Was sind die verbreitetsten Nachnamen in Kippenheim und in den anderen Gemeinden der südlichen Ortenau? Unsere Redaktion hat nachgehakt. (Archiv) Foto: Bildstein

In Ettenheim gibt’s viele Jäger, Schmieheim ist ein Meier-Dorf und Webers dominieren die südliche Ortenau. Unsere Redaktion hat nachgeforscht, welche Nachnamen in welcher Gemeinde am häufigsten verbreitet sind, und wie diese historisch entstanden sind. Dabei gab es einige Überraschungen.

„Müller, Meier, Schulze“, heißt es oft, wenn nach typischen deutschen Nachnamen gefragt wird. Was auf das gesamte Bundesgebiet zutreffen mag, spiegelt sich jedoch nicht in den einzelnen Gemeinden der südlichen Ortenau wieder. Diese haben ihre eigenen Namens-Dynastien, wie unsere Umfrage zeigt.

 

In Ettenheim spiegelt sich der Bundestrend: Als einzige Kommune der südlichen Ortenau stehen in Ettenheim wie in ganz Deutschland die „Müllers“ an der Spitze. 139 der rund 13 600 Einwohner im Stadtgebiet heißen so, also etwa ein Prozent. Wie die meisten der weit verbreiteten Nachnamen kommt Müller von der Berufsbezeichnung. Das gilt auch für die Plätze zwei (Weber, 120 Ettenheimer) und drei (Jäger, 100). Die „Jägers“ sind in Ettenheim überdurchschnittlich häufig vertreten. Bundesweit gesehen liegt der Name nur auf Platz 75. Spannend ist der vierthäufigste Nachname Oswald. Dieser ist in Ettenheim 83 Mal vertreten und leitet sich vom Vornamen Oswald ab. Laut dem Digitalen Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD) setzt sich Oswald aus den althochdeutschen Wörtern für „Gott“ und „herrschen, walten“ zusammen.

Große Menschen in Rust: Etwas weniger „mächtig“ sind die Nachnamen in Rust. Dort heißen die meisten Menschen, nämlich 60, „Lang“. Dieser Nachname ist ein Beispiel für eine dritte Herkunftsart der Familiennamen: Eigenschaften wie „der Lange“ wurden früher als Unterscheidungsmerkmal der Menschen herangezogen. Die Vorfahren vieler Ruster müssen früher also verhältnismäßig groß gewesen sein. Ansonsten war das Dorf einst offenbar auf Kulinarik spezialisiert: Der zweithäufigste Name in Rust ist „Metzger“ (55), der vierthäufigste „Koch“ (45). Auf Platz drei liegt „Hauser“ (48). Das war laut DFD früher ein Dorfbewohner, der kein eigenes Land, sondern nur ein kleines Haus besaß.

Klares Bild in Ringsheim: Die größte Dominanz in allen Gemeinden weist der Name Weber in Ringsheim auf. 101 Menschen in der Gemeinde mit knapp 2500 Einwohnern heißen so, also rund vier Prozent. Bürgermeister Pascal Weber hat sich also die passende Gemeinde ausgesucht. Gut möglich, dass er bei seinem Umzug vergangenes Jahr der 100. Weber in Ringsheim war. Mit großem Abstand auf Platz zwei folgt „Person“ (38). Als Person wurden früher Menschen bezeichnet, die in der Gemeinschaft eine wichtige Rolle spielen. Auf Platz drei liegt „Biehler“ (35). Dieser Name leitet sich laut DFD vom mittelhochdeutschen „Bühel“ ab, das „Hügel“ bedeutet. Der Name wurde demnach für Menschen verwendet, die an oder auf einer Anhebung wohnten.

Die Top Drei der Nachnamen Foto: Adobe Stock

Spannende Ursprünge in Mahlberg: Auch in Mahlberg ist der Name „Weber“ die Nummer eins mit 87 Einträgen. Auf Platz zwei liegt Obergföll (58). Durch Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll, die in Mahlberg aufgewachsen ist, wurde der Name 2013 bundesweit bekannt. Die Herkunft erklärt das DFD so, dass der Name für Menschen genutzt wurde, deren Hof oberhalb eines “gevelle“ , also eines Abhangs lag. Mehrere Bedeutungen hat Platz drei der Liste, „Schaub“ (53). Im Mittelhochdeutschen wurde ein Strohbund als „Schoup“ bezeichnet und davon abgeleitet auch magere, dürre Menschen sowie Dachdecker, die mit dem Material gearbeitet haben. Eine „Schaube“ war einst ein langes weites Überkleid. Sowohl der Hersteller als auch der Träger wurden mit diesem Zusatz versehen.

Die Kippenheimer humpelten: Der Name „Meier“ – in den anderen Kommunen im Bundesvergleich unterrepräsentiert – steht in Kippenheim mit 68 Menschen an der Spitze. 58 davon wohnen in Schmieheim. Der Meier – abgeleitet aus dem lateinischen „major“ (der Größere, der Höherstehende) – war früher der „Oberbauer“. Er führte im Auftrag des Grundherrn unter anderem die Aufsicht über die Bewirtschaftung der Güter und übte in dessen Namen die niedere Gerichtsbarkeit aus. Auf Platz zwei folgt mit Müller (57) in Kippenheim ein weiterer Klassiker. Als typisch für Kippenheim bekannt liegt der Name Stulz auf Platz drei (40). Dessen Herkunft ist nicht ganz klar, eine Theorie besagt, dass sich der Namen von „stelzen“ ableitet, was vor rund 700 Jahren „humpeln“ bedeutete. Ein „Stulz“ ist demnach also „jemand, der humpelt“.

Enges Rennen in Kappel-Grafenhausen: In der Doppelgemeinde teilen sich zwei Namen den ersten Platz, die sehr ähnlich klingen, jedoch laut DFD unterschiedlicher Herkunft sind: Sowohl Kölble als auch Köbele weisen 55 Einträge auf. Kölble leitet sich dabei von „Kolb“ ab, was Keule bedeutet. Im übertragenen Sinne stand der Name für einen derben, gedrungenen, dicken Menschen beziehungsweise für einen Narren. Der Name Köbele wiederum kommt laut DFD vom Vornamen Jakob. Platz drei ist wie in Mahlberg der Nachname Schaub. Mit 54 Einträgen verpasst er nur knapp den Spitzenplatz. Spannend: Mit dem Namen Wieber liegt in Kappel-Grafenhausen eine Abwandlung des sonst in der südlichen Ortenau dominierenden Namens Weber auf Platz vier (49).

Vergleich zu Deutschland

Von den zehn häufigsten Familiennamen bundesweit sucht man in der südlichen Ortenau einige vergeblich. Fischer, Schmidt, Schneider oder Wagner belegen jeweils keine Spitzenplätze. Der in der südlichen Ortenau dominierende Name Weber liegt bundesweit auf Platz fünf.