Dass der Schwarzwaldpokal in Schonach ausgefallen ist, macht Nathalie Armbruster „sehr traurig“. Foto: Silas Stein/dpa

Nathalie Armbruster greift im Weltcup in Otepää wieder an. Denkt sie an diesen Ort in Estland, überkommt sie eine Gänsehaut. Manuel Faißt sorgt für eine Überraschung.

Ziemlich genau elf Monate ist es her, da lieferte Nathalie Armbruster aus Freudenstadt ein „voll geiles, unglaublich cooles“ Rennen ab. Bundestrainer Florian Aichinger war restlos begeistert: „Super, taktisch clever von der Natalie. Sie hat sich das wirklich super einteilt, hat das Tempo hochgehalten, heute hat wirklich alles gestimmt.“

 

Am Ende stand der dritte Weltcup-Sieg – und ein ungemein wichtiger in dem ohnehin sensationellen Jahr 2025, weil es der Athletin des SV/SZ Kniebis gelungen war, „die Ida zu knacken“, wie Bundestrainer Aichinger erklärte. Und weil sie 2024 nach durchwachsenen Wettkämpfen mit einem absoluten Negativerlebnis auf der Schanze aus Estland abgereist war.

Der Sieg im Februar 2025 hat Spuren bei der 19-Jährigen deutschen Meisterin hinterlassen – positive. „Nach Otepää reise ich mit sehr guten Erinnerungen – ich habe dort letztes Jahr meinen dritten Weltcup-Sieg feiern dürfen“, sagt sie – um das Wichtigste nachzuschieben: „Im direkten Duell gegen Ida-Marie Hagen.“

Böse Stimmen verstummen

Denn es nagte an der Freudenstädterin, dass einige nach dem Triumph in Seefeld – Ida Marie Hagen war disqualifiziert worden – der deutschen Top-Kombiniererin zu verstehen gegeben hätten: „Ja, wenn die Ida dabei gewesen wär, dann wärst du auf jeden Fall Zweite geworden!“ Und dann stürzte die Norwegerin im Massenstartrennen zwei Tage zuvor auch noch – weit in Führung liegend! Doch mit Wettkampf 3 in Otepää war das Gegenteil der bösen Aussagen bewiesen.

Natürlich weinen die Kombiniererinnen und Kombinierer dem ausgefallenen Schwarzwaldpokal in Schonach ein paar Tränen nach. „Das ist sehr traurig“, sagt Nathalie Armbruster, „alle Athletinnen und Athleten haben sich auf den wirklich sehr coolen Weltcup in Schonach gefreut. Die Stimmung dort ist immer einmalig.“

Schonach-Ausfall „tut extrem weh“

Dem pflichtet nicht nur Bundestrainer Aichinger bei: „Das tut uns schon extrem weh.“ Durch den Ausfall hatte er auch organisatorisch einiges zu tun, um bei seinen Schützlingen das Level hochzuhalten, damit in Otepää nichts anbrennt.

Intensives Training in der Schweiz

Während er mit den restlichen Athletinnen immer zweitageweise – zum Beispiel in Seefeld – trainierte, war Nathalie Armbruster nach dem Auf und Ab von Ramsau wie auch die deutschen Männer im schweizerischen Kandersteg aktiv. Schließlich kommt der Freund der Gesamtweltcupsiegerin ja auch aus der Schweiz, so konnte sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.

Für eine Überraschung sorgte Männer-Bundestrainer Eric Frenzel mit dem Aufgebot für das „sehr typisch“ (Nathalie Armbruster) eiskalte Otepää. Kuschelige minus sieben bis minus 14 Grad erwarten die Wetterfrösche für die drei Tage.

Unerwartet schnelles Comeback

Diesen arktischen Temperaturen stellt sich auch Manuel Faißt nach seinem Achillessehnenriss im Sommer wieder. „Er ist mittlerweile wieder so gut genesen, dass alles bestens bei ihm funktioniert. Er kann wieder alles einhundert Prozent belasten“, berichtet Frenzel. Und so bekommt der Baiersbronner seine Chance, Punkte und Platzierungen zu sammeln, schließlich geht es ja auch noch um Startplätze bei Olympia.

Los geht es am Freitag mit einem Massenstartrennen (Laufen 12.45 Uhr Frauen/13.30 Uhr Männer; Springen 15.30 Uhr Frauen, 16.30 Uhr Männer). Das ist nicht gerade die Lieblingsdisziplin von Nathalie Armbruster, weil der Massenstart die besseren Springerinnen bevorteiligt.

Kleine Probleme auf der Schanze

Und auf der Schanze lief es zum Auftakt am Donnerstag noch nicht ganz rund. Beim provisorischen Wettkampfsprung (PCR), der herangezogen wird, wenn das Wetter in den kommenden Tagen keinen Sprung zulässt, reichte es der Gewinnerin des Sommer Grand Prix mit 87,0 Metern nur für Platz 11. Ida Marie Hagen auf Platz 2 wäre 1:04 Minuten weg – zu viel.

Knaller von Ingrid Laate

Überragend zeigte sich wieder einmal Hagens norwegische Landsmännin Ingrid Laate: 102,0 Meter und 1:12 Minuten Vorsprung auf Hagen, 2:16 auf Nathalie Armbruster. Das Wochenende kann spannend werden.