Die Teilfortschreibung des Regionalplans zeigt, wo sich in der südlichen Ortenau künftig weitere Windräder drehen könnten. Unser Bild zeigt die Anlage auf dem Kallenwald bei Seelbach. Foto: Badenova

Nicht nur in den Höhenlagen, auch etwa im Ried sieht der Regionalverband aktuell Vorranggebiete vor. Die Fortschreibung des Plans geht in Runde zwei.

1,8 Prozent der Fläche Baden-Württembergs sollen als sogenannte Vorranggebiete für Windkraft ausgewiesen werden. In der südlichen Ortenau wird nun immer konkreter, welche Bereiche dafür in Frage kommen. Zuständig ist der Regionalverband Südlicher Oberrhein. Ein erster Plan wurde 2024 offengelegt, die Kommunen sollten Stellung nehmen. Auf die Anmerkungen hat der Regionalverband reagiert und einen neuen Plan erarbeitet. Die (nicht) vorgenommenen Änderungen haben Auswirkungen auf konkrete Projekte.

 

Lahr:
Die Wünsche der Stadt Lahr wurden vom Regionalverband nur zum Teil erfüllt. Die Vorrangfläche auf dem Eichberg bei Reichenbach wurde gestrichen. Hier wäre eine „wesentliche Unterbrechung der Sicht auf die landschaftsprägende Ruine der Burg Hohengeroldseck entstanden“, freut man sich im Rathaus auf Anfrage unserer Redaktion über das Vorgehen.

Man hätte jedoch befürwortet, dass die Fläche „Detschel“ nördlich von Schmieheim, Gemarkung Kippenheimweiler, aufgenommen wird. Dort plant die Stadt bekanntlich mit dem E-Werk ein Windrad. Der Zeitlauf für die Teilfortschreibung des Regionalplans war jedoch „nicht im erforderlichen Maß mit dem Genehmigungsverfahren und der Unterlagenerstellung für die Windkraftanlage auf dem Detschel synchronisierbar.“

Was bedeutet das nun? Es bedarf eine klassischen Genehmigung, so die Stadt. Die Unterlagen seien bereits beim Landratsamt eingereicht, man hoffe auf schnelle Bearbeitung. Aufgrund einer gemeinsamen Netzanschlussplanung mit anderen Windprojekten ist mit einer Inbetriebnahme frühestens ab den Jahren 2028 oder 2029 zu rechnen.

Auf dem Langenhard wiederum, wo neben den bestehenden Anlagen zwei neue Windräder geplant sind, seien die Genehmigungsunterlagen in Vorbereitung. Sie werden spätestens Anfang 2027 eingereicht, so die Stadt. Das Gebiet ist weiterhin Vorrangfläche.

Und im Ernet? Hier hatte sich die Stadt wie auf dem Detschel für eine Aufnahme als Vorranggebiet ausgesprochen, auch wenn noch kein Windkraft-Projekt konkret in Planung ist. Die Stadtverwaltung stuft den Ernet jedoch als „Potenzialbereich“ ein, heißt es. Man werde daher – nach aktuellem Sachstand und Entscheidungslage – zu einem späteren Zeitpunkt in nachfolgenden Verfahren wieder versuchen, diese Fläche in den Regionalplan einzubringen. Man werde in der zweiten Offenlage erneut Stellung nehmen, so die Stadt.

Schuttertal: Besonders vehement sind die Gemeinden Seelbach und Schuttertal gegen die neu geplanten Vorranggebiete vorgegangen. Die Gemeinden sorgen sich vor der optischen Wirkung der Anlagen, sind der Ansicht, dass sie mit den bestehenden Anlagen bereits eines großen Beitrag zur Energiewende geleistet haben.

In der ersten Offenlage haben sie Teilerfolge erzielt: Ortsnahe Flächen westlich von Seelbach und Wittelbach entfallen aufgrund des visuellen Überlastungsschutzes, ebenso die Flächen östlich und südlich von Dörlinbach. Das Gebiet am Kambacher Eck, wo bereits vier Windräder stehen, wurde verkleinert.

Geblieben sind – zum Unmut Schuttertals, wie Bürgermeister Matthias Litterst bereits verkündete – unter anderem zwei Flächen östlich von Schweighausen und eine Fläche auf dem Streitberg südlich des bestehenden Windparks Südliche Ortenau.

Ringsheim und Kappel-Grafenhausen: Diese Fläche ist besonders brisant, denn dort treiben Ringsheim und Kappel-Grafenhausen aktuell konkrete Planungen voran. Gemeinsam mit dem Energieversorger Badenova wollen sie bis zu vier neue Windräder errichten.

Schuttertals Rathauschef hatte zuletzt beim Frühlingsempfang an die beiden Gemeinden appelliert, nicht gegen des Willen Schuttertals zu planen, Ringsheims Bürgermeister Pascal Weber hatte bereits im Januar im Gespräch mit unserer Redaktion angekündigt, das Gespräch mit Schuttertal zu suchen.

Der Regionalverband teilt dazu mit, dass in diesem Bereich „aufgrund des öffentlichen Interesses am Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien und ihrer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit und Sicherheit“ die Gesichtspunkte für eine Festlegung als Vorranggebiet überwiegen.

Neuried: Eine spannende Fläche ist ein Vorranggebiet östlich von Ichenheim und Dundenheim – also in der Ebene. Werden hier einmal Windräder entstehen? „Ich kann es mir aktuell nicht vorstellen“, sagt Neurieds Bürgermeister Tobias Uhrich im Gespräch mit unserer Redaktion. Auch hier blase zwar „ordentlich Wind“, die Energieunternehmen würden jedoch auf die wirtschaftlich attraktiveren Standorte in den Höhenlagen setzen. Es sei kein Projekt in Planung, so Uhrich, der auch auf die Höhe moderner Anlagen von bis zu 250 Metern verweist. „Man würde sie in der Ebene von überall sehen.“

Das sind Vorranggebiete

Die Ausweisungen von Vorranggebieten für Windräder soll dazu dienen, die Genehmigung für die Anlagen zu beschleunigen, da entsprechende Voruntersuchungen bereits getätigt wurden. Außerdem wird der Bereich für Windkraft freigehalten, heißt eine andere Nutzung ist nicht zulässig. Windräder können jedoch weiterhin außerhalb diese Gebiete bei entsprechender Eignung zugelassen werden.