2025 war das Jahr von Nathalie Armbruster. Sie kürte sich in der Nordischen Kombination zur Gesamtweltcupsiegerin und triumphierte im Sommer Grand Prix. Und sie ist erst 19 Jahre alt.
Am Ende ihres unglaublichen Jahres 2025 bleibt bei vielen die Szene von Ramsau in Erinnerung, als Nathalie Armbruster auf Teufel komm raus ihre Dauer-Rivalin Ida-Marie Hagen nicht davonziehen lassen will, sich übernimmt und auf der Strecke zusammenbricht.
Doch das ist nur eine kleine Momentaufnahme und als Bilanz absolut ungerecht. Die Szene verdeutlicht nur umso mehr, wie ehrgeizig die Ausnahme-Athletin an ihren Zielen arbeitet – und sie erreicht.
Was die junge Freudenstädterin vom SV/SZ Kniebis im Jahr 2025 abgeliefert hat, hat selbst kühnste Erwartungen gesprengt. Es war das Jahr, in dem aus dem ehemaligen „Küken“ der deutschen Mannschaft – und das ist erst zwei Jahre her – endgültig die Königin geworden ist.
Historischer Coup in Seefeld
Der eigentliche Startschuss für diesen Wahnsinn fiel im Februar beim Seefeld-Triple. Als erste deutsche Kombiniererin überhaupt fuhr sie an Tag zwei einen Weltcupsieg ein. Nach monatelangem Hadern und Zweifeln an der Sprungform platzte dort der Knoten.
Der Durchbruch
„Ich kann es noch gar nicht fassen. Dass es ausgerechnet hier in Seefeld passiert, auf dieser Schanze, die mir so viel abverlangt hat, ist einfach unglaublich“, sprudelte es aus ihr heraus.
Dieser Sieg war Ausdruck ihres unbändigen Willens. Mit der größten Weite im Springen legte sie den Grundstein, in der Loipe schoss sie wie eine Rakete zum Sieg. Ein Wermutstropfen war, dass Ida Marie Hagen wegen eines nicht regelkonformen Anzugs disqualifiziert worden war und die Norweger deshalb Zeter und Mordio schrien.
Die Königin von Seefeld
Davon ließ sich die 19-Jährige aber nicht beirren und ließ gleich den nächsten Sieg folgen – jetzt war sie die erste „Königin von Seefeld“. Die erste, weil es erst ab diesem Jahr den besonderen Dreifach-Wettkampf auch für Frauen gibt.
Ein Wink ans IOC
Das „ist definitiv ein sehr, sehr wichtiger und richtiger Schritt in die richtige Richtung“, erklärte die Freudenstädterin, „ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung, in Richtung gleich vieler Wettkämpfe wie die Männer – und dann hoffentlich auch ein Zeichen in Richtung IOC in Bezug auf Olympia.“ Denn da dürfen die Frauen 2026 immer noch nicht mitmischen.
Auf der Gefühls-Achterbahn
Die Gefühls-Achterbahn brachte dann die Reise nach Trondheim. Zur Weltmeisterschaft fuhr sie als mediale Favoritin, obwohl ihr die Schanze im Granåsen-Skicenter gar nicht lag und sie des Öfteren „ein bisschen viel Brechstange“ auspacken musste. Der geschürten Erwartungshaltung, Titel en masse einzusammeln, konnte sie gar nicht gerecht werden, sie erlebte sogar einen Horror-Sonntag mit Platz 20 nach dem Springen.
WM-Silber geht fast unter
Dass sie zusammen mit dem Mixed-Team WM-Silber gewonnen hatte, ging in dem Trubel fast unter. Später im Jahr – auf der ersten Weltcupstation 2025/2026 – machte sie mit der Schanze ihren Frieden: „Ich hab mich jetzt echt mit ihr angefreundet.“
Vorher ging es weiter Schlag auf Schlag. Im März nahm die Vorzeige-Athletin die Glaskugel der Gesamtweltcup-Siegerin in Empfang. „Wow, was für ein Tag“, war sie völlig übermannt, „es ist immer noch ein bisschen surreal.“
Die Beste auch im Sommer
Das blieb es auch im Sommer. Nach Grand-Prix-Siegen in Oberstdorf und Chaux Neuve reichte Platz 4 beim Finale in Val di Fiemme, um deutlich auch die Sommer-Trophäe einzuheimsen. Fazit: „Wahnsinn! Ich bin echt überwältigt.“
Der nächste Titel
Damit war der Sommer noch nicht zu Ende, die deutsche Meisterschaft wurde zum Triumphlauf. Und ganz nebenbei hatte sie auch noch ihr Abitur mit einem Schnitt von 1,0 gebaut.
Mit 19 schon absolute Spitze
„Ich habe mittlerweile drei Weltcupsiege und bin mit 19 Jahren Gesamtweltcupsiegerin“, staunt Nathalie Armbruster über sich selbst, „wenn ich zu Hause die Glaskugel sehe, denke ich immer: Was ist eigentlich passiert?“
Ein Jahr fürs Geschichtsbuch
Das Jahr 2025 war für Nathalie Armbruster ein Durchmarsch. Gesamtweltcupsiegerin, Sommer-Grand-Prix-Siegerin und die erste deutsche Weltcupsiegerin der Geschichte.
Und die Achterbahnfahrt ging weiter: Auf ein dramatisches Rennen in Trondheim folgte der Zusammenbruch im wieder turbulenten Ramsau – und tags darauf als krönendes Ende eines – wie sie es selbst immer wieder sagt „surrealen Jahrs“ – der Aufstieg wie Phönix aus der Asche aufs Podest am selben Ort.
Wie soll 2026 das toppen?
2026 wird es schwer haben, mit diesem sensationellen Jahr 2025 mithalten zu können. Aber die fleißige Nathalie Armbruster arbeitet daran.