Die Rückkehr der Testzentren, Impfpflicht, Coronaleugner, Intensivbetten, Novak Djokovic – bei der Berichterstattung rund um Corona vermisst die Schramberger Heilpraktikerin Claudia Ginter die Antwort auf die Frage: "Was kann ich für mich tun, wenn...?"
Schramberg - Sie habe das Gefühl, dass viele Leute vor dem Hintergrund von stets thematisierten Aspekten wie der hohen Intensivbettenbelegung große Angst vor einer Corona-Erkrankung haben, sagt Claudia Ginter. Dieses Virus "darf man keinesfalls unterschätzen", betont sie. "Ich glaube, dass viele sich wohler fühlen würden, wenn sie wüssten, wie sie bei einer viralen oder bakteriellen Infektion – also nicht nur Corona – ergänzend zur klassischen schulmedizinischen Behandlung ihren Körper und ihr Immunsystem unterstützen können", erklärt Ginter, weshalb sie sich an unsere Redaktion gewandt hat.
Keine Behandlung – nur Linderung
Die Heilpraktikerin betont sofort, dass sie keine "alternativen Behandlungsmethoden" für Covid-19 aufzeigen möchte. Die Coronavirus-Krankheit falle wie auch eine Influenza-Infektion unter die meldepflichtigen Krankheiten nach Paragraf 6 des Infektionsschutzgesetzes. "Die Behandlung ist ganz klar eine Sache von Ärzten. Und die Prävention ist eine Sache der Impfung", sagt Ginter ausdrücklich.
Doch: Komme es zu einer Erkrankung, reagierten viele völlig verunsichert – Ginter nimmt als Beispiel das Fieber, ein typisches Infektions-Symptom. "Viele geben sich, kaum haben sie erhöhte Temperatur, gleich ein Fieberzäpfchen. Man kann erst mal froh sein, dass der eigene Körper ein Fieber zur aktiven Infektbekämpfung produzieren kann", sagt sie. Das müsse bei Risikogruppen, älteren oder chronisch erkrankten Personen selbstverständlich gesondert betrachtet werden. "Aber ein gesunder Mensch verträgt ein Fieber mal ein paar Tage lang."
Corona ist "aggressiver Bruder"
Es gebe durchaus Studien dazu, erklärt Jürgen Winter als Sprecher der Schramberger Ärzte zu diesem Thema, dass ein Fieber eine hemmende Wirkung auf die Virusvermehrung im Körper habe – so seien Infektionen bei einigen Probanden beispielsweise etwas zeitiger durchgestanden gewesen. Fiebersenkende Mittel hätten, erklärt Winter, jedoch zusätzlich schmerzlindernde Wirkung. "Wenn also ein schlechtes Allgemeinbefinden wie Kopf- oder Gliederschmerzen hinzukommt, darf mit reinstem Gewissen zum Medikament gegriffen werden." Reflexartig und nur um des Fiebersenkens Willen, sagt Winter, sei es aber durchaus nicht immer gleich nötig. Konkrete Körpertemperatur-Zahlen für den Griff zur Schulmedizin könne er nicht nennen, das hänge eben von ganz individuellen Einschätzungen zum Wohlbefinden ab.
Bezüglich einer Corona-Infektion sagt Winter ganz klar: "Glücklicherweise haben wir durch die Impfungen viele leichte Verläufe. Wenn Patienten diese zuhause auskurieren, dürfen sie natürlich ebenso zu Hausmitteln zur Linderung greifen, wie bei anderen Infektionen." Das Coronavirus sei aber nun mal ein "aggressiver Bruder" bekannter Viren, weshalb er rate, "lieber einmal mehr Kontakt zu einem Arzt aufzunehmen und über den Krankheitsverlauf zu sprechen als sonst".
Viele Vorteile, wenn man’s kann
Um seinen Körper natürlich zu unterstützen, geraten laut Claudia Ginter "leider einige Hausmittel immer mehr in Vergessenheit". Für diese wieder sensibel zu machen, sei ihr Ziel. Das gelte nicht nur für einen selbst: "Wer krank ist, hat vielleicht nicht die größte Lust, sich Wadenwickel zu machen. Aber eine kranke Person aus dem eigenen Haushalt freut sich immer, wenn sie gepflegt wird."
Die Heilpraktikerin sieht noch einige weitere Nutzen darin, auf Hausmittel zurückzugreifen: "Wer sich zuhause einen Wadenwickel macht oder einen Zwiebelsaft gegen Husten kocht, hat sich beschäftigt und die Zeit nicht nur mit Nachdenken über das eigene Kranksein verbracht. Zum anderen ist man auch stolz auf sich, dass man im Angesicht einer Krankheit selbst aktiv gehandelt hat. Vor allem, wenn die Linderung der Symptome dann eintritt", ist Ginter überzeugt.
Dazu: richtige Ernährung
Ein wichtiger Aspekt beim Erkältungsinfekt ist die Ernährung. Wie auch bei den Hausmittel-Tipps gilt: Im Zweifel immer zuerst den Arzt fragen.
"Ich weiß, dass es wohltuend sein kann, einen Joghurt zu essen. Auch den Rat ›Trink’ wenigstens einen Kakao, dass du was im Körper hast, wenn du schon nichts essen kannst‹ kennen sicher viele." Aber Milchprodukte, genauso wie Bananen, wirkten etwa nach der chinesischen Erfahrungsheilkunde "schleimbegünstigend". Bei bereits "verrotzten Personen" verstärken solche Lebensmittel den Zustand also noch, so die Heilpraktikerin. Alternativ gebe es viele schleimlösende Kräutertees in der Apotheke.
Dass der Körper in der Akutphase keinen Appetit hat, mache Sinn. Aufwändige Verdauungsarbeit würde den Körper schwächen, weil er seine Energie zur Infektbekämpfung mobilisiert. "Also ist es sinnvoll mit leichter, dem Körper mit vitaminreicher Kost wie frisch gekochtem Obstkompott, Hafer- oder Dinkelflockenbrei beziehungsweise Porridge (ohne Milchzubereitung) die notwendige Energie ohne Verdauungsbelastung zukommen zu lassen." Dabei könne ein zusätzliches hochwertiges Vitamin-C- und Zinkpräparat sinnvoll sein, um die Abwehrleistung des Körpers zu unterstützen, der nun viele Nährstoffe verbraucht. "Die Apotheke berät hierzu noch genauer." Reichlich Flüssigkeit in Form von Kräutertees, verdünnten Saftschorlen oder Wasser sei unabdingbar, vor allem bei Fiebernden. "Bei Herz- oder Nierenkranken sollte die Trinkmenge mit dem Arzt abgesprochen werden", sagt Ginter.
Die folgenden Tipps basieren auf Erfahrungswerten und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.
Haushaltsmittel-Tipp 1: rund um den Wickel
■ Heiße Wickel führen Wärme zu, wirken entkrampfend und durchblutungsfördernd. Die Sauerstoffzufuhr und der Abtransport von Lymphe werden angeregt. Kalte Wickel regen durch Gefäßverengung und später -entspannung Kreislauf sowie Stoffwechsel an. Wickel eignen sich nicht, wenn der Kranke friert oder gar Schüttelfrost hat, bei Durchblutungsstörungen, bei Diabetikern oder bei Bewusstseinseinschränkungen.
■ Bei Wadenwickeln zur Fiebersenkung wird ein mehrfach in Längsrichtung zusammengefaltetes Leinentuch in kaltes Wasser getaucht – ein Schuss Essig oder Zitronensaft kann zugesetzt werden. Gut auswringen und glatt gestrichen um Unterschenkel beider Beine wickeln, darüber ein trockenes Leinentuch und darum ein Wolltuch legen. Nach etwa einer halben Stunde abnehmen. Im Akutfall nach etwa einer Stunde wiederholen.
■ Für Schweineschmalzwickel bei krampfartigem Husten Schweineschmalz in einer Pfanne erwärmen und darin klein geschnittene Zwiebeln dämpfen. Das Gemisch so warm wie verträglich auf der Brust auftragen. Darüber ein kleines Handtuch und anschließend Wolltuch. Zum Befestigen ein enges Unterhemd tragen. Über Nacht belassen.
■ Bei Husten und Bronchitis, aber auch chronischen Rückenschmerzen ein Kartoffelwickel: Etwa fünf mittelgroße Kartoffeln weich kochen. Auf die Mitte eines Geschirrtuchs geben, dass vorher mit Küchenkrepp belegt wurde. Für Brustwickel das Tuch so einschlagen, dass ein etwa 20 mal 20 Zentimeter großes Päckchen entsteht. Für Halswickel die Kartoffelmasse einrollen. Die Kartoffeln vorsichtig zerdrücken. Temperatur auf der Arminnenseite überprüfen! Mit einem Schal fixieren. Entfernen, wenn der Wickel nicht mehr warm ist.
Haushaltsmittel-Tipp 2: Aromatherapie
■ Weg eins: Raumluft. Ätherisches Fichten- oder Zirbenöl, gemischt mit Zitrusölen in Bio-Qualität wie Zitrone, verbessern das Raumklima und erleichtern das Durchatmen. Das funktioniert mit dem klassischen Teelicht-Duftlämpchen oder einem modernen Kaltwasservernebler. Die Raumluft wird zudem desinfiziert – prima auch für Büros, Klassen- oder Besprechungszimmer.
■ Weg zwei: Inhalieren. Ein bis zwei Tropfen ätherisches Nadelöl in eine Schüssel mit zwei Liter heißem Wasser geben. Kopf über die Schale halten, mit Handtuch zudecken. Etwa zehn Minuten inhalieren. Nicht bei Kleinkindern bis sechs Jahren. Alternativ: Kamillenblüten- oder Thymianblätter-Extrakt ins Gesichtsdampfbad nehmen.
Haushaltsmittel-Tipp 3: Infekt stoppen mit der "Streichelschnecke"
Beim ersten Anflug einer Erkältung einen halben Teelöffel Olivenöl oder Johanniskrautöl mit zwei Tropfen ätherischem Angelikawurzelöl mischen. Diese Mischung im Nacken, zwischen dem sechsten und siebten Halswirbel, in einer kreisenden Bewegung (wie eine Schnecke) auftragen und einen Schal darüber legen.
Präventions-Tipp 1: Galgant in Himbeerwasser
Ein Mittel zur Steigerung der Abwehrkraft (Prophylaktikum) bei grippalem Infekt, zur Behandlung bei Erkältungskrankheiten oder bei Fieber. Einen Schuss Himbeersirup in ein Glas Wasser geben und mit einer bis drei Messerspitzen Galgantpulver oder zwei Galganttabletten verrühren. Frisch gepressten Saft einer Zitrone zufügen. Einmal täglich von der Herbstzeit bis in den Frühling hinein trinken, bei einer bereits eingetretenen Erkältung drei Mal täglich.
Präventions-Tipp 2: Barfußlaufen nach Kneipp
Morgens vor der Arbeit zuerst die Fuße aufwärmen, trockene Socken und Schuhe bereithalten und dann raus auf die Wiese und zwei bis drei Minuten über den frischen Tau oder gar Schnee gehen. Das kurbelt den Kreislauf an. Auch im Anschluss in Bewegung bleiben, dass die Füße bald wieder warm sind. Vorsicht bei Erkrankungen der Nieren, des kleinen Beckens und bei Nervenstörungen – vorher Arzt konsultieren.