Auf dem Grundstück des Reinigungsunternehmens Picobello sollen zwei Mehrfamilienhäuser entstehen. Die Tannen entlang der Eschach müssen dafür abgeholzt werden. Das stößt auf Widerstand seitens der Anwohner.Foto: Neß Foto: Schwarzwälder Bote

Kritik: Anwohner sind über geplante Mehrfamilienhäuser verärgert und wünschen sich Alternative

Für die Anwohner am Ortseingang von Niedereschach ist das dort geplante Bauprojekt eines Investors ein Alptraum. Doch ihr Anliegen werde, so ihre Kritik, von der Gemeinde nicht gehört. "Man ist mundtot gemacht worden", meint eine Anwohnerin.

Niedereschach. Bereits in der Gemeinderatssitzung sorgte das geplante Bauprojekt am Ortseingang von Niedereschach für Aufruhr. Es war der letzte Punkt auf der Tagesordnung, zu Beginn konnten sich die Bürger dazu äußern, doch wirklich angehört worden seien sie nicht. Ihre Vorschläge seien schlichtweg übergangen worden, so die Anwohner. "Man ist mundtot gemacht worden", erklärt eine Nachbarin frustriert, sie wohne unmittelbar gegenüber des neuen Bauprojekts. Der Bauvoranfrage wurde im Gemeinderat mehrheitlich zugestimmt.

Höhe ein Dorn im Auge

Geplant auf dem Grundstück des Reinigungsunternehmens Picobello in der Villinger Straße sind zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 42 Wohnungen und einer Tiefgarage. Der zweiteilige Gebäudekomplex soll in etwa eine Gesamtlänge von 90 Metern und eine Gebäudetiefe von 18 Metern haben. Doch das Projekt stößt auf Widerstand seitens der Anwohner.

Vor allem die Gebäudehöhe von etwa zwölf Metern sorgt für Fassungslosigkeit. Die 30 Jahre alten Tannen, die derzeit entlang der Eschach wachsen und als Sichtschutz zur Straße dienen, sollen abgeholzt werden. Die 18 Balkone des Neubaus werden dann in Richtung der Nachbarn ragen, von Privatsphäre sei da keine Spur mehr. "Wir gucken dann auf einen Betonklotz", so die Familie Lieb. Darüber hinaus würden die Tannen die Uferzonen stabilisieren, erklärt Sandra Häfner. Wie sich das Fehlen der Bäume dann womöglich auf die Eschach auswirken werde, sorgt ebenfalls für Unruhe.

Unverständlich für die Anwohner ist auch die Zielgruppe, für die die neuen Wohnungen gebaut werden soll. Bürgermeister Martin Ragg habe an junge Familien gedacht, doch Ilona Göttel stellt sich die Frage: "Welche Familie soll in eine 45-Quadratmeter-Wohnung ziehen?". "Wir hätten uns gewünscht, dass unser Bürgermeister sich ein Beispiel an der Gemeinde Dauchingen nimmt, die nicht mehr bereit ist, die innerörtliche Nachverdichtung hinzunehmen", machen die Anwohner klar. Problematisch für Ilona Göttel und ihren Mann Klaus Göttel, sei außerdem die Tiefgarage, denn deren Abluftsystem soll in Zukunft in Richtung ihres Grundstücks zeigen.

Ein Problem sehen die Anwohner außerdem in den Folgen des Neubaus für die Infrastruktur im Bereich der Villinger Straße. Durch die geplanten Mehrfamilienhäuser kämen weitere Ausfahrten hinzu, obwohl auf der Straße ohnehin schon reger Verkehr herrsche. Vor allem in den Morgenstunden staue es sich hier durch den Schulbetrieb zurück. Weitere Ausfahrten würden die Verkehrsproblematik auf der ohnehin zu engen Straße verschlimmern.

Eine Sache machen die Anlieger im Laufe des Gesprächs mit dem Schwarzwälder Boten immer wieder deutlich: "Wir haben nichts dagegen, dass etwas gebaut wird." Viel mehr gehe es darum, was gebaut werde. Der Vorschlag eines Gemeinderats, am Ortseingang ein Ärztehaus mit einem Aufzug zu errichten, das insbesondere dann auch von den älteren Niedereschachern genutzt werden könne, sei eine gute Idee gewesen. Vorstellen könnten sich die Anwohner auch eine ganze Reihe von Einfamilienhäusern entlang der Straße, die anders als der geplante Gebäudekomplex ins Bild der Gemeinde passen würde. "Man geht null auf Alternativen ein", zeigt sich Ilona Göttel frustriert.

Auch Hans-Joachim Angenendts Vorschlag, einen innerörtlichen Bebauungsplan zu erstellen, habe man von Seiten des Rathauses abgelehnt. Das sei zu viel Arbeit, habe es geheißen.

Der Bauherr möchte sich zu dem Projekt und der Kritik der Anwohner nicht äußern.