackieren“, kündigt Aichinger an. Bis dahin soll es auch mit dem Anzug von Nathalie Armbruster klappen. „Wir werden bis dorthin alles nacharbeiten und geben wieder Gas“, blickt Aichinger lieber voraus als zurück.
Der Horror am Horizont
Auf Oberhof folgt Ende Januar noch das Seefeld-Triple, bei dem sich 2025 die Sommer-Grand-Prix-Siegerin zur „Königin von Seefeld“ gekürt hatte – und dann beginnt für die deutsche Meisterin eine Zeit des Horrors: die Olympischen Spiele.
Das IOC hatte – entgegen seiner eigenen Statuten – die Kombi-Frauen für 2026 weiter von olympischen Wettkämpfen ausgeschlossen. „Das tut richtig, richtig weh“, kommentierte Nathalie Armbruster bei Eurosport, „das ist eine riesige Sauerei.“
Im Fernsehen statt in der Loipe
Für die Freudenstädterin wird vor allem der 11. Februar schmerzhaft, denn dann wird sie zunächst in der Eurosport-Morgenshow ihre Einschätzungen zum olympischen Geschehen geben und danach den Einzel-Wettkampf der Männer co-kommentieren.
„Vor dem Februar graut’s mir“
„Vor dem Februar graut es mir ein bisschen“, sagte die 19-Jährige zu Saisonbeginn. Immerhin muss sie durch ihr Eurosport-Engagement nicht wie befürchtet „daheim vor dem Fernseher sitzen und den Männern zuschauen, wie sie bei Olympia an den Start gehen – und letztlich zu wissen: Dort wäre ich jetzt auch gern als Sportlerin dabei.“
Nathalie Armbruster lässt sich nicht unterkriegen
Ob das Kommentieren die Situation für sie erträglicher machen wird, zeigt sich im Februar. Unterkriegen lässt sich die im Jahr 2025 so erfolgreiche ehrgeizige Kombiniererin vom SV/SZ Kniebis ohnehin nicht. Denn ihr Motto lautet: „Am nächsten Tag geht die Sonne trotzdem wieder auf.“