Konfetti sorgt derzeit für Schlagzeilen. Die bunten Schnipsel machten zu viel Dreck, erklärt so manche Stadt. Die Folge: Ein Konfetti-Verbot. Hierzulande gibt es Regeln.
„Bei uns ist das immer wetterabhängig: Wenn es extremes Mist-Wetter hat, mit Schnee oder starkem Regen, gibt es bei unsren Umzüge ein Konfetti-Verbot. Ansonsten dürfen unsere Umzugsteilnehmer gern. Die Entscheidung darüber liegt bei uns.“ Das erzählt Schopfheims Oberzunftmeister (Ozume) Frank Pfeiffer.
Grund für die Schlecht-Wetter-Regelung ist natürlich auch hier die das Thema Reinigung und Entsorgung der Papierschnipsel: „Wenn alles nass ist, kriegt man das Zeug nicht gut wieder weg, und im Zweifel verstopft es auch noch die Kanalisation“, weiß Pfeiffer. Wegen Verbundsteinen und Kopfsteinpflaster in der Innenstadt, auf dem Marktplatz und in der Altstadt haben die bunten Papierschnipsel in Schopfheim ohnehin gute Chancen, auch Wochen und Monate nach der Fasnacht noch an der ein oder anderen Stelle als Andenken an die närrischen Tage zu überleben.
Vereinbarung getroffen
Grundlage für die Schopfheimer Regelung ist eine „Good Will-Vereinbarung“, die ein früherer Ozume vor Jahrzehnten mit einem früheren Burgi getroffen hat – und die seither ohne großes Aufheben von Generation zu Generation weitergetragen wird, erläutert Pfeiffer. Die Reinigung übernimmt in Schopfheim der Werkhof - „das ist aber auch das einzige Sponsoring, das wir Narren von der Stadt bekommen“, betont der Ozume. Dennoch wolle man hier nicht überreizen und gehe daher verantwortungsvoll mit der Entscheidungshoheit in Sachen Konfetti um. „Das hat sich bewährt und gut eingespielt“, führt Pfeiffer aus.
Zwischen Schmunzeln und Skepsis blickt Pfeiffer auf die vermeintlich weniger abfall-trächtigen Konfetti-Alternativen in anderen Orten: „Anderswo schmeißen sie Heu, Stroh oder Lauchstengel. Ob das besser ist – da bin ich mir nicht sicher.“
Fest verankerter Brauch
„In der Stadt Lörrach gibt es keine formelle „Konfetti-Vereinbarung“. Die Stadt Lörrach erkenne jedoch an, dass Konfetti bei der Lörracher Fasnacht nicht nur „bunte Deko“ ist, sondern ein fest verankerter Brauch, der Spaß, Gemeinschaft und Tradition symbolisiere. „Der städtische Werkhof leistet mit der anschließenden Stadtreinigung seinen Beitrag zum Konfetti-Brauchtum“, teilt die Stadt auf Anfrage unserer Zeitung mit.
Konfetti in Todtnau erlaubt
Zunächst stand die jahrelange Narrenfreiheit bezüglich Konfetti für den diesjährigen Rosenmontagsumzug in Todtnau auf der Kippe. Doch nun ist klar: Auch dieses Jahr ist Konfetti erlaubt, erklärt Zunftmeister Tobias Gutmann im Gespräch mit unserer Redaktion.
Die Narren haben die Reinigung – wie jedes Jahr – organisiert. Zusätzlich zur Reinigung mit der Kehrmaschine, mit der die Narrenzunft eine Firma beauftragt hat, treffen sich auch die Zünfte und Zinken nach der Fasnacht wieder zum großen Putztag im Städtle.
Aber einen Haken gibt es noch: Sollte es schneien, wird Konfetti auch in Todtnau verboten sein. Diese Vorgabe komme vom Landratsamt, sagt Gutmann. Konfetti ist seit jüngerer Zeit Sondermüll, was die aufwendige Entsorgung noch teurer macht. Doch Konfetti gehöre einfach zur Fasnacht dazu, sagt Gutmann und freut sich, dass es höchstwahrscheinlich auch in diesem Jahr wieder kunterbunt wird.
Konfettibäder in Maulburg
Beim großen Jubiläumsumzug in Maulburg am Sonntag wurden die Besucher ordentlich eingeseift und mussten auch das ein oder andere Konfetti-Bad über sich ergehen lassen. Nach dem Umzug mit knapp 1000 Teilnehmern waren die Straßen übersät von den bunten Papierschnipseln.
Aber auch hier war in der Einladung an die Narren die klare Regel: Sollte das Wetter nass sein, herrscht ein Verbot. Umso froher waren die Vereine, dass sie bei Sonnenschein ihr Konfetti an den Mann oder die Frau bringen konnten.
In Zell verboten
In Zell, der Narrenhochburg im Wiesental, ist Konfetti an den großen Umzügen schon lange verboten. Hier fliegt jedoch anderes ins Publikum, etwa Gemüse, was auch nicht bei allen auf Verständnis stößt. Und so manch einer wird auch mit Stroh eingeseift. Die Wagenbauvogteien verteilen zudem passend zu ihrem Motto einiges an ihre Zuschauer.
Klar pro Konfetti
In Wyhlen positioniert sich die örtliche Narrenzunft Rolli-Dudel klar pro Konfetti. Wie Narrenmeister Ralf Gentner bekräftigt, gibt es in Grenzach-Wyhlen kein Konfettiverbot. Einmal nur habe das Ordnungsamt im Jahre 2012 einen Tag vor der Fasnacht ein Konfettiverbot erlassen Grund dafür war, wie Gentner sich erinnert, dass keine Kehrmaschine vorhanden gewesen sei. Auch habe die Gemeinde keine ausleihen können. „Weil in der Kürze der Zeit die Teilnehmer des Wyhlener Nachtumzugs nicht erreicht werden konnten, haben wir, also die Narrenzunft Rolli-Dudel Wyhlen, die Straßen von Wyhlen selbst sauber gemacht. Das sagt schon einiges aus, wie wir zu einem Konfettiverbot stehen“, sagt Gentner.
Unterschriften gesammelt
Die Zunft habe im Nachgang eine Unterschriftensammlung initiiert, „um zu zeigen, dass Konfetti zur Fasnacht im Dreiländereck dazugehört. Wir nehmen auch nicht an Umzügen teil, für die schon ein Konfettiverbot angekündigt ist“. Dem Narrenmeister zufolge achten die Wyhlener Fasnächtler aus Umweltschutzgründen außerdem darauf, dass nur sortenreines und sich auflösendes Konfetti an den eigenen Umzügen verwendet wird. „Ein allgemeines Konfettiverbot schadet der Tradition und der Fasnacht“, hält Gentner fest.
Wasserlösliches Konfetti
Im benachbarten Grenzach dagegen beleuchten die Narren das Thema Verbot von mehreren Seiten.. „Konfetti gehört zum Brauchtum einfach dazu, und deshalb wollen wir selbst auch nicht darauf verzichten“, sagt Stefan Koppetsch, Oberzunftmeister der Narrenzunft Grenzach. Werde aber andernorts, wo man zu Gast sei, ein Verbot ausgesprochen, „dann halten wir uns auch daran“.
Gerade bei schlechter Witterung bilde Konfetti in Verbindung mit Nässe Klumpen, mit denen manche Kehrfahrzeuge durchaus ihre liebe Not hätten, wie Koppetsch aus Gesprächen mit Werkhofmitarbeitern weiß. In Grenzach selbst achte man darauf, nur wasserlösliches, sich zersetzendes Konfetti zu verwenden, das obendrein nicht gesundheitsschädlich sei. „Konfetti ist gelebte Tradition und Spaßfaktor gleichermaßen. Aber falls individuelle Umstände ein situatives Verbot erfordern, dann sind wir selbstverständlich solidarisch“, so Koppetsch.