Nilgänse werden mehr und mehr zu „Problemtieren“. In Mühlheim haben sie kürzlich den Brutplatz einer Entenfamilie okkupiert.
Als kürzlich Nilgänse einen Fischweiher in Mühlheim annektierten und das dortige Entenhaus zu einem Nest für ihren Nachwuchs umfunktioniert hatten, stand der Umgang mit den ungebetenen Gästen im Raum.
„Nilgänse haben bei uns nichts verloren“, hatte sich der Grundstücksbesitzer Karl Wezel im Gespräch mit unserer Redaktion klar zu den ursprünglich aus Afrika stammenden Tieren geäußert.
24 000 Reviere liefern Daten
„Wo sie überhand nehmen, müssen auch jagdliche Eingriffe stattfinden“, erläuterte er. Das sieht auch der Deutsche Jagdverband (DJV) so. Denn mittlerweile ist die gebietsfremde invasive Nilgans in Deutschland inzwischen weiter verbreitet als die heimische Graugans.
Die Daten stammen aus der flächendeckenden Erfassung 2023 für das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD). Knapp 24 000 Jagdreviere hatten sich daran sich beteiligt – was etwa einem Drittel der land- und forstwirtschaftlichen Fläche Deutschlands entspricht.
Deutlich mehr Nester
Während die Nilgans in 54 Prozent der Reviere nachgewiesen wurde – eine Zunahme um knapp die Hälfte seit 2017 – kommt die heimische Graugans lediglich auf 51 Prozent.
Darüber hinaus stiegen die Brutvorkommen der Nilgänse steigen rasant. 2023 meldeten bereits 26 Prozent der Reviere ein solches, was eine Steigerung um mehr als das 2,5-fache seit 2009 bedeute.
Gänse töten Entenküken
2017 hatte die EU die Nilgans in die Liste der gebietsfremden invasiven Arten aufgenommen. Damit einher geht für Deutschland die Verpflichtung, ihren Bestand einzudämmen. Die Gans ist sehr konkurrenzstark und kann heimische Wasservogelarten verdrängen, sogar Störchen und Greifvögeln macht sie den Brutplatz streitig.
Das wurde kürzlich auch in Bad Liebenzell im Kreis Calw deutlich. Dort hatten aggressive Nilgänse am Kurparksee schon mehrfach für ein Drama gesorgt, unter anderem Entenküken getötet. Andernorts ist in Freibädern und an Badeseen der Ärger über den Kot der Vögel, der unter anderem Salmonellen enthält, groß.
Gänseproblem in Niederlanden
Der DJV fordert wegen der Ausbreitung der Nilgänse-Population eine bundesweite Bejagung nach einheitlichen Standards. Dies sei Teil eines Managements, um weitere ökologische und ökonomische Schäden nachhaltig zu verhindern.
Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, warum der Verband zu dieser Einschätzung kommt. „Vor zehn Jahren hatten wir ein riesiges Gänseproblem in den Niederlanden, verursacht durch ein komplettes Jagdverbot“, erinnert DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke.
Tiere haben Mühlheim verlassen
Zehntausende seien Tiere damals im Nachbarland zusammengetrieben und mit Gas getötet worden. Ihren Verbreitungsschwerpunkt hat die Nilgans laut den jetzt vorliegenden WILD-Daten im Nordwesten Deutschlands, etwa in Bremen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Von dort aus breitet sie sich nach Osten und Süden aus.
Bei einer repräsentative Umfrage des Meinungsinstituts Civey, an der mehr als 2500 Personen teilnahmen, gaben 80 Prozent an, die Jagd zur Bestandsregulierung von Tierarten als ethisch vertretbar zu sehen.
In Mühlheim ist der Einsatz eines Jägers samt Schusserlaubnis jedoch nicht nötig gewesen. Denn von vier Küken sei am vierten Tag keines mehr da gewesen, und auch die Elterntiere seien verschwunden, so Wezel.
Feuer frei
Nilgänse
gelten als „invasive Art“. Erwachsene Tiere dürften vom 1. August bis zum 15. Februar bejagt werden. Die Jungtiere dürften – mit Ausnahme der allgemeinen Schonzeit (16. Februar bis einschließlich 15. April) – immer gejagt werden.
Andere Gänsearten
werden in Baden-Württemberg ebenfalls bejagt, etwa Graugänse, Kanadagänse und Rostgänse.