Die dänische Sängerin Aura Dione bringt viel Temperament auf die Bühne Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Aura Dione tanzt, James Morrison spielt Gitarre und Anastacia singt das Cello: The Night of the Proms war in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle zu Gast.

Nicht lange dauert es, da drehen sich die Paare im Dreivierteltakt vor der Bühne, und der ganze Saal, mit allen Lichtern, die er finden kann, schwingt mit. Johann Strauss Jr., der Walzerkönig, steht auf dem Programm in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Dort wird am Dienstagabend The Night oft he Proms gefeiert, die Show, die ungemein erfolgreich seit mehr als 30 Jahren populäre und klassische Musik zusammenbringt. 8000 Menschen sind gekommen, um das mitzuerleben, und der kleine Ausflug nach Wien, den das Antwerp Philharmonic Orchestra so früh am Abend schon unternimmt, ist nur der erste unter vielen Höhepunkten, die sich schließlich zum mitreißenden Finale steigern.

 

Solist des Orchesters ist der US-amerikanische Cellist Nathan Chan – er spielt seine Version des „Liber Tango“, trommelt auf den Corpus seines Instrumentes, wird von Percussion begleitet. Chan wird viele Auftritte haben an diesem Abend; er gibt den Schwan aus Camille Saint-Saëns „Karneval der Tiere“ und ein Tänzer fliegt über die Bühne. Die größte Überraschung jedoch ist gekommen, als er ankündigt, nun das Stück eines deutschen Komponisten zu interpretieren – er beginnt ein langes Intro und plötzlich steht Anastacia neben ihm und singt, in englischer Version, den Udo Lindenberg-Hit „Cello“.

Die alten Zeiten sind wieder da

Der Chor Fine Fleur begleitet nicht nur viele Stücke – er hat auch einen eigenen Auftritt mit Billie Eilishs „Barbie“-Song „What was I made for?“. Camouflage sind Heiko Malle und Marcus Meyn aus Bietigheim. Sie feierten als Synthie-Pop-Band in den 1980er Jahren große Erfolge und sind wieder da: Sie wollen im neuen Jahr auf Tour gehen, am 22. Oktober im Wizemann auftreten, begleiteten The Night of Proms durch ganz Deutschland und reißen in Stuttgart nicht nur ihre Fans auf die Beine, mit den Hits „Love is a Shield“ und „The great Commandment“. Die Schleyerhalle tanzt dazu wie in guten alten Zeiten.

Die Schleyerhalle setzt sich aber auch wieder, um Antonín Dvořáks „Aus der neuen Welt“ zu lauschen, sie springt auf und klatscht den Takt mit bei Jacques Offenbachs „Can Can“, und sie lauscht ergriffen bei der Musik der Harry Potter Filme. Komponiert wurde diese Musik von John Williams – dessen Sohn, Joseph Williams, ist heute Sänger der Rockband Toto und steigt schließlich, spät am Abend, gemeinsam mit Gitarrist Steve Lukather aus dem Bühnenboden auf.

Zuvor brachte die dänische Sängerin Aura Dione viel Temperament auf die Bühne, tanzte mit rotem Kleid, roten Schuhen, später ganz ins Schwarz, und tauchte ein ins Publikum. Der britische Sänger James Morrison sang zur akustischen Gitarre, zuletzt auch Coolios „Gangstas Paradise“ – und Anastacia natürlich brachte, mit rauer Stimme und sprühendem Charme, ihre Hits.

„Rosanna“ und „Africa“ lassen die Stimmung in der Halle schließlich explodieren; Steve Lukather, ein Mann mit weißem Haar, greift todsicher in die Saiten. „I hold the Line“ bringt alle Gäste der Night of the Proms noch einmal auf die Bühne: Eine glamouröse Begegnung endet nach gut drei Stunden mit einer großen Party.