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Niedereschach "Wir sehen nicht länger tatenlos zu"

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Andreas Schleicher mit seinen Kindern und dem Auszubildenden Stefan Haas vor der Abfahrt vom Längentalhof am gestrigen Freitagnachmittag. Foto: Bantle Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Albert Bantle

Niedereschach/Dauchingen. Auch die Milchbauern rund um Niedereschach und Dauchingen sind sauer und nehmen an den laufenden Protestaktionen für höhere Milchpreise teil.

Am gestrigen Freitag starteten die Landwirte Andreas Schleicher aus Dauchingen, Claus Riedlinger aus Niedereschach, Toni Müller aus Fischbach, Armin Winterhalter aus Tannheim und Harald Käfer aus Brigachtal und viele weitere aus der Region zu Teilnahme an der bundesweit laufenden Protest-Staffelfahrt, die in München enden wird.

Zur geplanten Großkundgebung dort werden die Landwirte zusammen mit weiteren Berufskollegen, am Dienstag, 1. September, mit dem Bus nach München fahren. Ganz bewusst fuhren die Staffelfahrer nun über die Dörfer zu den Milchbauern, um diese abzuholen und bei der Bevölkerung Aufsehen zu erregen. Mit Traktorgespannen und selbst gestalteten Plakaten machten sie ihrem Ärger über den schlechten Milchpreis Luft. "Wir werden nicht länger tatenlos zusehen, wie Landwirtschaftsminister Schmidt und Kanzlerin Merkel alle Probleme am Milchmarkt aussitzen und dadurch unsere Höfe ruinieren. Wir machen uns auf den Weg und beteiligen uns an der Staffelfahrt des BDM", beschreiben Andreas Schleicher und seine Milchvieh haltenden Berufskollegen ihre Beweggründe.

Schleicher, er ist auch Kreis-Teamleiter des BDM und stellvertretender BDM-Landesvorsitzender in Baden–Württemberg, und seine Landwirtekollegen sind mit Blick auf die dritte Milchkrise innerhalb von sechs Jahren nicht gut auf Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt und Bundeskanzlerin Merkel zu sprechen. Die Milchkrise, so Schleicher, verursache erneut Milliardenverluste, und die Verlierer seien auch die ländlichen Regionen. Nach 2009 und 2012 befinde sich der Milchmarkt 2015 in einer weiteren, sehr schweren Krise. Die Preise für Milchprodukte seien auf globaler Ebene auf ein historisches Tief gestürzt. In der Folge sei aktuell schon ein Milchpreisrückgang um über 13 Cent je Kilogramm Milch gegenüber Dezember 2013 eingetreten. Im Bundesdurchschnitt liege der Milchpreis bei nur noch rund 28 Cent je Liter, Tendenz fallend. Ein Ende der Talfahrt sei noch nicht absehbar. Das Niveau der Milcherzeugungskosten hingegen liege im Bundesdurchschnitt auf Basis der INLB-Daten weiter bei rund 45 Cent je Kilogramm.

Nach veröffentlichten Daten von Landwirtschaftskammern brauchen auch "gut geführte" Milchviehbetriebe zur Kostendeckung mindestens 41 Cent pro Liter, so Schleicher. Bei einer Vollkostenkalkulation, den eigenen Lohn also eingerechnet, wären es sogar 48 Cent. Hochgerechnet auf die deutsche Milcherzeugungsmenge ergebe das für die deutschen Milchviehhalter einen jährlichen Verlust von über vier Milliarden Euro, auf EU-Ebene sogar fast 20 Milliarden Euro. Geld, das die Milchviehhalter nicht in ihre Betriebe und damit im ländlichen Raum investieren können. Die Profiteure seien ausschließlich die Konzerne der Ernährungsindustrie, so Schleicher.

"Ich will in aller Deutlichkeit festhalten: Durch die Milchmarktkrisen entstehen für alle Milchviehbetriebe immense Wertschöpfungsverluste", so Schleicher. Von den im dreijährigen Zyklus wiederkehrenden Milchmarktkrisen seien vor allem die Milchviehbetriebe betroffen, die sich kontinuierlich weiterentwickelt haben und die zukunftsgerichtet planen. Es dürfe nicht vergessen werden, dass Investitionen in tier- und umweltgerechte moderne Milchviehhaltungen äußerst kapitalintensiv sind, so Schleicher, der selbst jüngst in einen Wohlfühlstall investiert hat.

Bei vielen Milchbauern in ganz Deutschland liegen mittlerweile die Nerven blank, so Schleicher. Die Milchpreise seien derart niedrig, dass vielen Milchviehaltern momentan nur noch der Weg zur Bank bleibe, um überhaupt zahlungsfähig zu bleiben.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) hat vom 24. August bis 1. September eine Staffelfahrt in vier Routen durch ganz Deutschland organisiert, um über die katastrophale Situation zu informieren. Die Staffelfahrt endet am 1. September in München mit einer großen Kundgebung.

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Cornelia Spitz

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