Beim Seefeld-Triple läuft Nathalie Armbruster trotz der Nachwirkungen eines Infekts wie ein Uhrwerk in der Loipe. Doch auf der Schanze ist der Wurm drin.
Die Enttäuschung war Nathalie Armbruster sofort anzusehen. Mit versteinerter Miene stand die Freudenstädterin vom SV/SZ Kniebis im Auslauf der Toni-Seelos-Olympiaschanze und wartete auf das für sie ernüchternde Ergebnis.
105,0 Meter war sie im Probedurchgang vor dem dritten und abschließenden Rennen des Seefeld-Triples gesprungen. Jetzt, als es nach Platz 3 am Samstag darauf ankam, waren es elf Meter weniger gewesen.
„Ich ärgere mich ein bisschen über mich selbst“, sagte sie anschließend vor dem ZDF-Mikrofon, „warum ich nicht doch den Probedurchgang ausgelassen habe. Scheint so, als würden mir hier die ersten Sprünge immer am leichtesten fallen.“
Rückstand zu groß
Mit 1:38 Rückstand auf Platz sechs liegend ging sie im Anschluss in die Loipe – hinter richtig starken Läuferinnen. „Der Abstand war einfach zu groß“, sagte sie, nachdem sie die harte 7,5-Kilometer-Runde als Fünfte beendet hatte, „und die anderen haben ihre Sache auch sehr, sehr gut gemacht, es hat keine gepatzt da vorne.“
Zu ihrer Nachfolgerin als „Königin von Seefeld“ – und auch schon als Gesamtweltcupsiegerin – kürte sich die Norwegerin Ida Marie Hagen, die im letzten Jahr wie Nathalie Armbruster vor Kurzem in Otepää noch Disqualifikations-Pech gehabt hatte.
US-Amerikanerin auf dem Podest
Doch hinter der Norwegerin überzeugten auch die US-Amerikanerinnen Alexa Brabec und die vom Biathlon zurückgekehrte Tara Geraghty-Moats.
Gedanken an Olympia
„Wenn man sich hier die Wettkämpfe anschaut, wenn man sieht, wie viele verschiedene Nationen da vorne mitmischen“, dachte Nathalie Armbruster sofort wieder an eine olympische Zukunft für 2030, dann „hoffen wir, dass das IOC die einzig richtige Entscheidung trifft im Frühjahr.“
Vinzenz Geiger wird Dritter
Bei den Männern musste sich Vinzenz Geiger – am Samstag noch Sieger – nach einem ebenfalls durchwachsenen Sprung mit dem dritten Platz hinter dem Norweger Jens Luraas Oftebro und dem Östereicher Stefan Rettenegger zufrieden geben.
Die Schanze keine deutsche Freundin
Die Schanze – sie war am Wochenende nicht unbedingt die Freundin der deutschen Kombiniererinnen und Kombinierer. „Im Wettkampf versuche ich irgendwie zu zaubern“, versuchte sich Nathalie Armbruster in einer Erklärung, „und dann kommt’s einfach nicht gut.“
Den Probesprung einfach wegzulassen, grübelte sie später mit ein wenig mehr Bedenkzeit, wäre vielleicht doch nicht die Lösung gewesen. „Hätte, hätte, Fahrradkette. Im Nachhinein ist man immer schlauer, und ob der Sprung dann auch wirklich im Wettkampf gekommen wäre, weiß man ja auch nicht.“
Eine Bürde von 1:38 Minuten
So musste sie, immer noch angeschlagen von dem Infekt nach dem Weltcup in Oberhof, auf die 7,5 Kilometer lange Strecke – mit der Bürde von 1:38 Minuten Rückstand. „Nach ganz vorne ist es ewig weit weg“, wusste sie vor dem Start, „aber ich werde mein Bestes geben, um vielleicht noch ein paar Menschen einzuholen.“
Führungsarbeit fast allein
Da aber die guten Läuferinnen vorne nicht einbrachen, war es nur die Japanerin Yuna Kasai, die sie einholte. Und die heftete sich an die Ski der 20-Jährigen und ließ sie die ganze Führungsarbeit verrichten. „Wenn man sich da vielleicht ein bisschen hilft“, kritisierte die Sommer-Grand-Prix-Siegerin, „wäre vielleicht ein bisschen mehr dringewesen.“
Nicht im Vollbesitz der Kräfte
Am Ende war die aber mit sich und ihrer Leistung im Reinen. Schließlich spürte sie die Folgen ihres Infekts immer noch auf der Strecke. „Ich habe gemerkt, dass die Lunge so ein bisschen verschleimt war. Ich habe ein paarmal versucht zu husten, es irgendwie loszuwerden, aber das hat leider nicht geklappt.“
Der Infekt grassiert im ganzen Team. Mannschaftsarzt Lukas Pecher musste Armbrusters Teamkollegin Ronja Loh vor dem Langlauf aus dem Rennen nehmen, Bundestrainer Florian Aichinger war wegen einer Erkältung gar nicht erst vor Ort.
Großes Lob vom Co-Trainer
Co-Trainer Tim Kopp hob noch einmal die Leistung Nathalie Armbrusters hervor: „Es war am Anfang unsicher, wie es überhaupt vom Laufen her geht, und der erste Lauf war dann schon ein bisschen bingo. Aber es hat sich sehr gut entwickelt, von der Krankheit her und deshalb sind wir sehr zufrieden gewesen.“
Erste Enttäuschung abgeschüttelt
Und auch Nathalie Armbruster schüttelte die erste Enttäuschung ab: „Platz 5 jetzt am Ende beim Triple ist doch sehr, sehr ordentlich auf jeden Fall.“