Nico Willig (rechts) gibt Anweisungen an Linksverteidiger Leny Meyer. Mit seinen 21 Jahren gehört dieser sogar zu den „älteren“ Spielern im Kader des VfB Stuttgart II. Foto: Eibner-Pressefoto

Nico Willig hat mit unserer Redaktion über die Entwicklung seiner Schützlinge, die Liga im allgemeinen, Jugend und Erfahrung sowie die TSG Balingen gesprochen.

16 Spieltage sind in der 3. Liga bisher absolviert: Die vom Balinger Nico Willig trainierte U21 des VfB Stuttgart hat bereits 25 Punkte gesammelt. Wir haben mit dem 44-Jährigen ausführlich über die bisherige Saison gesprochen.

 

Hallo Herr Willig, am Sonntag hat Ihre Mannschaft gegen Havelse mit 2:1 gewonnen: Im Kreis nach dem Spiel haben Sie ihre Mütze vom Kopf gehoben, wollten Sie damit den „Hut vor der Mannschaft ziehen“?

Ich habe tatsächlich versucht zu zeigen, dass ich in den letzten 30 Minuten das ein oder andere graue Haar verloren habe (lacht). Es war ein verdienter Zittersieg. Wir haben es 60 Minuten lang trotz schwierigster Bedingungen sehr gut gemacht, sind dann massiv unter Druck geraten, aber haben das 2:1 ins Ziel gerettet.

Gute Schritte

Sind gerade solche Siege für eine junge Mannschaft umso wichtiger?

Das sind wichtige Momente für die Jungs, keine Frage. Es hat aber auch etwas mit Glück zu tun. Vergangene Woche in Aue hatten wir ein ähnliches Spiel, da waren wir näher am Sieg, es blieb beim 0:0. Bei der Partie in Regensburg war es total ausgeglichen, da hat der Gegner den ’Lucky Punch’ gesetzt. Das gleicht sich vermutlich über eine Saison auch aus.

In diesem Jahr stehen nun noch Duelle mit Essen (bereits diesen Freitag), Rostock und Osnabrück an: Haben Sie hierfür eine Wunschpunktzahl?

Das sind richtig starke Mannschaften. Unser Ziel ist natürlich, auch mal eines dieser Teams zu ärgern. Wir wollen die Jungs auf das nächste Level kriegen, weil sie ja auch alle über die 3. Liga hinaus wollen.

Sie hatten eine sehr schwierige Vorbereitung im Sommer: Wie zufrieden sind Sie daher mit den bisherigen 25 Punkten?

Diese Vorbereitung konnte man eigentlich nicht Vorbereitung nennen. Viele Spieler waren bei der 1. Mannschaft, was auch Sinn und Zweck ist. Die Jungs waren also schon vorbereitet, wir als Gruppe nicht. Bereits am 1. Spieltag in Duisburg haben wir es aber gut gemacht und dann auch in der Folge gepunktet. Wir wollen mit einer möglichst jungen Mannschaft konkurrenzfähig sein, das gelingt uns bisher.

Lob für Florian Hellstern

Wo sehen Sie die größten Entwicklungsschritte?

Zu Beginn haben wir durchaus auch glücklich gepunktet. Alle relevanten Daten haben sich aber verbessert. Wir geben mehr Torschüsse ab, lassen weniger zu und entwickeln uns. Unser Torhüter Florian Hellstern war zum Beispiel in Duisburg noch wacklig, stand am 4. Spieltag in der ’Kicker-Elf des Tages’ und nun am Wochenende bereits zum dritten Mal. Die Jungs müssen sie da einfach frei schwimmen, und das tun sie.

Sie sprechen Florian Hellstern an: Er ist 18 Jahre alt und dürfte noch in der U19 spielen. Was braucht es, um in so einem jungen Alter die Schlüsselposition als Torhüter auszufüllen?

Talent, aber auch Persönlichkeit.Er hat eine gute Ausstrahlung, ist selbstkritisch, aber auch selbstbewusst. In Aue sind insgesamt drei Spieler in der Startelf gestanden, die noch U19 spielen dürften. Das sind positive Dinge.

Wie wichtig sind trotz allem auch die „Stützen“ im Kader wie Dominik Nothnagel oder Nicolas Sessa?

Diese Spieler bringen in gewissen Situationen eine andere Ruhe auf den Platz. Zu Saisonbeginn hatten wir oft drei Ü23-Spieler auf dem Platz, dann waren es immer mal wieder drei, jedoch mit Unterstützung von den Profis. In Aue war es nun einer, gegen Havelse zwei, wir versuchen schon es nicht immer komplett auszuschöpfen.

Zwischen Erfahrung und Jugend

Sie sprechen die Unterstützung von „oben“ an. Inwieweit ändert sich auch Ihre Rolle, wenn sie beispielsweise einen Dan-Axel Zagadou anstelle von Max Herwerth auf dem Platz haben?

Im Spiel muss man solchen Akteuren nicht mehr viel sagen. Die Spieler aus der 1. Mannschaft kommen ja aber auch aus Gründen zu uns, und sind in dem Moment weit weg von ihrem Top-Level. Das Ziel ist, das sie einen guten Zustand erlangen. Natürlich haben sie aber auch einen ganzen Rucksack an Erfahrung. Es gilt sie mit einfachen Aufgaben zu integrieren, weil sie natürlich keine Bindung zur Gruppe haben.

Wie läuft der Austausch mit Sebastian Hoeneß und der 1. Mannschaft?

Gut, aber hauptsächlich über die Co- und Übergangstrainer. Wir bekommen die Infos, welche wir Spieler wir einsetzen sollen und machen das dann.

Tolle Auswärtsspiele

Wie viel Spaß macht Ihnen die Arbeit in der 3. Liga und wo liegen eventuelle Unterschiede zum Jugendbereich?

Der Rahmen ist ein ganz anderer. Unsere Heimspiele sind mangels der Zuschauerresonanz ähnlich wie in der U19. Es gibt aber besondere Auswärtsspiele in coolen Stadien, wie auch am Freitag in Essen. Ansonsten ist alles wesentlich ergebnisdominanter, man spürt in vielen anderen Vereinen den Druck. Ich bin da sicher als Trainer einer 2. Mannschaft etwas privilegiert, dass mein Stuhl nicht permanent wackelt.

Die Liga ist wie in den vergangenen Jahren sehr ausgeglichen: Welche Teams haben Ihnen besonders gut gefallen?

In Cottbus waren wir komplett chancenlos, da war auch der Spielverlauf sehr unglücklich. Ansonsten bin ich sehr angetan vom SC Verl, die einen sehr attraktiven und spielerischen Ansatz haben.

TSG Balingen im Blick

Die 3. Liga beeinflusst ja gewissermaßen auch die Regionalliga Südwest, in welcher die TSG Balingen spielt. Wie verfolgen Sie das dortige Geschehen?

Ich habe es mehrmals überprüft, konnte aber noch kein Spiel diese Saison schauen. Ich befürchte, dass ihr aktueller Platz nicht für den Klassenerhalt reichen würde und hoffe, sie klettern noch in der Tabelle. Man muss aber auch sagen, dass es einfach ein Ritt auf der Rasierklinge ist, das ist wie bei uns mit der 3. Liga. Gegen die ganzen Profi-Vereine zu bestehen, das ist immer haarscharf und wenn es dann wirklich mehr Absteiger geben sollte, erhöht sich natürlich die Wahrscheinlichkeit.