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„Nicht notfalltauglich“ Baby-Notarztwagen bringt Steiger-Stiftung in Bedrängnis

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Genau vor einem Jahr in der Stuttgarter Mercedes-Niederlassung: Der neue Baby-Notarztwagen Felix wird öffentlichkeitswirksam präsentiert. Am Steuer sitzt Ex-Rennfahrer Mika Häkkinen. Foto: Jörn Fries

Stuttgart - Auf den Tag genau vor einem Jahr ist in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Niederlassung ein neuer Star in Szene gesetzt worden. Daimler-Chef Dieter Zetsche gehörte ebenso zum Begrüßungskomitee wie der frühere Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen und zahlreiche Landespolitiker. Im Rampenlicht: der neue Baby-Notarztwagen Felix, entwickelt von der Björn-Steiger-Stiftung, Daimler und mehreren Partnern. „Wir haben hier das Maximale an Technik für den Transport der kleinsten Patienten“, so Stiftungspräsident Pierre-Enric Steiger.

Doch Felix „der Glückliche“ hat der Stiftung bisher kein Glück gebracht. Der erste der 450.000 Euro teuren Wagen ging ins westfälische Datteln. Doch schnell lag die Leitung der dortigen Vestischen Kinder- und Jugendklinik im Clinch mit der Stiftung. Der Vorwurf: Wegen technischer Probleme eigne sich das Fahrzeug nicht zum Betrieb. Unter anderem sei das Unterfahrgestell, auf dem der Transportbrutkasten herausgefahren wird, so hoch, dass Krankenschwestern kaum herankämen. Die Stiftung besserte nach – doch offenbar vergeblich.

In dieser Woche hat die Klinik in Datteln die Erprobung des Fahrzeugs, das nie im Einsatz gewesen ist, beendet. Nicht ohne markige Worte. Felix sei „nicht notfalltauglich“, heißt es in einer Erklärung. Die Stiftung weigere sich, weitere Nachbesserungen vorzunehmen, und habe das Auto am Dienstag geholt. „Wir sind sehr enttäuscht“, sagt Kliniksprecherin Hannah Iserloh, „aber es geht um massive Sicherheitsaspekte.“

250.000 Euro an Spenden für das Fahrzeug

Die Stiftung bringt das in Erklärungsnot. Nicht nur, weil Felix dort nach wie vor als mustergültig gilt, sondern auch wegen der Finanzierung. In Datteln hat sie seit 2008 von ihrem ehrenamtlichen Landesbeauftragten 250.000 Euro an Spenden für das Fahrzeug sammeln lassen. Nur so konnte es angeschafft werden. Ob die Spender dafür eine Gegenleistung bekommen, ist nun offen. „Die Leute hier haben richtig viel Geld gespendet, und zwar für uns“, sagt die Kliniksprecherin. Man könne den Spendern nur empfehlen, sich an die Stiftung zu wenden.

Dort kommentiert man die Ereignisse sehr zurückhaltend. „Wir haben das Fahrzeug abgezogen und prüfen innerhalb der nächsten acht Wochen intern das weitere Vorgehen“, sagt Sprecherin Melanie Storch. Was die Spenden betrifft, sieht man sich rechtlich auf der sicheren Seite. Es sei nicht für die Klinik gesammelt worden, sondern für einen Baby-Notarztwagen. Und der sei da.

Wo er zum Einsatz kommt, ist offen. In den nächsten Monaten sollen lediglich in Vechta und Oldenburg Fahrzeuge in Betrieb gehen. Weitere, auch das für Stuttgart angekündigte, sind bisher nicht finanziert. Pierre-Enric Steiger hatte vor einem Jahr von 60 Fahrzeugen, zuvor sogar von 120 gesprochen. Manche Experten hatten dagegen von Anfang an den hohen Preis moniert – und die technische Ausstattung. „Ich verstehe nicht, warum man nicht auf die Erfahrungen der örtlichen Kooperationspartner mit den Vorgängerfahrzeugen in Stuttgart und Lübeck zurückgegriffen hat“, sagt etwa Jörn Fries, bis 2006 Geschäftsführer der Stiftung.

Teure Entwicklung

Für die entwickelt sich Felix immer mehr zum Kraftakt. Allein die Entwicklung hat drei Jahre und fünf Millionen Euro verschlungen. Zwölf Mitarbeiter, ein Drittel des Personals, mussten entlassen werden. Der Rest verzichtet seither auf 25 Prozent des Gehalts. Vor zwei Jahren bat man das Land um eine Bürgschaft über 1,5 Millionen Euro, auf die man dann doch verzichten konnte. Das Land hatte unter anderem gefordert, Steigers Gehalt zu reduzieren. Die ausgelieferten Fahrzeuge sollen im Besitz der Stiftung bleiben und jährlich 85 000 Euro an Unterhaltskosten verschlingen. Dafür braucht es viele Spender und Sponsoren. Branchenkenner zweifeln daran, dass die zu finden sind.

Dass Felix die Stiftung in größere Schwierigkeiten bringen könnte, verneint man in Stuttgart. „Wir gehen häufig in Vorleistung. Es macht die Stiftung aus, dass man sich traut, das zu tun“, sagt Melanie Storch. Jetzt muss Felix nur noch durchstarten.

 
 

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