Foto: Hamsch

Nonnenweier - Seit einer Woche ist das Buch "Worte der Nacht" von Jonas Kranzer auf dem Markt. Ein Gedichtband mit 31 Gedichten, erschienen beim Deutschen Lyriker Verlag. Der 31-jährige Nonnenweierer, der in Lahr ein Maklerbüro betreibt, hat mit der Lahrer Zeitung über sein Erstlingswerk gesprochen.

Herr Kranzer, auf der Rückseite Ihres Buches »Worte der Nacht« heißt es, dass die Gedichte in diesem Buch meist in schlaflosen Nächten entstanden sind. Haben Sie viele schlaflose Nächte?

Ich bin ein Kopfmensch. Schon als Kind habe ich viel über alles Mögliche nachgedacht. Ich bin einer, der alles zerdenkt. Eines Nachts bin ich aufgewacht und dann kam der Einfall. Ich hatte den fertigen Text einfach in meinem Kopf und ich hatte das Bedürfnis, alles aufzuschreiben. So entstand mein erstes Gedicht "Kreislauf des Lebens". Das war am 11. Juni 2016 um 3.58 Uhr. Zwei Monate später kam um 3.27 Uhr der zweite Einfall. Dieses Gedicht heißt "Großvater" und ist ihm gewidmet. Wir haben eine sehr enge Beziehung. Einige Zeit später kam der nächste Einfall und so weiter. Ich habe alle meine Gedichte nachts ins Handy getippt, denn das habe ich immer dabei. Auf diese Weise sind insgesamt 31 Gedichte entstanden. Die Gedichte in diesem Band sind alle in der Nacht entstanden. Das Buch ist unter anderem allen Menschen gewidmet, die sich zu viele Gedanken machen.

Wie kamen Sie auf die Idee, aus den einzelnen Texten auf dem Handy ein Gedichtband zu erstellen?

Ich kam nie auf die Idee, die Texte zu veröffentlichen. Die Gedichte sind ziemlich persönlich. Gerade das Gedicht "Großvater" ist für mich sehr privat, denn unsere Beziehung ist sehr eng, fast schon eine Art Vater-Sohn-Beziehung. Ich habe die Texte zunächst meiner Frau und meinem Geschäftspartner und zugleich gutem Freund Jan vorgelesen. Meine Frau kam dann auf die Idee, es zu veröffentlichen. Daraufhin habe ich mich im Internet schlau gemacht und dann den Fischer Verlag, zudem der deutsche Lyriker Verlag gehört, entdeckt. Zunächst war geplant, vier Gedichte von mir in dem Sammelband "Lyrik und Prosa unserer Zeit" zu veröffentlichen. Gleichzeitig hatte mir der Verlag auch angeboten, einen eigenen Gedichtband zu veröffentlichen. Durch die Pandemie und die Papierknappheit hatte sich alles verzögert. Die Anfrage stellte ich im August. Eigentlich sollten die vier Gedichte im Sammelband zuerst veröffentlicht werden, aber jetzt ist es andersherum.

Was sagen die Menschen in Ihrem Umfeld dazu, dass sie Gedichte schreiben?

Tatsächlich wurde ich von Freunden und Bekannten angesprochen. Viele wussten nicht, dass ich Gedichte schreibe und zeigten sich positiv überrascht. Ich konnte schon immer Gefühle besser verarbeiten, indem ich sie aufgeschrieben habe. Für meine Frau schreibe ich auch immer zum Valentinstag oder zum Geburtstag Liebesgedichte. Die Gedichte bedeuten mir alles. Sie spiegeln meine Lebenserfahrung und meine Gefühle wider. Zum Beispiel das Gedicht "Hass" bringe ich mit einer bestimmten Person in Verbindung.

Ärgern sich nicht die Person darüber, dass sie ein Gedicht mit dem Titel »Hass« schreiben?

Die Person erkennt sich nicht. In meinen Texten findet immer eine Verallgemeinerung statt. Der Leser kann bestimmen, was er für sich daraus zieht. Gerade in der heutigen Zeit sind Gedichte wichtig, um Sachen an den Pranger zu stellen, die man eigentlich so nicht sagen würde oder könnte.

Haben Sie literarische Vorbilder? Lesen sie selbst auch Gedichte?

Ich habe keine literarischen Vorbilder. Die Gedichte kommen aus mir. In meiner Freizeit lese ich lieber Fachbücher zum Beispiel über Wirtschaftsrecht oder Immobilienrecht. Das finde ich entspannend.

Wie viele Werke haben Sie schon verkauft?

Das weiß ich gar nicht genau. Zunächst ist eine Auflage von 1.000 Stück geplant, die bei Bedarf um jeweils weitere 1.000 Stück erhöht werden kann. Ich freue mich über jedes verkaufte Buch. Es geht jedoch nicht darum, wie viele Exemplare ich verkaufe. Vielmehr möchte ich einen Fußabdruck in unserer Zeit hinterlassen. Allein die Möglichkeit zu haben ein Buch zu veröffentlichen sollte man nutzen, später kann ich vielleicht mal meinen Enkelkindern davon erzählen.