Die Tankfüllungen für Traktoren und Co. sind teurer geworden. Landwirte hoffen nun auf sinkende Preise. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Die Kämpfe in der Golfregion führen zu explodierenden Energiepreisen. Das bekommen auch die Landwirte in der Kinzigtal-Region zu spüren.

Die in Folge des Irankrieges sprunghaft gestiegenen Preise für Benzin und Diesel treffen nicht nur die Pendler. Auch Landwirte müssen für die Tankfüllungen ihrer Landmaschinen tiefer in die Tasche greifen. Hinzu kommt: Die Kosten für Dünger sind ebenfalls explodiert. Jüngst warnte Bauernverbandschef Joachim Rukwied vor steigenden Lebensmittelpreisen als Konsequenz der Preisspirale. Aber wie betroffen sind die Landwirte in der Kinzigtalregion? Wir haben bei Ulrich Müller, Vorsitzender des BLHV-Kreisverbands Wolfach, nachgefragt.

 

Gerade Ackerbaubetriebe seien extrem stark betroffen, berichtet Müller. Der Kreisverbandsvorsitzende des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands weißt zudem darauf hin, dass auch Betriebe mit Grünland und Forst unter den hohen Spritpreisen ächzen.

Der andauernde Irankrieg sei jedoch nicht das einzige finanzielle Problem für die Bauern im Kinzigtal. Müller hebt den jüngst gesunkenen Milchpreis hervor. Der sei um gut 15 Cent gefallen. So würden derzeit nicht nur höhere Tankkosten oder hohe Düngerpreise negativ zu Buche schlagen, auch die Einnahmen für die Milchbauern gehen zurück.

Weniger Einnahmen für Milchbetriebe

Mit Sorgen blicken zudem viele Landwirte auf stark verteuerte Düngerpreise – auch in Folge der Krise im Nahen Osten. Handelswege sind erschwert oder unterbrochen. Besonders Stickstoffdünger habe sich seit Jahresbeginn auf den Weltmärkten um 30 bis 40 Prozent verteuert, erklärt der Deutsche Bauernverband in einer Mitteilung. Ein Verzicht ist laut dem Bauernpräsident keine Option: „Ohne Stickstoff sinken Ertrag und Qualität unmittelbar.“ Es sei notwendig, Transportwege und Lieferketten krisenfest auszurichten.

Zwar könnten Landwirte gewisse Mengen an Dünger auch auf Vorrat kaufen, erklärt Müller. „Die Preise entwickeln sich aber sehr kurzfristig“, fügt er an. „So schnell kann man nicht reagieren.“ Hoffnungen setzt Müller, der in Fischerbach mit seiner Familie den Ramsteinerhof bewirtschaftet, in die am Montag angekündigten Entlastungspläne der Bundesregierung (siehe Info). Die Mineralölsteuer soll temporär gesenkt werden. „Wir hoffen, dass das bei uns ankommt“, erklärt Müller. Denn: „Jeder Cent, den wir nicht bezahlen müssen, hilft“, ist der BLHV-Kreisvorsitzende überzeugt.

Besondere Lage

Grundsätzlich sei die Landwirtschaft im Schwarzwald herausfordernder als andernorts, so Müller. Er verweist dabei auf die Topographie. Auch deswegen seien viele Landwirtschaftsbetriebe in der Region breiter aufgestellt. Manche bieten etwa touristische Angebote an oder setzen auf einen Mix aus Wald und Grünland. Auch Brennereien seien für manche Höfe eine weitere Einkommensquelle, gibt Müller Beispiele. Zudem gebe es im Kinzigtal auch viele Nebenerwerbslandwirte. Auch der Vorsitzende des BLHV-Kreisverbands selbst setzt auf mehrere Standbeine, bietet etwa Ferienwohnungen auf dem Hof an. „Breit aufgestellt sein hilft“, meint Müller mit Blick auf krisenreiche Zeiten.

Auch wenn die Stimmung bei vielen Bauern in der Region derzeit gedämpft sei, müsse man auch positiv denken, so Müller kämpferisch. Aber: Halten der Irankrieg und die hohen Energiepreise an, rechnet der Fischerbacher mit steigenden Preisen für Lebensmittel.

Regierung kündigt Entlastung an

Angesichts der hohen Energiepreise hat die Bundesregierung am Montag ein „Energiesofortprogramm“ angekündigt. Im Fokus steht dabei die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer). Angekündigt wurde die Senkung der Mineralölsteuer um circa 17 Cent pro Liter für Benzin und Diesel. Die Reduzierung soll jedoch nur temporär sein. Für zwei Monate soll die niedrigere Steuer gelten. Dieser Schritt werde „sehr schnell die Lage für die Autofahrer und für die Betriebe im Land verbessern und vor allem für diejenigen, die vor allem aus beruflichen Gründen sehr viel mit dem Auto unterwegs sind“, wird Bundeskanzler Friedrich Merz in einer Pressemitteilung der Regierung zitiert.