Ein Mittagsschläfchen kann helfen, neue Energie für den Rest des Tages zu schöpfen. Foto:  

Müdigkeit am Nachmittag kann jeden überkommen. Französische Forscher haben nun herausgefunden, dass ein Nickerchen Menschen nicht nur ausgeruhter, sondern auch ideenreicher werden lässt.

Stuttgart - Kind müsste man sein – und mittags einfach mal schnell wegdämmern dürfen, dem Körper und vor allem dem durch Informationen und Eindrücke überfluteten Gehirn eine kurze Erholungspause gönnen. Doch was bei kleinen Kindern akzeptiert, bestenfalls erwünscht wird, ist beim Rest der Gesellschaft in unserem Kulturkreis verpönt. Wer tagsüber ein Nickerchen macht, gilt als undiszipliniert. Dabei haben längst zahlreiche Studien belegt, dass ein Formtief nach der ersten Tageshälfte normal und eine kurze Ruhephase der beste Weg ist, dieses zu überwinden. Aber nicht nur das: So haben Schlafforscher der Pariser Sorbonne Université nun herausgefunden, dass ein Nickerchen wie ein Kreativitätsbooster wirken kann. Vorausgesetzt, es handelt sich dabei um einen Minischlaf.

 

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Wichtig ist nämlich, nur den Übergang vom Wachen zum Schlafen auszunutzen – und die Menschen innerhalb dieser Einschlafphase wieder aufwachen zu lassen. In diesen wenigen Minuten des Wegdämmerns komme es zu spontanen, traumähnlichen Erfahrungen, in die kürzlich Erlebtes auf sehr kreative Art eingearbeitet ist, schreiben die Forscher um die Studienleiterin Delphine Oudiette im Fachmagazin „Science“. Diese Eindrücke könnten „kreative Funken entzünden“ und neue Ideen fördern.

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Um dieses Kreativitätsoptimum auszunutzen, bevor der tiefere Schlaf diesen Effekt wieder zunichtemacht, ließen die Forscher ihre Probanden mit einer Flasche in der Hand wegdämmern. Diese fiel zu Boden, sobald sich deren Muskeln zu sehr entspannten – und weckten die Teilnehmer wieder auf. Anhand eines komplexen mathematischen Zahlenrätsels, dem ein bestimmtes Muster zugrunde gelegt ist, versuchten die Forscher herauszufinden, wie sich der Minischlaf auf die kognitiven Leistungen auswirkte. Tatsächlich waren die Teilnehmer, die aus der Einschlafphase herausgerissen wurden, dreimal besser im Herausfinden der Lösung als diese, die wach geblieben waren. „Methoden, die Menschen während der Einschlafphase aufwachen lassen, haben das Potenzial, als Kreativitätsbooster zu wirken“, so Oudiette. Allerdings kommt dieser nicht unbedingt direkt nach dem Aufwachen: So zeigte die Studie, dass dieser Heureka-Moment erst eine gewisse Zeitspanne danach auftaucht – wenn der Organismus wieder hochgefahren ist.

Mittagsschlaf – ein Erbe aus der Steinzeit

Aber warum werden viele Menschen mittags müde? Tatsächlich ist das Bedürfnis kein Zufall: Der Rhythmus stammt noch aus den Zeiten der Jäger und Sammler, die sich mittags eine Ruhe gönnten, um dem Körper nicht zu viel Energie zu entziehen. Dieses steinzeitliche Erbe hat sich in den Genen verfestigt und lässt die Menschen daher nach der Wachphase am Vormittag in ein Leistungstief am frühen Nachmittag rutschen, bevor das Aktivitätslevel nochmals ansteigt. Auch wer nicht unbedingt einen Kreativschub braucht, sondern sich einfach ausgeruht wieder an die Arbeit machen möchte, sollte sich 20 bis 30 Minuten hinlegen. Der kurze Schlummer ist ideal, um neue Energie für den Rest des Tages zu schöpfen.