Die Stadtkirche mit den Fontänen auf dem unteren Marktplatz. Foto: Butschkus

Freudenstadt ist bekannt für seinen quadratischen Marktplatz - den größten in Deutschland - und die mühlebrettartig angelegten Straßen ringsum. Doch die Stadt hat noch mehr Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Freudenstadt - Ob zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Kurbähnle – in Freudenstadt gibt es viele Aussichtspunkte und historische Gebäude, die einen Besuch wert sind. Geschichtsinteressierte und Naturliebhaber kommen hier auf ihre Kosten.

Größter Marktplatz Deutschlands

1599 wollte Herzog Friedrich I. von Württemberg eine neue Residenzstadt mitten im Schwarzwald bauen. Mit den Plänen für eine Stadt in Form eines Mühlebrettspiels, mit einem großen Platz im Zentrum und einem Schloss in dessen Mitte, beauftragte der Herzog seinen Baumeister Heinrich Schickhardt. Das Residenzschloss wurde jedoch nie gebaut. Der Marktplatz gilt mit seinen 219 mal 216 Metern als größter umbauter Marktplatz Deutschlands. Er war schon immer ein Anziehungspunkt für Gäste aus der ganzen Welt, zu denen König Georg von England, Mark Twain, Reichspräsident Friedrich Ebert und auch viele Hollywoodstars zählten. Mit etwas Glück kann man auch heute in Freudenstadt auf einen Promi treffen, denn die Stadt ist inzwischen eine beliebte Filmkulisse. Umgeben ist der Marktplatz von historischen Gebäuden mit Arkadengängen, die zum Bummeln einladen. In seiner heutigen Form wurde er zwischen 1949 bis 1954 während des "Wunders von Freudenstadt" angelegt. Mit dem Bau der Wasserfontänen auf dem Unteren Marktplatz feierte die Stadt Freudenstadt ihr 400-jähriges Bestehen. Für Kinder gibt es an der Stadtkirche einen großen Spielplatz, davor zwei Cafés.

Evangelische Stadtkirche

Die evangelische Stadtkirche wurde zwischen 1601 und 1608 nach einem Entwurf von Heinrich Schickhardt in Winkelhakenform erbaut. Herzog Friedrich I. von Württemberg ließ die Stadtkirche als "Schlosskirche in spe" an einem der vier Ecken des Marktplatzes erbauen. Sie gilt heute als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung. Um seine Kirche besonders zu schmücken, ließ sie der Herzog mit mittelalterlichen Kunstwerken ausstatten, die heute noch die Stadtkirche zieren: ein romanisches Lesepult aus dem zwölften Jahrhundert und der ebenfalls im romanischen Stil gefertigte Taufstein aus dem elften Jahrhundert, das gotische Kruzifix aus der Zeit um 1500 sowie verschiedene Glocken, von denen noch zwei erhalten sind. In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1945, und damit wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde die Stadtkirche zerstört. Ihr Wiederaufbau dauerte von 1947 bis 1950. Der Buntsandsteinbau vereint nun Stilelemente der Spätgotik und der Renaissance. Bei der Renovierung von 1979 bis 1982 wurden die beiden heutigen Orgeln eingebaut und 2003 der Altarbereich neu gestaltet. Von 2019 bis 2021 wurde das Kircheninnere für insgesamt 2,93 Millionen Euro aufwendig saniert.

Rathaus am Marktplatz

Die Einweihung des neuen Rathauses am Marktplatz 1954 besiegelte das Ende des Wiederaufbaus der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Wie die Stadtkirche, so war auch das einstige Rathaus ein Winkelhakenbau. Das heutige Gebäude trägt dem mit einem Turm, der leicht aus dem Gebäude hervorspringt, Rechnung. Markant ist auch die kugelförmige Turmspitze. Den 43 Meter hohen Turm kann man während der Rathaus-Öffnungszeiten, montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr, donnerstags von 14 bis 17.30 Uhr sowie freitags von 8 bis 13 Uhr besteigen. Den Schlüssel dafür gibt es beim Bürgerservice im Rathaus. Vom Turm aus hat man einen herrlichen Blick über den Marktplatz.

Die Venus von Freudenstadt

Die Venus – eine Bronzeplastik des Freudenstädter Bildhauers David Fahrner – thront hoch oben auf einem Sandstein-Sockel über dem Marktplatz. Mit ihrer rechten Hand schiebt sie die Schrecken der Vergangenheit fort, mit der linken reckt sie sich nach einer besseren Zukunft. Damit ist die Venus aus dem Jahr 1954 ein Symbol für die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg und deren Wiederaufbau gleichermaßen.

Herzog-Friedrich-Turm

Der Freudenstädter Hausberg, der Kienberg, ist ein beliebtes Ausflugsziel. Auf ihm steht der 25 Meter hohe Herzog-Friedrich-Turm. Erbaut wurde er 1899 zum 300. Jahrestag der Stadtgründung – in einer Zeit, in der in Freudenstadt der Tourismus so richtig Fahrt aufnahm. Vom Turm aus bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die Stadt und weiter bis zur Schwäbischen Alb.

Geöffnet: Mai bis Oktober

Bärenschlössle

Schon im Mittelalter wurde im Christophstal Silber vermutet. Herzog Friedrich I. ließ die Suche wieder aufnehmen und setzte große Hoffnung auf reiche Funde. Doch was im 17. Jahrhundert an Silber, Erzen, Eisen und Kupfer in den Stollen im Christophstal gefördert wurde, hielt sich in Grenzen. Ein Überbleibsel aus dieser Zeit ist das "Bärenschlössle", das von einem hohen Bergbaubeamten 1627 erbaut wurde und eines von ganz wenigen Häusern ist, das in Freudenstadt die Zerstörung des Dreißigjährigen Krieges und des Zweiten Weltkriegs überstanden hat. Das "Bärenschlössle" war in den letzten Jahren beliebtes Ausflugslokal und auch Filmkulisse. Von Freudenstadt aus kann man vom Aussichtspunkt gegenüber des Bergwerks in der Straßburger Straße einen Blick aufs "Bärenschlössle" im Christophstal werfen. Heute gibt es dort Kultur. Außerdem ist es eine stilvolle Location für Feiern.

Website: hofgutbaerenschlössle.de