aniel Kloppe (links) und Tim Messner können nicht nur den neuen Defibrillator am Blumenhaus Messner, nutzen, um Leben zu retten, sondern auch die Lebensretter-App. Foto: Reinhard

Bleibt das Herz stehen, entscheiden Sekunden über Leben und Tod. Damit den Patienten so schnell wie möglich geholfen werden kann, gibt es in Haslach nun einen weiteren Defibrillator – doch auch eine App hilft bei einem medizinischen Notfall.

Neben dem Defibrillator an der Sparkasse und dem am Schwimmbad gibt es seit einem Monat nun einen weiteren in Haslach: Am Strickerweg gegenüber vom Friedhof am Gebäude des Blumengeschäfts Messner ist ein dritter Defibrillator zu finden.

 

Angeschafft hat ihn die Inhaberfamilie Messner über eine Firma, die sie vertreibt. Der Hintergrund: Bisher konnte nur das Gerät von der Sparkasse bei Herz- und Kreislaufstillständen verwendet werden und das am Schwimmbad steht nur saisonal zu Verfügung. „Wir hatten auf dem Friedhof schon öfter medizinische Notfälle und mussten dann immer den von der Sparkasse holen“, berichtet Tim Messner. Als Feuerwehrmann ist er in Erster Hilfe ausgebildet und weiß: Je kürzer die Rettungswege sind, desto höher ist die Chance, Leben retten zu können. Aus diesem Grund kam ihm die Idee, direkt an seinem Arbeitsort einen Defibrillator installieren zu lassen.

Von einer Firma, die solche Geräte vertreibt, ließ sich Familie Messner beraten, welches Modell das passendste ist und kaufte schließlich das, welches am einfachste zu bedienen ist, schließlich soll der Defibrillator im Notfall jedem zur Verfügung stehen – auch Personen, die keine Erfahrung in Erster Hilfe haben.

Defibrillator kann von jedem genutzt werden

Tim Messner und sein Kollege Dominik Kloppe, ebenfalls Feuerwehrmann, nutzen bei medizinischen Notfällen aber noch ein weiteres Hilfsmittel: ihr Handy. Darauf haben sich die Beiden die „Lebensretter-App“ heruntergeladen.

Dabei handelt es sich um eine Anwendung des Vereins „Region der Lebensretter“, der es sich laut seiner Internetseite zum Ziel gesetzt hat, „das reanimationsfreie Intervall auf ein Minimum zu verkürzen“. Aufmerksam geworden sind Messner und Kloppe auf die App durch ihre Tätigkeit als Feuerwehrmänner. „In anderen Bundesländern gab es schon ähnliche Apps. Über den Kreisverband Wolfach bekamen wir über eine Ausbilderin dann die Info, dass im Ortenaukreis nun auch eine solche Anwendung eingeführt wurde“, berichtet Messner. Die Ausbilderin gab die Kontaktdaten von den Haslachern weiter und so kamen sie an die Lebensretter-App.

„Grundsätzlich werden als Anwender nur Personen registriert, die einen medizinischen Hintergrund haben oder zumindest als Mindestqualifikation alle ein bis zwei Jahre ihren Erste Hilfe-Kurs auffrischen müssen – so wie Feuerwehrleute“, berichtet Daniel Schain, Krankenpfleger und ehrenamtlicher operativer Leiter der Region der Lebensretter, auf Anfrage unserer Redaktion. Ob jemand diese Qualifikationen hat, werde überprüft, nachdem der Anwender die App aus dem Store heruntergeladen und danach die Registrierung ausgefüllt habe. Ist das der Fall, wird er als Lebensretter frei geschaltet und kann die App nutzen. Im Ortenaukreis wurde die App 2021 eingeführt. Momentan gibt es laut Schain kreisweit 673 registrierte Nutzer, im Kinzigtal 47 und in Haslach sechs.

Sie kommen dann zum Einsatz, wenn der Leitstelle über die Notrufnummer 112 ein Kreislaufstillstand oder eine Bewusstlosigkeit gemeldet wird. Parallel zu den Rettungskräften werden auch die vier nächstgelegenen registrierten Ersthelfer über ihr Smartphone alarmiert. „Auf dem Handy öffnet sich dann eine Karte, auf der Standort des Notfalls eingetragen ist“, berichtet Tim Messner. Er bestätige den Einsatz dann oder lehne ihn ab. „Die beiden Ersthelfer, die den kürzesten Weg zum Einsatzort haben, werden dann über die App aufgefordert, sich dorthin zu begeben und mit der Reanimation zu starten“, führt Schain aus. Die Aufgabe des dritten Helfers sei es, den nächst gelegenen Defibrillator zu holen und der vierte, normalerweise der mit dem längsten Anfahrtsweg, übernehme weitere Aufgaben wie die Einweisung der nachfolgenden Rettungskräfte. „Das sind Prozesse, die innerhalb von fünf bis zehn Sekunden ablaufen“, fasst Schain zusammen.

Die registrierten Lebensretter können selbst entscheiden, ob sie nur in ihrem Heimatort oder überall zum Einsatz kommen wollen. „Aus Datenschutzgründen speichern wir den Live-Standort nicht, sondern nur den ungefähren mit einem leichten zeitlichen und örtlichen Versatz von etwa 100 Metern.

Messner und Kloppe haben die App seit rund einem Jahr auf dem Handy. „Ein halbes Jahr lang haben wir nach dem Herunterladen gar keine Alarmierungen bekommen; vermutlich gab es da noch anfängliche technische Startschwierigkeiten“, berichten die Beiden. Seit Anfang 2024 würden sich die Einsätze, zu denen sie über ihre Smartphones gerufen werden, aber häufen. „Wir hatten seit dem bestimmt schon fünf bis sechs.“

Die sechs Haslacher Lebensretter kennen sich untereinander alle und stehen in beständigem Austausch. Einige sind Rettungssanitäter, andere Feuerwehrleute. „Wir treffen uns regelmäßig und besprechen die Einsätze auch oft im Nachhinein, um herauszufinden, was wir noch optimieren können“, so Messner.

Das ist ein Notfall

Grundsätzlich unterscheide das System nicht zwischen Unfällen und Kreislaufstillständen, so Daniel Schain, wobei die Leitstelle bei Verkehrsunfällen oft entscheide, die Lebensretter nicht zu alarmieren. Grundsätzlich würden sie aber zu allen Einsätzen gerufen, die eine Bewusstlosigkeit beinhalten. Jede Bewusstlosigkeit könne nämlich zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Die Ursachen für eine Ohnmacht seien vielfältig und bergen je nach Ursache immer das Risiko eines Kreislaufstillstands. Oder anders ausgedrückt: „Zwar hat nicht jeder Bewusstlose einen Kreislaufstillstand, aber jeder Mensch mit einem Kreislaufstillstand ist bewusstlos“, sagt Schain.