Beim emotionalen Abschied von Johannes Rydzek endet die große Aufholjagd von Nathalie Armbruster knapp hinter dem Podest.
Beim Weltcupfinale der Nordischen Kombination wurde der letzte Wettkampf der Damen ein wenig in den Hintergrund gedrängt, weil mit Johannes Rydzek einer der ganz Großen seinen Abschied von der großen Bühne nahm.
Mit Platz 8 holte „Rydzi-Air“ als bester Deutscher beim Sieg von Johannes Lamparter vor Gesamtweltcupsieger Jens Luraas Oftebro noch mal eine Top-Ten-Platzierung und ließ sich ausgiebig bejubeln – auch von Nathalie Armbruster.
Die Freudenstädterin hatte 2017 das große Highlight von Rydzek bei der Weltmeisterschaft in Lahti mit viermal Gold und ein Jahr später den Doppelolympiasieg von Pyeongchang am Fernsehen miterlebt – und das bestärkte die damals Elfjährige in ihrem sportlichen Ehrgeiz, der 2024/2025 den bisherigen Höhepunkt mit dem Gewinn des Gesamtweltcups gefunden hat.
Norwegerinnen nutzen Heimvorteil
Beim Finale in Oslo spielten die Norwegerinnen ihren Heimvorteil auf dem berühmten Holmenkollbakken voll aus. Ingrid Laate knallte der Konkurrenz 132,0 Meter vor die Füße – 1:07 Minuten Vorsprung in der Loipe auf die 126,0 Meter springende Nachfolgerin von Nathalie Armbruster als Gesamtweltcupsiegerin, Ida Marie Hagen.
Armbruster kam dagegen das ganze Wochenende nicht so gut zurecht, steigerte sich gegenüber Training und provisorischem Wettkampfsprung (99,0 Meter) zwar in der Nebelsuppe von Oslo auf 115,0 Meter – doch die Spitze war für die 20-Jährige nach dem Springen auf Platz 13 viel zu weit weg. Auch bei den anderen Deutschen lief auf der Schanze nicht viel zusammen.
Bärenstark in der Loipe
Mit 2:11 Minuten Rückstand ging Nathalie Armbruster in die Loipe, schnappte sich bärenstark eine Konkurrentin nach der anderen, doch an die Spitzengruppe mit der Siegerin Hagen, Tara Geraghty-Moats (USA/Platz 2 nach Fotofinish), Minja Korhonen (Finnland/3) und Alexa Brabec (USA/4) kam sie nicht mehr heran.
Aufholjagd von 13 auf 5
Die Aufholjagd endete somit auf dem fünften Platz. „Da sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, so Bundestrainer Florian Aichinger, „auf der Schanze ist uns gar nichts gelungen.“ Im Gesamtweltcup steht für Nathalie Armbruster Platz vier zu Buche.
Wehmut beim Abschied
Doch das Wichtigste an diesem Wochenende war auch ihr die würdige Verabschiedung von Johannes Rydzek. „Ich kann einfach nur betonen, wie dankbar ich für all die Momente bin, die wir gemeinsam erleben durften, der Johannes und ich“, sagte die Freudenstädterin vom SV-SZ Kniebis, „er ist ein unglaublich großartiger Sportler, aber ein noch viel tollerer Mensch.“
Und er war auch das Bindeglied der Kombinierer-Herren zu den Kombinierer-Damen. Und so war er im Ziel sofort umringt von seinem „persönlichen Fan-Club“: Das gesamte Damenteam gratulierte ihm zum Top-Ten-Platz und köpfte mit ihm zusammen die erste Flasche Sekt zum Abschied. „Die Lücke, die die er hinterlassen wird in unserem Team, ist riesig, und ich werde ihn unfassbar vermissen“, sagte Nathalie Armbruster.
Johannes Rydzek versagt kurz die Stimme
Und nicht nur bei ihr lösten sich ein paar Tränchen, auch Johannes Rydzek versagte kurz die Stimme, als er versprach, dass die Nordische Kombination in Zukunft nicht komplett auf ihn verzichten muss. Doch vorher steht erst einmal viel Zeit mit der Familie. Wie nach Saisonschluss auch für Nathalie Armbruster.