Trügt die Nase? Oder wird Nagolds Trinkwasser derzeit mehr gechlort? Foto: Brian Jackson - stock.adobe.com

Da ist er wieder, dieser starke Chlorgeruch im Trinkwasser. Trügt die Nase, oder wird Nagolds Trinkwasser derzeit wirklich mehr gechlort als sonst? Das sagt die Stadt.

Gechlortes Wasser, das kennt man ja eigentlich eher vom Hallenbad. Aus hygienischen Gründen müssen die Wassermassen in Nagolds Bädern gechlort werden. Soweit so üblich. Doch, dass auch das heimische Trinkwasser in Nagold gechlort wird, ist weniger bekannt. Zumal Trinkwasser im Regelfall auch nicht nach Chlor riechen sollte.

 

Manchen Nagoldern kommt der Chlorgeruch nach dem Öffnen des Wasserhahns derzeit aber besonders intensiv vor. Was steckt dahinter?

Stadtwerke versorgen die Bürger mit sauberem Wasser

In Nagold ist der Eigenbetrieb der Stadtwerke für die Versorgung der Bürger mit frischem, sauberem Wasser zuständig. Und Chlor ist dafür ein wichtiger Bestandteil.

Denn tatsächlich wird dem Trinkwasser Chlor zugesetzt – die Stadt spricht vom „Impfen“. „Das Chlor wird im Wasserwerk in das geförderte Wasser geimpft und am Behälterausgang gemessen. Somit wird immer kontrolliert, wie viel Chlor ins Netz gegeben wird“, informiert die Stadt Nagold auf Nachfrage der Redaktion.

Die Nagolder Chlorung liegt deutlich unter dem Grenzwert

In der Regel liege die Chlorung bei 0,12 Milligramm pro Liter, was weit unter dem Grenzwert von 0,3 mg/l liege. „Nach Starkregenereignissen oder anderen Sonderfällen wird die Chlorung zeitlich begrenzt auch mal auf 0,15 mg/l erhöht“, heißt es weiter.

Die Stadt Nagold versichert zwar, dass tendenziell immer die gleiche Menge Chlor ins Trinkwasser geimpft werde. Doch eine mögliche Erklärung für den mitunter stärker wahrgenommenen Chlorgeruch liefert sie auch.

Demnach könne es vorkommen, dass bei Wasserrohrbrüchen die Chlorung „minimal“ hochgesetzt werde – „um sicherzustellen, dass die neu eingebauten Leitungen gut desinfiziert sind.“

Und wie jeder weiß, sind Rohrbrüche vor allem in der kalten Jahreszeit häufiger als im Sommer. Dennoch ist der Stadt Nagold wichtig festzustellen: „Hier handelt es sich aber nur um ein Beispiel.“

So kommt das Chlor ins Trinkwasser

Die Stadtwerke in Nagold führen eine sogenannte Transportchlorung durch. Das Wasser werde im Wasserwerk mit Chlor angereichert, verliert aber auf seinem Weg zum heimischen Wasserhahn an Chlorgehalt. „Auf dem Weg bis zur Kundin beziehungsweise zum Kunden ist der Chlorgehalt in der Regel so weit abgebaut, dass er kaum noch messbar ist“, informiert die Stadt.

Die Frage aller Fragen aber ist, wie es mit der Gesundheitsgefahr aussieht. Wie zu erwarten, bestätigt die Stadt Nagold der Redaktion: „Nein, das hat keine Auswirkungen auf die Gesundheit. Die eingesetzten Chlormengen liegen deutlich unter den Werten, die beispielsweise in öffentlichen Freibädern zulässig sind.“

Im Freibad ist der Chlorgehalt deutlich höher

Dort betrage der Chlorgehalt bei Wassertemperaturen über 25 Grad Celsius in der Regel etwa 1,0 bis 1,2 mg/l. Weiter heißt es: „Im Vergleich dazu befindet sich der Chlorgehalt in unserem Trinkwasser nur im deutlich niedrigeren Spurenbereich.“

Nebenbei erwähnt die Stadt auch, dass das ins Trinkwasser geimpfte Chlor eigentlich geruchsneutral ist. „Der Geruch entsteht durch die Reaktion“, heißt es weiter.

Letztlich also ist wahrgenommener Chlorgeruch auch ein Zeichen dafür, dass der Zusatz wirkt und zum Beispiel Keime in den Leitungen abgetötet wurden.