Christine Egenlauf ist seit 2012 Pfarrerin in Nonnenweier. Foto: Künstle

Serie (4): Pfarrerin Christine Egenlauf über ihre Arbeit an der Spitze der evangelischen Kirchengemeinde

Vier evangelische Kirchengemeinden, vier Pfarrerinnen. Die Lahrer Zeitung hat sich mit ihnen unterhalten und nachgefragt, wie es ihnen als Frauen an der Spitze ergeht. Pfarrerin Christine Egenlauf spürt in Nonnenweier das Vertrauen der Menschen.

Nonnenweier. 50 Jahre nachdem es möglich geworden war, dass in Baden Frauen als Pfarrerin arbeiten, haben sie annähernd die Hälfte der Pfarrstellen übernommen, vermutet die Pfarrerin von Nonnenweier, Christine Egenlauf. Sie schätzt, dass in Zukunft die Pfarrerinnen sogar in der Mehrzahl sein könnten und sieht es als große Bereicherung, wenn Frauen und Männer gemeinsam im gleichen Beruf arbeiten.

Seit neun Jahren leitet Egenlauf die Kirchengemeinden Nonnenweier und Wittenweier, doch ihre berufliche Laufbahn begann nicht mit der Theologie. Nach dem Abitur wollte die 1970 geborene Frau erst einmal "etwas Praktisches" machen. Sie absolvierte am Uniklinikum in Heidelberg eine Ausbildung als Krankenschwester und arbeitete anschließend vier Jahre an der Uniklinik in Lübeck. "In dieser Zeit hat sich das Arbeitsfeld der Krankenschwester verändert", erzählt sie. "Es musste viel Zeit für schriftliche Dokumentationen aufgewendet werden und es blieb leider immer weniger Zeit, um auch einmal mit den Patienten zu sprechen".

Egenlauf wollte mehr auf die Menschen und deren seelische Bedürfnisse eingehen und wagte einen Neuanfang. Sie zog nach Freiburg und studierte an der Evangelischen Fachhochschule Religionspädagogik. Danach arbeitete sie als Religionspädagogin in einer Kirchengemeinde am Kaiserstuhl, wobei ihr Schwerpunkt auf der Seelsorge bei älteren Menschen lag. Da der Pfarrer in dieser Kirchengemeinde erkrankte, übernahm sie immer häufiger dessen Aufgaben wie Taufen, Beerdigungen oder auch Gottesdienste.

Obwohl diese Tätigkeit schon sehr zeitaufwendig war, entschied sie sich, berufsbegleitend Theologie in Basel zu studieren. Abends und an den Wochenenden setzte sie sich dafür an ihren Schreibtisch. 2010 legte sie ihre Prüfung ab und war danach zwei Jahre als Pfarrerin im Probedienst im Kirchenbezirk Adelsheim-Boxberg. In den drei kleinen Dörfern, die sie damals als Pfarrerin mitbetreute, ging es eher traditionell und konservativ zu. "Die älteren Männer saßen im Gottesdienst immer oben auf der Empore der Kirche", erinnert sie sich. Als Egenlauf im Altarraum Bilder zeigte, die von oben nicht zu sehen waren und sie die Männer bat, herunterzukommen, sei dies für die Männer "sehr schwierig" gewesen. Bei einem Vortrag im Frauenkreis wurde sie mit "der Herr Pfarrer kommt", angekündigt.

Immer mehr Männer gehen zur Seelsorge

Im September 2012 kam sie nach Nonnenweier, wo schon zuvor Frauen als Pfarrerinnen gearbeitet hatten. Sie freut sich dort über eine tolle Zusammenarbeit mit dem Kirchengemeinderat und die ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Kirchengemeinde. "Die Vertrauensbasis mit den Gemeindegliedern ist in dieser Zeit gewachsen", stellt sie gerade in Bezug auf die Seelsorge fest. Zunehmend würden sich auch Männer mit ihren Sorgen an sie wenden und Egenlauf sieht darin eine Veränderung in der Gesellschaft. "Ich bin dankbar dafür, dass mir die Menschen vertrauen", erzählt sie.

Ihren Beruf als Pfarrerin sieht Egenlauf als Berufung. "Wenn ich auf die Arbeitsstunden achten würde, wäre ich fehl am Platz." Sie genießt ihren Job, der ihr mehr Gestaltungsmöglichkeiten als die Tätigkeit als Religionspädagogin bietet. Da sie alleine lebt, ist ihr Alltag von ihrem Beruf bestimmt, freie Montage sind nicht selbstverständlich. Und sie hat auch nur wenig Zeit für Hobbys. Wenn sie mal abschalten will, nimmt sie sich einen halben Tag frei und fährt zum Kaffeetrinken nach Freiburg oder geht mit Freunden essen.

Gerne sitzt sie manchmal abends auf der Bank vor dem Pfarrhaus, lässt den Tag ausklingen und liest ein Buch. Dabei bekommt sie immer mal wieder Gesellschaft von Gemeindegliedern, die mit dem Fahrrad vorbeifahren und sich für ein Schwätzchen zu "ihrer Pfarrerin" setzen. Das tue ihr gut.

Seit 50 Jahren gibt es in der badischen Landeskirche evangelische Pfarrerinnen. Am 27. April 1971 hatte die Synode der badischen Landeskirche die Gleichstellung mit dem schlichten Satz beschlossen: "Pfarrer im Sinne der Grundordnung ist auch eine Pfarrerin." Frauen waren in Baden zwar schon bereits seit 1916 zum kirchlichen Examen zugelassen, durften anschließend aber nicht den Pfarrberuf ausüben. Als Pfarrgehilfinnen waren sie den Pfarrern untergeordnet – trotz gleicher Ausbildung. Ab 1943 erhielten sie den Titel "Vikarin", ihre Arbeit blieb aber vor allem auf Frauen und Mädchen beschränkt. Bis zum Jahr 1971 war es Pfarrerinnen nicht gestattet, eine Gemeindeleitung zu übernehmen, obwohl sie während des Zweiten Weltkriegs alle Aufgaben des Pfarramts übernommen hatten. Sie waren meist auf Sonderpfarrstellen im Einsatz, etwa in der Frauen- oder in der Jugendarbeit. Frauen mussten einen speziellen Talar tragen und durften sich bis 1962 nicht offiziell Pfarrerin nennen. Der Synodenbeschluss beendete die Ungleichbehandlung.