Von Lampen über Mikroskope bis hin zu Schmuck: Das Angebot auf dem Antikmarkt in Ettenheim war riesig. Foto: Decoux

Nur zwei Wochen nach dem erfolgreichen Flohmarkt fand in der Ettenheimer Altstadt noch ein weiterer statt. Nun allerdings unter dem Namen Antikmarkt. Denn die angebotenen Waren mussten mindestens 50 Jahre alt sein.

51 Aussteller präsentierten sich mit ihren Waren in der autogesperrten Thomas-, Friedrich- und Ettikostraße. Organisiert hatte den Antikmarkt die Endinger Service-Agentur Meyer und Koch im Auftrag des Gewerbevereins „Unternehmens Ettenheim“.

 

Wer sich an Vergangenheiten erfreuen kann, war beim Antikmarkt bestens bedient. Alte gläserne Weihnachtsbaumkugeln gab es an einem Stand gleich neben einem gerahmten Riesenspiegel und alten kleinen Schlüsselloch-Beschlägen. Unweit davon war ein urtümliches Profi-Mikroskop von 1920 neben einer Reservisten-Porzellanpfeife zu finden. Immer wieder stieß man auf allerlei Geschirr, wie auch emaillierte Küchenbehältnisse oder diverse Porzellansachen samt manchem Nippes. An vielen Ständen fand sich Religiöses von Kruzifixen in klein und größer bis zu Rosenkränzen oder Marienbildern.

Professionelle Antiquitätenhändler mit entsprechend teuren kostbaren Knüllern waren nur wenige anzutreffen. Eher manche Laienverkäufer, die bisweilen kleine Kostbarkeiten, vielleicht aus dem eigenen Familienerbe, feil boten. Die Kauf-Versuchungen waren groß. Der Ettenheimer Antikmarkt bot abermals für jeden Nostalgiker etwas, ob Münzen, blechernen SL-Klapptür-Mercedes von Märklin, martialischen Reichsadler oder viele alte Emaille-Werbeschilder. Ein Kinderwagen-Zweisitzer von 1880 oder ein putziger Diaprojektor aus den frühen Jahren der einstigen DDR waren ebenso zu finden.

Käufer werden immer weniger

Eine alte Polaroid-Landkamera ging aus den 1960er-Jahren mit feinster Klappmechanik für schlappe 25 Euro weg. Fast hätte sich der Berichterstatter selbst eine bestens erhaltene alte Reiseschreibmaschine aus den 1920er-Jahren im originalen kleinen Holzkoffer für günstige 140 Euro unter den Arm geklemmt. Stattdessen wurde es eine alte kratzerfreie LP von Edith Piaf für schlappe vier Euro. Die zuvor angekündigte Schallplattenbörse samt CD-Markt hatte es im Rohanhof indes nicht gegeben, aber das tat dem restlichen Marktgeschehen keinen Abbruch.

Auch unzählige Angebote an Schmuck aller Art samt alten Uhren gab es, ebenso Porzellangeschirr bis hin zu Humpen und Weinrömern und Küchenkram von der alten Kaffeehandmühle bis zum Kurbel-Fleischwolf. Kurzum: Für Sammler erwies sich der Antikmarkt jedenfalls als El Dorado.

Auch wer etwas Spezielles sucht, wurde beim Antikmarkt in Ettenheim fündig. Foto: Decoux

Doch auch die Händler kamen auf ihre Kosten: Eine Mutter hatte mit ihrer Tochter aus Durbach insbesondere das tolle Altstadt-Ambiente erneut nach Ettenheim gezogen. Sie hatten mit ihrem Stand sogleich einen schattigen Platz an der alten Post erwischt. Veronika vom Kaiserstuhl blieb mit ihren Schätzen ebenfalls im Schatten. Was ihr heuer besonders auffiel: Es kämen jährlich immer weniger Leute auf den Antikmarkt, besonders wohl, weil denen das Geld immer weniger locker sitze. Und: Die traditionsbewussten Alten stürben allmählich aus, während die nun nachwachsende Jugend meist gar keine Beziehung mehr zur Vergangenheit, deren Pflege und Nostalgie habe.

Bis aus Lörrach

Marktorganisator Wolfgang Koch hatte ebenfalls einen Stand in Ettenheim. Zwischen manchen bibliophilen Druck-Perlen und vielem anderem fand sich da als politische Karikatur auch eine treffliche Originalgrafik von Josef Nikolaus Geis von 1932 mit Hitler als „Stammeshäuptling“ samt bewusstem Schnurrbart, Irokesen-Kahlkopf, Feder und Punker-Ohrring: Ein echtes Dokument künstlerischer Zeitgeschichte. Koch freute sich für seine Stadtmarketing-Firma, die insgesamt bislang 13 solcher Antikmärkte in Baden organisiert, über einen neuerlichen Erfolg. Ettenheim sei ihnen dabei ganz besonders lieb, weil hier das tolle Altstadt-Ambiente viele Besucher noch einmal extra anlocke. Die sachkundigen Sammler kamen laut Koch sogar aus dem Karlsruher und Freiburger Raum und bis von Lörrach herauf.