Endlich wieder ein strahlendes Lachen in Nathalie Armbrusters Gesicht: Platz 2 macht glücklich. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Nach einer superschweren Woche zeigt Nathalie Armbruster beim Weltcup der Nordischen Kombination in Oberhof allen, was sie draufhat.

Was für eine Antwort auf die Disqualifikation vor einer Woche in Otepää wegen ihres Anzugs: Nathalie Armbruster zeigte beim ersten Heim-Weltcup der Saison in Oberhof im gesamten Wettkampf wie schon im PCR am Freitag eine sehr starke Leistung, flog auf der Schanze auf 97,5 Meter und schnappte sich mit einem unglaublich abgezockten Auftritt in der Loipe den zweiten Platz hinter Ida Marie Hagen.

 

Die Norwegerin war am Ende nach einer Aufholjagd der Freudenstädterin, die voll auf Angriff lief, aber nur noch sieben Sekunden entfernt.

„Das Ende der letzten Woche war nicht einfach für mich“, sagte die amtierende Gesamtweltcupsiegerin nach dem Springen vor den ZDF-Mikrofonen mit brüchiger Stimme, „das hat mich sehr viel Energie gekostet.“ Bundestrainer Florian Aichinger berichtete von „schlaflosen Nächten, sie hat sich sehr viele Gedanken gemacht, weil sie sich so was auch total zu Herzen nimmt“.

Die Faust geht in den Himmel

Nach dem Springen reckte die Sommer-Grand-Prix-Siegerin und Königin von Seefeld die Faust in den Himmel und zeigte sich mit einer Träne im Auge „umso stolzer“ auf sich, „dass ich es geschafft habe, so eine Leistung zu zeigen“.

Da war der Wettkampftag aber erst zur Hälfte vorbei, es folgte noch das Rennen auf einer Strecke, „von der ich beim Anschauen gedacht habe, dass sie mir taugt“.

„Hammerharte Strecke“

Eine „hammerharte Strecke“, wie Aichinger konstatierte: „Man hat taktisch einen Hauch cleverer laufen müssen, weil die Strecke unglaublich hart ist.“

Nathalie Armbruster läuft ihr eigenes Rennen

Und genau das tat die 19-jährige deutsche Meisterin. Sie ging als Vierte mit 17 Sekunden Rückstand in die Loipe, dicht gefolgt von Ida Marie Hagen. Nach zwei Kilometern ließ sie Hagen mit der überraschenden Sprungsiegerin Alexa Brabec (USA) 14 Sekunden wegziehen, lief ihr ganz eigenes Rennen und sammelte Brabec auf der letzten Runde ein.

Platz 2 fühlt sich an „wie ein Sieg“

„Ich hab das einfach so gemacht, wie mir das mein Gefühl in dem Moment gesagt hat“, erklärte die 2025 so erfolgreiche Nathalie Armbruster im Ziel. Dass sie den Rückstand auf Dominatorin Hagen noch auf sieben Sekunden gedrückt hatte, sorgte für ein freudiges Lächeln, aber: „Bei mir ging es heute ganz klar um Platz 3 oder Platz 2. Dass es der zweite geworden ist, ist für mich wie ein Sieg.“

Nicht nur der Bundestrainer fand das „richtig cool“: „Das Rennen war geprägt von unglaublich hohem Tempo. Und der Nathalie ist heute beides gelungen: Sie hat das Tempo hochgehalten, hat sich trotzdem in nichts verstricken lassen und hat das taktisch ganz clever gelöst.“

Katastrophe für Jenny Nowak

Ein Wermutstropfen für das deutsche Team war, dass Jenny Nowak auf der Schanze kein Glück gehabt hatte (Aichinger: „Sie hat das eine oder andere probiert, und das ist ja heute gar nicht aufgegangen“). Und in der Loipe zeigte sie eine starke Aufholjagd bis Platz 6, aber dann brach die nächste Katastrophe über ihr herein: „In der letzten Abfahrt hat sie einen Sturz gehabt, weil eine andere Athletin vor ihr auf die Ski gefallen ist und sie von der Strecke runtergeschmissen hat“, berichtete Aichinger.

Jenny Nowak bricht in Tränen aus

„Sie ist da draußen im Wald gelandet, und bis sie wieder zurück auf der Strecke war, hat es einfach lang gedauert – und sie wird sie dann 11.“ Im Ziel weinte sie bittere Tränen und brauchte Trost von Nathalie Armbruster.

Von deren durch die Ereignisse von Otepää beladenem Herzen fielen am Ende Wackersteine : „Es bedeutet mir so viel, heute auf dem Podium zu stehen. Ich hätte am Sonntag noch so viel zu sagen gehabt“, sprudelte es aus ihr heraus. Und sie ergänzte mit glücklichem Lächeln: „Ich denke, das war heute meine Antwort!“