Nathalie Armbruster knabbert noch immer an den Vorkommnissen von Otepää. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Auch nach den Erfolgen von Oberhof hat Nathalie Armbruster die Enttäuschung von Otepää noch nicht überwunden, vor allem den – wie sie sich selbst ausdrückt – besonderen „scheiß Tag“.

Platz 2 und 3 in Oberhof vor einem begeisterten und vor allem großen Publikum: Wer Nathalie Armbruster beim – leider – ersten Heimweltcup der Saison erlebte, der dachte, dass die Erlebnisse eine Woche zuvor schon wieder ein wenig aus ihrem Kopf verschwunden waren.

 

„Hallo, liebe Winterfans“, wendete sie sich per Instagram an ihre Fangemeinde, „ich bin superhappy mit Platz zwei gestern und Platz 3 heute.“

Die Freude über das „richtig coole Wochenende“ war ihr anzusehen und anzuhören: „Ich konnte auch, glaube ich, richtig coole Flüge im Kanzlersgrund zeigen. Und es waren zwei echt ordentliche Rennen – mit einem ziemlich coolen Zielsprint oder einem Antritt am letzten Berg.“

Ein Fest in Oberhof

Zum ersten Mal hatten die Kombiniererinnen einen Weltcup in Oberhof – bei den Männern war der letzte Auftritt an dieser Stätte auch schon 16 Jahre her. Und zusammen mit den Längläufern und Rodlern feierten die Kombinierinnen und Kombinierern „vor einer genialen Kulisse“ ein Wintersportfest.

Dank an die Fans

„Generell war die Stimmung hier wirklich unglaublich. Also an alle Winterfans, die auch hier dabei waren: Es hat unglaublich viel Spaß gemacht vor dieser genialen Kulisse hier zu racen“, bedankte sich die 20-Jährige.

Doch schon beim Fernsehinterview nach ihrem Podestplatz am Samstag deutete sie an, was sie immer noch bewegt: „Das Ende der letzten Woche war nicht einfach für mich“, sagte die amtierende Gesamtweltcupsiegerin nach dem Springen mit brüchiger Stimme, „das hat mich sehr viel Energie gekostet.“

Podestplätze als Antwort

Und sie ergänzte später: „Es bedeutet mir so viel, heute auf dem Podium zu stehen. Ich hätte am Sonntag noch so viel zu sagen gehabt. Ich denke, das war heute meine Antwort!“

Klartext auf Instagram

Nicht ganz. Denn nun meldet sich die Sommer-Grand-Prix-Siegerin und deutsche Meisterin über die sozialen Medien und erläutert zwischen dem erfolgreichen Weltcup in Oberhof und eine Woche vor ihrer Titelverteidigung beim Seefeld-Triple ihre Sicht auf die Dinge.

Freude und Frust

„Otepää – nirgendwo lag Freude und Frustration so nah beieinander …“, schreibt sie und erläutert noch einmal den Verlauf des Wochenendes mit dem „so vielversprechenden“ Start mit Platz 3, dem Windpech bei „einem soliden siebten Platz im Gundersen“.

... und dann der „scheiß Tag“

Doch dann: „Ja, und der Sonntag war dann ein scheiß Tag für mich.“ Denn im Büro der Materialkontrolle spielte sich vor der Disqualifikation ein Drama ab. „Ein DSQ – ich glaube, keiner kann sich vorstellen, wie verzweifelt ich in dieser Kontrolle war und wie fertig ich immer noch bin“, erzählt sie.

Der Bundestrainer wundert sich

Schon Bundestrainer Florian Aichinger hatte berichtet: „Es war leider am Knie minimal zu viel.“ Und hatte sich danach in Erklärungsversuchen verheddert: „Wir haben mehrfach diese Dinge nachgemessen, da hat alles gepasst.“ Allerdings sei der Betreuerstab „mit diesem neuen Messverfahren nicht betraut gewesen“, und „so ist es aktuell jetzt in der Zeit. Es sind viele Dinge neu.“

Kritik an der FIS und ihren Methoden

Nathalie Armbruster entgegnet diesen Kontrollen: „Wir hatten dieses Knie unzählige Male im Voraus gecheckt, immer nach Reglement nachgemessen, es passte einfach! Für mich ist bis heute nicht nachvollziehbar, warum die FIS eine andere Messmethode verwendete, als die, die im Reglement steht.“

Bundestrainer Aichinger pflichtet ihr bei: „Nathalies Anzug ist echt auf der engen Seite“, beteuerte er, „wir haben versucht bei ihr – sie ist da auch extrem hinterher – nie ans Limit zu gehen, sondern immer fair zu sein.“

„Ich stehe für fairen Sport

Das betont auch die 20-Jährige: „Ich kann und will versichern, dass ich stets nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt habe. Ich stehe für fairen Sport.“

Ein verwundetes Herz

Es brodelt also weiter in Nathalie Armbruster nach dieser Disqualifikation. Schon sieben Tage zuvor lieferte sie ihren Follwern Bilder, die sie mit ihrem Freund Nico Zarucchi beim Langlauftraining zeigen unter der Überschrift „my kind of therapy“. Unter dem Text leuchtete ein verwundetes und mit einem Verband umbundenes Herz.