Der Neckar in Sulz hat deutlich „Wasser gelassen“. Was ist der Grund für den niedrigen Pegelstand? Foto: Daniel Schneider

Der Neckar bei Sulz hat deutlich weniger Wasser als sonst. Im Ausschuss Technik und Umwelt klärt Bürgermeister Jens Keucher über die Hintergründe auf.

Die Ergebnisse des kürzlich veröffentlichen Copernicus-Klimaberichts sind erschreckend. Europa heizt sich so schnell auf wie kein anderer Kontinent. In 95 Prozent der Regionen der europäischen Landfläche war die Jahrestemperatur überdurchschnittlich hoch, lautet die zentrale Botschaft der Wissenschaftler.

 

Auch die Folgen des Klimawandels verstärken sich demnach derzeit besonders schnell. Das heißt konkret: Die Rekord-Hitzewellen genauso wie extreme Stürme und Hochwasser, erläutert die Tagesschau in einem Beitrag. Vor einem Jahr warnte die Bundesanstalt für Gewässerkunde, dass die Pegel der deutschen Wasserstraßen auf einem für die Jahreszeit ungewöhnlich niedrigem Niveau liegen. So waren Elbe und Donau im Mai 2025 bereits akut von niedrigen Wasserständen betroffen.

Radweg im Fokus

Passanten, die in Sulz am Neckar entlanggehen, bietet sich ein ähnliches Bild. Breite Sandbänke sind von der Waldhornbrücke aus zu sehen, blickt man ans Ufer, sieht man, dass der Wasserpegel drastisch gefallen ist. Ist der Wassernotstand somit auch bei Optimist und Pessimist angekommen?

Im Ausschuss Technik und Umwelt gibt Bürgermeister Jens Keucher Entwarnung. „Der Neckar ist abgelassen worden“, spricht er die gezielte – und lange geplante – Maßnahme an. Denn der Grund liegt am Jugendzentrum. Genauer gesagt: unterhalb davon. Schäden an der dortigen Uferböschung hatten nämlich das daran vorbei führende Stück des Neckartal-Radwegs in Mitleidenschaft gezogen. Die Misere des gesperrten Streckenabschnitts besteht mittlerweile seit mehr als zwei Jahren.

Grabungen nötig

„Bei Maßnahmen an Gewässern erster Ordnung, wie die Uferböschung eine ist, liegt die Zuständigkeit beim Regierungspräsidium“, hatte Keucher schon im November vergangenen Jahres betont. Eigentlich hätten die Baumaßnahmen schon im September losgehen sollen. Aber weil die Firma, die mit der Baustelle beauftragt worden war, wegen anderer Aufträge nicht rechtzeitig beginnen konnte, kam der Oktober.

Der Bagger am Jugendzentrum in Sulz zeigt: Am Neckartal-Radweg wird gearbeitet. Foto: Daniel Schneider

Und damit die Fischruhe. Denn bei der Bach- und Flussforelle, die auch im Neckarabschnitt am Jugendzentrum vorkommt, ist das in Baden-Württemberg im Zeitraum zwischen 1. Oktober und 28. Februar der Fall. Somit lagen die Bauarbeiten erstmal „auf Eis“. Denn beim Radweg hätte man zuerst den Asphalt abtragen und dann graben müssen, um potenzielle Ausspülungen zu finden.

Durchgehender Verkehr

Und dazu muss eben der Neckar abgelassen werden. Abgesperrt ist der Radweg weiterhin, aber ein großer gelber Bagger ist ein sichtbares Zeichen, dass nach dem Ablassen des Wasserpegels mit den Arbeiten begonnen werden konnte. Für die Radfahrer, die den Neckartal-Radweg benutzen, und vielleicht auch die neue Lade- und Reparaturstation im Stadtpark in Anspruch nehmen, ändert sich bis zum Ende der Bauarbeiten wenig. „Die Umleitung ist für Fahrradfahrer ausgeschrieben“, erklärte Keucher.

Sind die Ausbesserungen vorgenommen, können die Radler direkt am Neckar ihren Weg Richtung Horb oder Oberndorf fortsetzen. Aber nicht nur die freizeitbegeisterten Sportler profitieren von der Maßnahme. Auch Reiner Wössner, Leiter Bereich Planen und Bauen, ist guter Dinge.

Fischreiche Region

Im Sommer 2024 war es zur Sanierung der Löwenbrücke gekommen, gab es dort doch etliche Betonschäden zu beheben. Allerdings kam man wegen des Wasserstandes eben nicht an alles ran – beispielsweise an die Widerlager, die den konstruktiven Abschluss der Brücke zum nachfolgenden Straßendamm bilden. Das ist dank der Absenkung des Neckars nun anders. Das heißt: Nicht nur der Neckartal-Radweg wird wie neu, auch die Löwenbrücke wird deutlich aufgehübscht.

Mit der Absenkung des Wasserpegels am Neckar werden auch Sanierungsmaßnahmen an der Löwenbrücke in Sulz möglich. Foto: Daniel Schneider

Und danach können sich sowohl die Sulzer Bürger wie auch die Fische wieder mehr Wassers im Neckar gewiss sein. Das sind nach dem Angel- und Naturschutzverein Sulz jedenfalls einige. Man habe „einen guten Fischbestand von Bachforellen, Äschen, Döbeln, Barben sowie auch Kleinfische wie Groppen, Elritzen, Gründlinge, Schneider und Schmerlen aufbauen“ können, klären die Fischer über das Getier im Wasser auf.